Am Dienstag hatte Acatis das weitere Schicksal des Mischfonds Acatis Value Event in einer digitalen Investorenkonferenz erläutert, am Mittwoch zog Gané nun nach: Die Gané-Gründer Henrik Muhle und Uwe Rathausky stellten ihrerseits vor, wie ihr neuer Fonds funktionieren soll. Darüber hinaus nutzten sie die Gelegenheit, um ihre Sicht auf den Rauswurf bei Acatis darzulegen.

„Wir sind derzeit noch im Zustand von Ärger und Fassungslosigkeit über das, was passiert ist“, leitet Gané Co-Geschäftsführer Rathausky die Online-Konferenz für Investoren ein. Man wolle einige „Fakten zurechtrücken“.

„Jedem ist klar, dass es in dieser Causa offenbar auch um viel Geld geht“, stellt Rathausky in den Raum. Von den Erträgen aus dem Mischfonds Acatis Value Event hätten sowohl Acatis als auch Gané profitiert, der Gané-Anteil sei jedoch größer gewesen. Rathausky will verstanden wissen: „Die Idee, die Initiative, die inhaltliche Konzeptionierung und die Performance stammten seit 2008 von uns, von Gané“. Für Acatis sei der Fonds nur ein Projekt unter vielen gewesen. 

„Lebenswerk weggenommen “

Der Fonds sei ein Lebenswerk gewesen, das ihnen „grundlos weggenommen“ worden sei, berichtet Rathausky in emotionalen Worten. „Wir haben wie Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle an diesem Kunstwerk gearbeitet.“

Der Erfolg des zwischenzeitlich bis zu 8 Milliarden Euro schweren Fonds „lässt sich auch nicht ohne Weiteres von anderen Personen fortführen“, urteilte Rathausky – eine deutliche Spitze in Richtung seines Nachfolgers Johannes Hesche, der den Fonds im Acatis-Auftrag weiterführen soll.

 

Rathausky äußert sich auch zur Umbenennung des Fonds:  Vor eineinhalb Jahren war aus dem „Acatis Gané Value Event“ der „Acatis Value Event“ geworden, der Namensbestandteil Gané verschwand. Acatis-Chef Leber hatte das mit markenrechtlichen Problemen und Bedenken von Gané begründet. Laut Darstellung von Rathausky habe Gané die Rechte an dem bereits in eigener Initiative geschützten Namen nicht aufgeben wollen. Bemühungen, Acatis dennoch entgegenzukommen, seien gescheitert.

Ebenso äußerte sich Rathausky zu den selbst aufgelegten Fonds von Gané. Diese – vor allem den im Dezember 2023 aufgelegten Mischfonds – hatte Acatis-Chef Hendrik Leber zuvor als Auslöser für den Rauswurf seiner Fondspartner bezeichnet. Rathausky entgegnete nun: Gané habe seine Produktpalette lediglich mit Blick auf unterschiedliche Anlegerinteressen erweitern wollen. 

Gané Value Event soll Double des Acatis Value Event werden

Wie die Interessenlage ursprünglich jedoch auch war: Gané will nun einen offensiven Weg einschlagen und zum direkten Konkurrenten seiner früheren Partnergesellschaft werden. Der im Dezember 2023 gegründete Gané Global Balanced Fund trägt mittlerweile den Namen Gané Value Event. Er soll die Anlagepolitik von Gané im Acatis Value Event eins zu eins fortführen. Auch das bestätigen die Gané-Gründer noch einmal in der Online-Konferenz.

Gané-Co-Gründer Muhle konkretisiert das Vorhaben: Für den frisch umbenannten Gané Value Event habe man die zulässige Aktienquote von maximal 50 auf bis zu 100 Prozent hochgesetzt und ebenso die Benchmark angepasst. Die Mindestanlage in den institutionellen Anlageklassen soll 100.000 Euro betragen, eine weitere Institutionellen-Klasse mit noch höherer Einstiegssumme sei in Planung. Sowohl Privatanleger- als auch professionelle Tranchen sollen jeweils als ausschüttende und thesaurierende Varianten investierbar sein. 

Mit Blick auf etwaige Vertriebsinteressen versichert Muhle: „Beide Klassen für die Retail-Kunden verfügen über eine attraktive Bestandsprovision.“ Zuvor hatte auch Acatis die Vertriebsvergütung im Acatis Value Event Fonds hochgesetzt.

Der neue Fonds soll somit ein Double des alten werden. Rathausky versichert: „Wir bleiben beim bestehenden System.“ Mit Blick auf den Ex-Partner Acatis, der den Acatis Value Event Fonds nun eigenhändig weiterführen will, ist das eine Kampfansage.