Fondsmanager und Systementwickler Steffen Hauptmann

Fondsmanager und Systementwickler
Steffen Hauptmann

Galiplan-Manager: „In jedem Jahrzehnt herrscht ein anderer Trend“

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Steffen Hauptmann hat im Portfolio des Aktienfonds Galiplan Aktien Global AMI (WKN: A0F5HG) die Handbremse noch angezogen. Er managt den Fonds nach einem selbst entwickelten quantitativen System, für das er Datenmaterial aus fast 100 Jahren Kapitalmarkt verarbeitet hat. Es soll langfristige Zyklen erkennen und nutzen und dabei niedrigere Risiken fahren als der Markt. Derzeit steht die Systemampel auf Rot, wie Hauptmann im folgenden Gespräch erklärt. DAS INVESTMENT.com: In einer Pressemitteilung vom Mai steht, dass Sie den jüngsten Kursaufschwung für eine Bärenmarkt-Rally halten. Damit stellen Sie sich gegen einige Experten wie beispielsweise Olgerd Eichler oder einige Behavioral-Finance-Spezialisten. Steffen Hauptmann: Das ist interessant, dass so viele an den Aufschwung glauben. Das bestätigt mich in meiner Meinung. DAS INVESTMENT.com: Was macht Sie so pessimistisch? Hauptmann: Es gibt noch immer viele Merkmale, die ich an der aktuellen Situation vermisse, die aber für eine nachhaltige Trendwende wichtig sind. Beispielsweise ist das Tempo der Erholung zu hoch gewesen. Die Börsenumsätze sind zurückgegangen. Bei einem echten Tiefpunkt ist es genau anders herum: Die Bodenbildung verläuft unspektakulär und flacher. Die Volumen ziehen an, weil sie kurz vor dem Tiefpunkt sehr stark zurückgehen. Und Insider kaufen verstärkt. Derzeit verkaufen sie aber per saldo sogar. DAS INVESTMENT.com: Im März 2003 brach zur Trendwende der Irak-Krieg aus, und der Dax rannte bis zum Jahresende von 2.200 auf fast 4.000 Punkte. War das unspektakulär? Hauptmann: Sicher nicht. Ich zähle allerdings auch die Zeit seit dem Herbst 2002 zur Bodenbildung hinzu. Das war eine lange Zeit mit ausgeprägter Seitwärtsbewegung, zumindest am amerikanischen Markt. DAS INVESTMENT.com: Was glauben Sie also, wird demnächst passieren? Hauptmann: Persönlich könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass wir das bisherige Tief noch einmal unterbieten. Was die Fondstrategie angeht, spielt meine persönliche Meinung jedoch keine Rolle. Das rein quantitative System analysiert die Marktlage und reagiert entsprechend. Aber auch die Strategie hält auf Grund der analysierten Kennzahlen die Portfolios unserer Fonds noch immer zu 80 Prozent abgesichert. DAS INVESTMENT.com: In welcher Marktlage würde Ihre Strategie aus der Deckung kommen? Hauptmann: Da gibt es zwei Szenarien. Sollten die Aktienbewertungen so tief sinken wie in früheren Rezessionen, was noch nicht der Fall ist, würden wir sogar in den noch fallenden Markt kaufen. Ebenso kaufen wir, wenn wir die bereits genannten Merkmale einer Trendumkehr ausmachen. DAS INVESTMENT.com: Und wenn der Markt einfach weiter steigt? Hauptmann: Solange die von mir genannten begleitenden Indikatoren nicht nach oben drehen, erhöhen wir auch nicht unser Risiko. Im Gegenteil: Steigt der Markt unter den aktuellen Begleiterscheinungen weiter, erwarte ich einen umso tieferen Absturz. DAS INVESTMENT.com: Der Galiplan Aktien Global AMI lag vor Beginn der Finanzkrise hinter seinem Vergleichsindex MSCI Welt zurück. Hatten Sie da die Handbremse schon angezogen? Hauptmann: Genau. Unser System hatte bereits eine Überhitzung des Marktes angezeigt. Das mag rückwirkend betrachtet als etwas zu früh erscheinen. Doch niemand trifft die genauen Wendepunkte eines Marktes, auch wir nicht. Wir haben generell das Ziel, eine niedrigere Volatilität als am Aktienmarkt zu erreichen und ihn über die langen Zyklen hinweg zu schlagen. Im Durchschnitt sichern wir unser Portfolio zu etwa 30 Prozent ab. Je nach Marktlage kann das zwischen 0 und 100 Prozent variieren. DAS INVESTMENT.com: Sie haben für Ihr System Datenmaterial aus vielen Jahren gesammelt. Einiges reicht sogar bis 1910 zurück. Welche wichtigste Erkenntnis haben Sie gewonnen? Hauptmann: Dass in jedem Jahrzehnt ein anderer Trend vorherrschte. Kaum hatte man sich ein Bild vom Markt gemacht, schwamm es ein paar Jahre später gleich wieder weg. Es liegt wohl daran, dass sich alle an die Trends anpassen, und sie dadurch verschieben. DAS INVESTMENT.com: Haben Sie ein Beispiel? Hauptmann: Anfang der siebziger Jahre notierten Blue-Chip-Aktien wie beispielsweise Xerox zu extrem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 50 bis 60. Das lief einige Jahre gut und galt irgendwann als todsicher. Kurz darauf stürzten diese Aktien um 80 Prozent oder mehr ab. Mit der Internet-Spekulation zur Jahrtausendwende war es ähnlich. DAS INVESTMENT.com: Seit Jahren redet alles über Rohstoffe. Ist auch dieser Trend damit durch? Hauptmann: Das kann gut sein. Ich sehe zumindest kurzfristig kein sehr großes Potenzial. Nur wenn die Geldmenge in den kommenden Jahren sehr stark wächst, wird das auch die Rohstoffpreise wieder treiben. Danach sieht es aber noch nicht aus. DAS INVESTMENT.com: Die Finanzkrise hat viele wissenschaftliche Behauptungen und Annahmen über die Kapitalmärkte außer Kraft gesetzt. Mussten Sie Ihr System auch neu erfinden? Hauptmann: Nein, das nicht. Ich habe in mein System eine Lernkomponente eingebaut, kann also aktuelle Marktentwicklungen gleich einfließen lassen. Obwohl die Absicherung in der Crashphase sehr gut funktioniert hat, mussten wir dennoch feststellen, dass auch einige unserer Regeln nicht funktioniert haben. DAS INVESTMENT.com: Welche denn? Hauptmann: Zum Beispiel der Schutz, den Dividendenwerte normalerweise versprechen. Auch einige Indikatoren haben im Vorjahr Extremwerte erreicht. Um so etwas in der Geschichte zu finden, müssen Sie bis in die dreißiger Jahre zurückgehen. Deshalb haben wir diesmal auch nicht ganz so gut abgeschnitten wie beispielsweise in der Krise 2001. Es war tatsächlich eine ganz besondere Krise.

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