Garantie-Zertifikat mit Fußball EM-Bonus

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Fußball und Zertifikate – passt das zusammen? Die Erste Bank findet ja. Der Derivate-Emittent aus Österreich, das zusammen mit der Schweiz Austragungsort der in knapp zwei Wochen beginnenden Fußball Europameisterschaft ist, bietet bis zum 29. Mai ein Garantie-Zertifikat zur Zeichnung an, dessen Rückzahlungsbetrag unter anderem vom Ausgang des emotionsgeladenen Nachbarschaftsduells Österreich gegen Deutschland abhängt.

Die Cordoba Garant II Anleihe (WKN: EB1BBL) verspricht nach 18monatiger Laufzeit eine Rendite von maximal 18,2 Prozent oder jährlichen 11,8 Prozent. 15 Prozent gibt es, wenn sich alle 15 Werte des bunt gemischten zugrunde liegenden Aktienkorbs, bei denen es sich ausschließlich um EM-Sponsoren handelt, während der Laufzeit in einem Korridor von 80 bis 120 Prozent ihrer Startkurse bewegen. Bei jeder Schwellenberührung reduziert sich die Performance um einen Prozentpunkt. Auf Null kann diese jedoch nicht sinken. Am Fälligkeitstag wird das Papier zu mindestens 104 Prozent des Nennwerts zurückbezahlt.

Ob es noch ein wenig mehr wird, entscheidet sich am 16. Juni wenn Deutschland in der Vorrunde in Wien gegen Österreich ran muss. Sollte die Auswahl des Gastgebers der hoch favorisierten DFB-Elf eine Niederlage beibringen, erhöht sich die Rückzahlung um ein Prozent. Man bedenke: Der Emittent kommt aus Österreich. Ganze 3,2 Prozent obendrauf gibt es, wenn es nach 90 Minuten 3:2 für Österreich steht. Die Erste Bank spielt hier auf den historischen Sieg im argentinischen Cordoba an, bei der die Alpenrepublik den großen Nachbarn in der Zwischenrunde der Weltmeisterschaft 1978 mit eben diesem Ergebnis aus dem Turnier schoss.

Bei aller Vorfreude auf die EM sollten sich auch sportbegeisterte Anleger nicht von einfallsreichen Ideen aus dem Produktmarketing blenden lassen. Im Vordergrund steht hier eine klassische Rainbow-Struktur mit einem relativ engen Korridor und einem bis auf das Sponsor-Kriterium willkürlich zusammengestellten Aktien-Basket. Angesichts des unsicheren Marktumfeldes ist es durchaus vorstellbar, dass es am Ende der Mindestverzinsung bleibt, die sich angesichts des Ausgabeaufschlags von 1,2 Prozent auf 2,8 Prozent oder knapp 1,9 Prozent pro Jahr beläuft. Für sich genommen mutet dieser Produktbaustein nicht allzu vielversprechend an.

Lässt man die letzten Auftritte des österreichischen Nationalteams Revue passieren, fällt es nur sehr schwer an einen Sieg gegen Ballack & Co. und den einprozentigen Renditebonus zu glauben. Wer diesen dennoch für realistisch hält und seinen Tipp versilbern möchte, sollte lieber ein paar Euro bei einem Wettanbieter einsetzen. Sollten sich das Ergebnis von Cordoba wiederholen bekommt man beim bekanntesten, ebenfalls aus Österreich stammenden Vertreter derzeit für 10 Euro Einsatz 670 Euro ausbezahlt – allerdings ohne jeglichen Kapitalschutz.

Wenig durchdachte Zertifikate-Strukturen, die auf marketingwirksame Elemente aus dem Bereich Sportwetten treffen, sollten Anlegern die rote Karte zeigen. Das gilt nicht nur für die Offerte der Erste Bank, sondern auch für eine Reihe weiterer Produkte, deren Rendite von Spielergebnissen der DFB-Elf abhängen.