Die globalen Risiken für Unternehmen, wie Cyber-Vorfälle, Naturkatastrophen oder politische Konflikte stellen heute schon eine länderübergreifende Bedrohung für die Wirtschaft dar und werden in Zukunft noch häufiger auftreten. Es brauche systemische Lösungen auf nationaler und europäischer Ebene. „Auch die alltäglichen Herausforderungen der Industrieversicherung lassen sich nicht mit Einzellösungen meistern, sondern nur durch systematisches Handeln mit Weitblick.“

Stabile Prämien und ausreichende Kapazitäten

Das schreibt das international tätige Versicherungsmakler- und Beratungsunternehmen Funk im aktuellen Bericht „Funk Forum Markt-Spezial“, das einen Überblick über die Situation in den verschiedenen Sparten des industriellen Versicherungsgeschäfts liefert. Insgesamt blicken die Analysten nach eigener Aussage aber positiv auf den Markt. In vielen Versicherungssparten seien die Prämien stabil und es gebe ausreichend Kapazitäten. Auch der deutsche Versicherungsmarkt hat sich laut Funk in vielen Bereichen stabilisiert. 

„Wer frühzeitig reagiert, Risikotransparenz schafft und den Versicherungsschutz regelmäßig überprüft, kann sich auch in politisch herausfordernden Zeiten erfolgreich positionieren.“ Ein Thema, auf das der deutsche Mittelstand frühzeitig reagieren sollte, ist die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Hier gelte es entsprechende Vorkehrungen zu treffen. 

Positive Signale vom Sach-Versicherungsmarkt

Selbst der herausfordernde Sach-Markt hat sich gut entwickelt, so die Experten. „Nach mehreren Jahren intensiver Sanierungsmaßnahmen und einer spürbaren Reduzierung der Kapazitäten zeigt sich derzeit eine Marktstabilisierung in der industriellen Sachversicherung“, sagt Ralf Becker, geschäftsführender Gesellschafter von Funk.

Unzureichend geschützte Risiken stünden allerdings weiterhin unter Druck. Neben klassischen Präventionsmaßnahmen wie Brandschutz werde für die Platzierung immer entscheidender, wie die Unternehmen sich vor Naturgefahren schützen und ob sie neben allgemeinen auch standortbezogene Risikodaten vorweisen könnten.

Gesetze und Gerichtsurteile bestimmen den Markt

Neben Naturgefahren sowie Folgen von Inflation und Zinsentwicklung wirken sich laut Funk auch neue Gesetze und Gerichtsurteile auf den Versicherungsmarkt aus. In der Haftpflichtversicherung werde beispielsweise weiterhin über den Umgang mit PFAS-Chemikalien, diskutiert. Ob eine Deckung künftig auch für Schäden durch PFAS greift, werde maßgeblich davon abhängen, ob die EU ein Verbot oder Teilverbot aussprechen wird. Die Debatte darüber läuft schon lange.

 

Funk weist auf die bereits beschlossene EU-Produkthaftungsrichtlinie hin, die derzeit in nationales Recht umgesetzt wird und sich perspektivisch in der Schadenquote von Haftpflichtversicherern bemerkbar machen dürfte.

In der D&O-Versicherung (Vermögensschadenhaftpflicht) werde unter anderem das sogenannte Facebook-Urteil besprochen, das sich mit immateriellen Schadenersatzansprüchen beschäftigt. Insgesamt werde es für Manager schwieriger, der wachsenden Regulatorik – gerade auch zu Nachhaltigkeitsaspekten – gerecht zu werden. Dennoch bleibe der D&O-Markt ruhig, da einige Versicherer Wachstumsziele verfolgen und neue Marktteilnehmer eingetreten sind, heißt es in dem Report.

Cyber-Bedrohungslage immer kritischer

Beim Geschäft mit Cyberversicherungen verweisen die Autoren auf das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Dieses charakterisiert die aktuelle Cyber-Bedrohungslage der Wirtschaft als „besorgniserregend“ und „sich rasant entwickelnd“. Es werde von einer „immensen“ Zunahme der Angriffe berichtet, die „gravierende Folgen“ und „beträchtliche Schäden“ nach sich ziehen könnten. Diese Einschätzung werde durch die Wahrnehmung der Industriekunden bestätigt.

Marktumfeld verbessert sich 

Der Markt hat harte Zeiten hinter sich, mit Schaden-Kosten-Quoten von annähernd 100 Prozent und Prämien und Selbstbehalten, die sich vielfach mehr als verdoppelt haben, um überhaupt das Geschäft aufrechterhalten zu können. Nach einer Konsolidierungsphase mit Marktaustritten wie der Axa und der Insolvenz des Assekuradeurs Cogitanda beobachtet Funk für Kunden mittlerweile eine verbesserte Wettbewerbssituation. Diese führe in Einzelfällen zu sinkenden Prämien und Selbstbehalten, zudem könnten vielfach Deckungseinschränkungen gestrichen werden. Insgesamt befänden sich die Prämien derzeit auf einem überwiegend risikoadäquaten Niveau, schreiben die Experten.

Der gegenwärtige Zeitpunkt erweise sich außerdem als vorteilhaft für den Erwerb neuer Kapazitäten, da Versicherer nicht mehr ausschließlich eine Null-Toleranz-Strategie in Bezug auf eine Cyber-Resilienz ihrer Kunden verfolgen, sondern zunehmend auf Kooperationen mit IT-Sicherheitsdienstleistern setzen und sich flexibler bei der Umsetzung von Auflagen zeigten. 

Aber während einige Akteure schon von einem weichen Markt sprechen, will Funk dieser pauschalen Einschätzung nicht zustimmen. Die Risikoqualität bleibe der entscheidende Faktor. Zudem bleiben etablierte Anbieter laut Funk vorsichtig.