„Für große Öl-Konzerne beginnen harte Zeiten“

//
Der Preis für die Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) hat einen neuen Rekordstand erreicht. Auch die Nordseesorte Brent notiert nur knapp unter ihrem Allzeithoch. Wie es mit dem Ölpreis weitergeht und welche Folgen das für Anleger hat, fragte DAS INVESTMENT.com Alexander Scholl. Er managt den Energieanteil des Deka-Fonds Global Resources (WKN: 565 127).

DAS INVESTMENT.com: Welche Entwicklung erwarten Sie beim Preis für Rohöl?

Alexander Scholl: Ich bin bullish für den Ölpreis. Das hat mit fundamentalen Gründen zu tun. Die Ölnachfrage steigt, vor allem in China und Indien. Aber auch die jungen Volkswirtschaften im Nahen und Mittleren Osten verbrauchen immer mehr Öl, insbesondere für sehr energieintensive Infrastrukturprojekte und Bauvorhaben. Außerdem kaufen sie sich von ihren Petrodollars Luxusautos mit hohem Spritverbrauch.

DAS INVESTMENT.com: Und wie sieht es auf der Angebotsseite aus?

Scholl: Auch hier spricht alles für steigende Preise. Denn einige ältere Quellen versiegen langsam. Die Fördermenge aus den meisten Ölfeldern der Nordsee zum Beispiel fällt pro Jahr um 3 bis 5 Prozent. Neue Quellen dagegen sind immer schwerer zu erreichen. Zum einen liegen sie oft tiefer in der Erde. Zum anderen sind sie weiter von der notwendigen Infrastruktur entfernt.

DAS INVESTMENT.com: Wie wirkt sich das auf die Aktienkurse der Ölfirmen aus?

Scholl: Für die großen Ölkonzerne beginnen härtere Zeiten. Um zu wachsen, müssen sie immer mehr Öl fördern. Doch das wird immer schwieriger. Davon profitieren allerdings die Zulieferer. Diese Unternehmen bieten sehr gute Investmentchancen. Denn zum einen sind ihre Erträge oftmals langfristig gesichert. Ein Ölfeld ist ja kein kurzfristiges Projekt. Zum anderen ist hier viel Know-How gefragt. Ihre Produkte können nicht einfach von einem Konkurrenten kopiert werden. Daher haben die Firmen die Macht, hohe Preise zu verlangen.

DAS INVESTMENT.com: Wo sind diese Unternehmen zu finden?

Scholl: Vor allem in Europa und Amerika. Europäische Zulieferer bieten viele ingenieurwissenschaftliche Leistungen an und konstruieren beispielsweise Bohrtürme, Plattformen und Pipelines. In den USA gibt es dagegen viele Spezialisten für die technologischen Fragen.

DAS INVESTMENT.com: Wie attraktiv sind Ölaktien im Vergleich zu anderen Energiewerten?

Scholl: Ich sehe bei Öltiteln bessere Chancen als bei Gas- oder Uranaktien. Denn viele Ölaktien sind derzeit noch leicht unterbewertet. Hier liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis etwa 20 Prozent unter dem Marktdurchschnitt. Denn viele Investoren trauen dem hohen Ölpreis nicht über den Weg, noch nicht. Die Kurse dürften daher auch dann steigen, wenn der Ölpreis auf seinem aktuellen Niveau verharrt.

Mehr zum Thema