Standardaktien, Nebenwerte oder Titel aus Zukunftsbranchen? Wer deutsche Aktien per Indexfonds kaufen will, kann zwischen sieben Fonds wählen, die fünf Marktindizes abbilden.

Die Geschichte des Dax beginnt mit einer Panne. Ursprünglich kam der deutsche Leitindex im Jahr 1988 unter dem Namen Dai auf die Börsenwelt – kurz für Deutscher Aktienindex. „Das klingt aber sehr japanisch“, monierte der damals noch für die Sat1-Telebörse arbeitende Journalist Friedhelm Busch wenige Tage später vor laufender Fernsehkamera. „Dann nennen wir den Index doch Dax“, antwortete kurzerhand sein Gesprächspartner Manfred Zaß, Aufsichtsratsmitglied der Frankfurter Börse. „Ich fand das X in dem Namen schon immer sehr charmant“, sagt Zaß heute über seinen Handstreich. „Außerdem hatte Daimler- Benz damals ebenfalls das Börsenkürzel DAI.“
Inzwischen ist das X zu einem Markenzeichen geworden, das nahezu in jedem Produktnamen auftaucht, der irgendetwas mit der Deutschen Börse zu tun hat. 292 Indizes tragen das Wort Dax in ihrem Namen.

Dax ist erste Wahl

Vier von ihnen stehen Privatanlegern direkt über börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) zur Geldanlage offen. Als häufigstes Vorbild dient dabei der Original-Dax, geborener Dai. Die Deutsche Bank, Société Générale und Barclays Global Investors haben über ihre Töch ter db X-Trackers, Lyxor und I-Shares je ein Exemplar am Markt.
Wer keine Experimente wagt, greift hier zu. Damit holt er sich die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften am Stück ins Depot. Für die Auswahl zählen der Börsenumsatz und der Gesamtwert der an der Börse frei handelbaren Aktien. Dieser Streubesitz (englisch: Free Float) entscheidet auch über das Gewicht der Aktie im Dax. Das bedeutet ebenfalls, dass es immer prozyklisch mit dem Aktienkurs steigt. Es ist allerdings gedeckelt: Viermal im Jahr stellt die Börse sicher, dass kein Wert mehr als 10 Prozent Anteil am Dax hat. Dieses Prinzip gilt für alle hier vorgestellten Indizes.
Jeden September überprüft die Deutsche Börse die Dax-Komposition. Zu klein gewordene Unternehmen fliegen raus und landen im M-Dax. Mit 50 Mitgliedern ist er zahlenmäßig größer als der Dax. Die Aktien sind jedoch nur rund 84 Milliarden Euro wert – das ist nicht mal ein Siebtel der Dax-Marktkapitalisierung. Einen passenden Indexfonds bietet I-Shares an.
Doch welcher Index ist der bessere? Beide starteten 1988 bei jeweils 1.000 Punkten, seitdem liegt der M-Dax mit einem aktuellen Stand (20. März 2008) von 8.224 Punkten gegenüber dem Dax mit 6.320 Punkten deutlich in Front. Doch diese Dominanz war nicht immer so. Während des Aktienbooms Ende der 90er Jahre gipfelte der Dax bei 8.136 Punkten, der M-Dax etwas später nur bei knapp über 5.000 Zählern.
Mit einer Volatilität von 16 und 17 für die vergangenen fünf Jahre weisen die Indizes dabei zumindest mathematisch keine nennenswert unterschiedlichen Risiken auf. Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut (mit dem offiziellen Kürzel DAI) hält den Dax trotzdem für die etwas sicherere Variante. „Die Unternehmen sind größer und tendenziell breiter und internationaler aufgestellt“, begründet der Referent. Der Dax sei daher etwas konjunkturunabhängiger und stabiler als sein kleiner Bruder. Auch müssen Anleger beachten, dass sie auf den größten Teil des deutschen Aktienmarktes verzichten, wenn sie den Dax meiden. Beim M-Dax greift dagegen ein wichtiger Basiseffekt: Für ein kleines Unternehmen ist es einfacher, prozentual stark zu wachsen. Im Dax landet dagegen erst, wer schon einen langen Weg hinter sich hat.
Sowohl Dax als auch M-Dax haben einen ausgewogenen Branchenmix. Ganz anders der Tec-Dax. Er löste im Jahr 2003 offiziell den Nemax 50 ab, der bis dahin die 50 größten Unternehmen des Hightech-Segments Neuer Markt abbildete. Ein Erbe, das man ihm ansieht. Seine Volatilität liegt um gut ein Drittel über der von Dax und M-Dax.
Anders als sein Vorgänger besteht der Tec-Dax nur aus 30 Technologieaktien. Wer den I-Shares-ETF auf den Index kauft, braucht Mut zum Risiko, denn die Geschäfts modelle der Firmen stehen meist noch am Anfang ihrer Entwicklung. Außerdem braucht es derzeit etwas Sympathie für erneuerbare Energien: Über ein Viertel des Index besteht aus Unternehmen dieser Branche.
Der Div-Dax ist dagegen eher konservativ. Er vereint die 15 Unternehmen aus dem Dax, die ein Jahr zuvor die prozentual höchs ten Dividenden gezahlt haben. Diese Technik beruht auf dem etwa 15 Jahre alten Dogs-of-the-Dow-Prinzip. Wobei der Be griff Dog hier „verschmähtes Produkt“ bedeutet. Der Kurs dieser Aktien ist im Verhältnis zur Dividende klar zu niedrig.
Ein erfolgreiches System: Jedes Jahr seit 2000 gewann der Div-Dax den Zweikampf mit dem Dax. Erst seit Mitte 2007 ist das anders. Der Grund: Die dividendenstarken Finanzaktien erlitten wegen der weltweiten Finanzkrise starke Kursverluste. Hier rächt sich die Trägheit des Div- Dax. Denn sollten Banken wegen ihrer erlittenen Verluste demnächst ihre Dividende kürzen, fallen sie erst danach aus dem Index. Dann ist der schlimmste Kursrutsch aber schon vorbei. Auf plötzliche Schocks reagiert der Index also zu langsam.
Den Sonderfall im deutschen ETF-Reigen liefert die Schweizer Bank UBS. Weil sie von der Deutschen Börse keine Lizenz erhalten hat, bildet sie mit ihrem Fonds den Germany Titans 30 Index aus dem Haus Dow Jones Stoxx ab. Der Index setzt sich wie der Dax aus den 30 deutschen Aktien mit dem größten Streubesitz zusammen und gewichtet keinen Wert höher als 10 Prozent.

Porsche macht den Unterschied

Der wichtigste Unterschied heißt Porsche. Der Sportwagenbauer weigert sich bis heute, Quartalsberichte abzuliefern. Damit verletzt er die Transparenzregeln des Prime- Segments – eine Grundvoraussetzung für eine Mitgliedschaft im Dax. Stattdessen taucht dort die Postbank auf. Im Dow-Jones- Index hat dagegen Porsche ein Gewicht von 1,6 Prozent, die Postbank fehlt. Dieser Unterschied ist jedoch so gering, dass Dax und Germany Titans 30 in den vergangenen Jahren nur minimal voneinander abwichen. Der UBS-ETF stellt deshalb keine echte Alternative dar. Hinzu kommt: Die Verwaltungsvergütung von jährlich 0,5 Prozent ist deutlich höher als bei der Dax-Konkurrenz. Ein zu hoher Preis für den Gedanken, Porsche im Portfolio zu haben.