Adrian Owens, Manager des GAM Star Global Rates

Adrian Owens, Manager des GAM Star Global Rates

GAM-Starmanager Adrian Owens

„Von China und Russland halten wir uns fern“

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DER FONDS: Sie sehen Währungen als eine attraktive Anlageklasse, die viele Investoren zu Unrecht vernachlässigen. Können Sie sich erklären warum?

Adrian Owens: Wahrscheinlich, weil es bei dieser Klasse keine Geschenke gibt – im Gegensatz zu Aktien und Rentenpapieren.

Wie meinen Sie das?

Fondsmanager, die Wertpapiere kaufen, nehmen die Marktgewinne mit, das sogenannte Beta. Das sind Kursgewinne plus die Dividenden bei Aktien beziehungsweise die Kuponzahlungen bei Anleihen. Bei Wetten auf die Währungskurse hingegen kommen nur Manager weiter, die Alpha erzeugen, also den Markt schlagen können. Wer sich da nicht richtig positioniert, hat verloren. Vielleicht schreckt das einige Investoren ab.

Zu Recht?

Nein. Denn Beta-Strategien können jahrelang gut laufen und stabile Erträge bringen – bis eine Krise kommt. Solche Krisen kann man niemals vorhersagen. Man kann aber sein Portfolio mit Hilfe von Alpha-Strategien so aufbauen, dass es bei einer solchen Krise nicht allzu sehr einbricht.

Nun gibt es zwar viele Währungsfonds auf dem Markt, aber nur wenige, die seit Ende 2008 einen jährlichen Ertrag von knapp 10 Prozent gebracht haben. Ihr Fonds GAM Star Discretionary FX schon. Was machen Sie anders als die anderen?

Ich achte zum Beispiel sehr darauf, die Größe der Positionen richtig zu wählen. Bereits Warren Buffett hat gesagt, dass man eine gewisse Konzentration braucht, um Gewinne zu erzielen. Schließlich nutzt auch die beste, gewinnbringendste Position nichts, wenn sie nur einen verschwindend geringen Teil des Portfolios ausmacht. Wenn ich von einer Währung überzeugt bin – wie derzeit  vom US-Dollar oder dem mexikanischen Peso – dann spiegelt sich das auch in der Größe meiner Positionen wider.

Und was macht diese Währungen derzeit in Ihren Augen so attraktiv?

Den Long-Positionen in US-Dollar stelle ich Short-Positionen in Euro gegenüber. Grund sind neben dem Wachstum der US-Wirtschaft vor allem die geldpolitischen Maßnahmen des EZB-Chefs Mario Draghi, die den Euro schwächen und den Dollar gegenüber dem Euro stärken werden. Außerdem sinkt in den USA die Arbeitslosigkeit, während sie in der Eurozone steigt. Das Gleiche gilt für die Kerninflation, die hauptsächlich auf den steigenden Gehältern basiert.

Das klingt ja sehr optimistisch. Trotzdem hatten Sie vor einigen Wochen ihre Long-Positionen in US-Dollar reduziert. Warum?

Weil ich mit dieser Ansicht nicht allein war. Viele kurzfristig orientierte Händler haben sich auf den US-Dollar gestürzt. Das roch nach einer Überhitzung, da habe ich mich etwas zurückgezogen.

Und warum der mexikanische Peso?

Der Regierungswechsel nährt die Hoffnung auf wirtschaftsfreundliche Reformen. Die mexikanische Wirtschaft gewinnt zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit. Denn durch den schwachen Peso sind auch die Reallöhne gesunken, so dass das Lohnniveau mittlerweile unter dem Chinas liegt. Das macht Mexiko für Investitionen interessant und zieht global agierende Unternehmen an. Zum anderen exportiert Mexiko 87 Prozent seiner Produktion in die USA und profitiert so von der starken US-Konjunktur.

Im Gegenzug haben Sie andere Währungen wie Polnische Zloty, Schwedische Kronen, Australische Dollar, Südkoreanische Won und Israelische Schekel leerverkauft. Warum?

In den meisten dieser Länder herrscht Deflation. Die Preise fallen, die Wirtschaft schrumpft. Australien ist zudem von Rohstoffen wie Kohle und Eisen abhängig – bei den derzeitigen Problemen im Minensektor keine gute Basis. Außerdem setzen wir ungern auf Währungen von rohstoffabhängigen Ländern.

Nicht einmal China?

Nein. In China haben wir derzeit weder im GAM Star Discretionary FX noch im GAM Star Global Rates nennenswerte Positionen. Wenn wir welche hätten, wären es auf jeden Fall Leerverkäufe. Denn die hohe Abhängigkeit von Rohstoffen ist nur ein Nachteil. Ein weiterer ist die Tatsache, dass die Wirtschaftsentwicklung sehr stark von der Politik gesteuert ist. Und da wir politische Entscheidungen nicht vorhersagen können, halten wir uns von China fern. Gleiches gilt übrigens auch für Russland.

Was waren für Sie die drei größten Überraschungen im Jahr 2014?

Dass es so lange bis zur Aufwertung des US-Dollars gedauert hat, der massive Einbruch der Ölpreise und die extrem niedrigen Zinsen, die die Staatsanleihen der entwickelten Länder derzeit bieten.

Weihnachten steht vor der Tür. Wenn Sie Ihren Kindern hundert Einheiten verschiedener Währungen schenken würden, welche wären das?

Auch wenn ich grundsätzlich dagegen bin, Kinder zu sehr zu verwöhnen – es wären 100 US-Dollar.

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