Funny Friday: Soja als Währung im horizontalen Gewerbe

//
Soja gilt in Asien seit 4.000 Jahren als heilige Pflanze und darf als Grundnahrungsmittel in Form von Würzsaucen, Tofu & Co. auf keinem fernöstlichen Esstisch fehlen. Im 18. Jahrhundert in Europa angekommen, fand die grüne Bohne hier lange Zeit ausschließlich zur Speiseölgewinnung und als Viehfutter Verwendung. Mittlerweile hat der hochwertige Träger von Eiweiß, Mineral- und sekundären Pflanzenstoffen hierzulande sogar den Sprung von den Bio-Läden in die großen Supermärkte und auf die Karten ernährungsbewusster Gastronomien geschafft.

Im Zuge der aktuellen Hausse an den Rohstoffmärkten, die nach den Energiestoffen und Metallen in den letzten Monaten nun auch verstärkt auf die Agrarprodukte übergeschwappt ist, kletterten die Soja-Notierungen jüngst in bisher ungekannte Höhen. Mitte Dezember vergangenen Jahres durchbrach der Preis pro Soja-Scheffel, umgerechnet rund 27,22 Kilogramm, an der Chicago Board of Trade die Marke von 1.120 Cent und markierte damit ein neues 35-Jahre-Hoch. Nachdem der Futures-Kontrakt im März dieses Jahres ein Niveau von über 1.550 Cent erreichte, konsolidierte er in den vergangenen Wochen und notiert aktuell bei um die 1.350 Cent.  

Der Preisanstieg bei Soja ist zum einem auf die weltweit steigende Nachfrage und die gleichzeitige Angebotsverknappung zurückzuführen. Gerade in den wirtschaftlich aufstrebenden Nationen und allen voran in China und Indien stellen die Menschen mit dem steigenden Wohlstand auch ihre Ernährungsgewohnheiten auf höherwertige Nahrungsmittel um. Auf den vordersten Plätzen der neu sortierten und mittlerweile immer öfter erschwinglichen kulinarischen Wunschliste steht Fleisch. Je nach Sorte werden pro Kilogramm 7 bis 16 Kilo Futtermittel wie Soja und andere Getreidesorten benötigt. Die wachsende Gemeinde der Fleischliebhaber zieht somit eine exponentielle Steigerung der verfütterten Agrarrohstoffe nach sich.

Gleichzeitig kam es in den letzten Jahren zu einem sinkenden Sojaoutput. Aufgrund des Nachfragebooms für Biokraftstoffe fahren allen voran amerikanische Farmer ihre Sojaproduktion stark zurück und konzentrieren sich auf den Anbau von Maispflanzen, der Grundlage für den Bezinersatzstoff Ethanol. Im Zuge dieser Entwicklung wird Brasilien die USA in Kürze als Sojaexporteur Nummer eins ablösen und somit zum wichtigsten Versorger auf dem Weltmarkt und gleichzeitig zum Hauptprofiteur der steigenden Sojapreise avancieren.

Auch Argentinien, dem drittgrößten Soja-Exporteur, tun die gestiegenen Steuereinnahmen, die bei der Ausfuhr des „grünen Goldes“ anfallen gut. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet gibt es neben den Bauern und dem Staat noch weitere Nutznießer des Soja-Booms. Nach Angaben von Norberto Bergami, Bürgermeisters von General Roca, einem kleinen Dorf in der Provinz Cordoba, sollen sich Fahrer von Soja-LKWs nun den gestiegenen Wert ihres Transportgutes zu Nutze gemacht haben und es säckeweise als Zahlungsmittel für ihre nächtlichen Ausflüge in die Welt der käufliche Liebe eingesetzt haben. Anwohner der Gemeinde sollen die Warenübergaben an der Landstaraße außerhalb des Dorfes verhäuft beobachtet haben. Zuhälter und Bordellwirte sollen die kostbare Fracht horten und gewinnbringend auf dem Schwarzmarkt veräußern.

Bergarmi weiß außerdem, warum die Trucker, solange sie einigermaßen maßvoll vorgehen, keine Sanktionierung wegen der schwindenden Last zu befürchten haben. So erlauben die Speditionen bei einer Ladung von 30 Tonnen Soja eine Fehlertoleranz am Ankunftsort von bis zu drei Prozent beziehunsweise 300 Kilogramm. Bei Ausreizen dieser Menge steht den Brummi-Fahrern pro Fahrt eine Last im aktuellen Gegenwert von knapp 150 US-Dollar für ihre außerehelichen Schäferstündchen zur Verfügung. Das sollte neben der eigentlichen Dienstleistung auf jeden Fall auch noch für ein Gläschen Schampus reichen.