Quelle: sanwen / photocase.com

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Garantiezertifikate: Vollkasko 2016

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Minus zehn Prozent in einer Stunde, drei Tage nach Emission, Kurs 88,77 Euro: was für ein Absturz für ein Papier, das Anlegern ihr Kapital garantiert. Grund sei „ein technischer Fehler“ gewesen, heißt es beim Zertifikate-Team der Deutschen Bank lapidar. Tatsächlich notierte die Garantie-Anleihe auf den Euro Stoxx 50 mit der Kennnummer DB2 KTL schon wenig später wieder bei rund 100 Euro. Immerhin 70 Zertifikate wurden zum Schnäppchenkurs gehandelt. Schön für den Käufer, der sich so eine Mindestverzinsung sichert, bitter für Anleger, die von einem Garantiezertifikat erwarten, dass ihr Kapital jederzeit geschützt ist. Das ist es nicht, auch wenn derartige Abstürze nicht die Regel sind. Kurse von deutlich unter 100 sind bei Garantiezertifikaten während der Laufzeit regelmäßig möglich und künftig womöglich sogar die Regel.

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Kaum attraktive Konstruktionen

Das gilt zumindest für neue oder noch recht junge Papiere. Denn sie leiden gleich mehrfach unter dem aktuellen Marktumfeld: Zum einen lassen niedriges Zinsniveau und recht geringe Volatilität an den Aktienmärkten ohnehin kaum attraktive Konstruktionen zu; ohne eine lange Laufzeit von sechs Jahren geht etwa beim Euro Stoxx 50 kaum etwas.

Zum anderen haben die niedrigen Zinsen einen weiteren negativen Effekt: Sobald die Zinsen steigen, bringen sie die Kurse der Garantiezertifikate unter Druck. Das liegt an den Nullkuponanleihen, die den Papieren für die Garantie zugrunde liegen.

Erhöht sich das Zinsniveau um 2 Prozentpunkte, sinkt der Wert einer Nullkuponanleihe um rund 10 Prozent und drückt den Kurs des Garantiezertifikats um fast den gleichen Satz, hat das Fachblatt „Der Zertifikateberater“ errechnet.

Zertifikate, die sich aktuell in der Zeichnung befinden (siehe Tabelle), sollten Anleger daher bis zur Fälligkeit halten wollen. Auch dann allerdings ist der maximale Ertrag wegen der derzeit ungünstigen Konstellation nicht eben groß: Fast alle Emittenten haben bei der Partizipation an einem Aufschwung des Euro Stoxx 50 einen Cap eingezogen; mehr als 55 Prozent sind nicht drin, und das auch nur, wenn der Aktienindex tatsächlich in sechs Jahren 55 Prozent höher steht als zur Emission.

Wer höhere Erträge sucht, sollte abwarten: Steigt das Zinsniveau, können die Emittenten wieder attraktivere Papiere mit Garantie anbieten. Und das ein oder andere jüngst aufgelegte Zertifikat lässt sich dann zum Schnäppchenpreis einkaufen.

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