Hält die Zinsen in Europa wahrscheinlich noch lange niedrig: EZB-Präsidentin Christine Lagarde. | © Getty Images

Natixis-Chefstratege David Lafferty

Darum sind Anleihen ein Pulverfass

Die jüngsten Fortschritte im Handelskrieg zwischen den USA und China und die ersten Anzeichen dafür, dass das globale Wachstum im Spätsommer seinen Tiefpunkt erreicht haben könnte, haben dazu geführt, dass die Anleihenrenditen deutlich gestiegen sind. Seit Anfang September sind sie sowohl bei US-Staatsanleihen als auch zehnjährigen Bundesanleihen um etwa 40 Basis­punkte gestiegen – auf fast 1,85 beziehungsweise -0,30 Prozent.

Obwohl dieser Renditeanstieg einige Schmerzen verursachte, sind globale Bond-Investoren im Allgemeinen zufrieden. Sie sitzen – year to date – immer noch auf stattlichen Kursgewinnen, und für die Zukunft haben sich die Ertrags­erwartungen entsprechend der gestiegenen Renditen verbessert. Viele Anleger setzen darauf, da nur wenige einen bedeutenden Anstieg weder der Realzinsen – also des Wirtschaftswachstums – noch der Inflationsaufschläge prognostizieren.

David Lafferty ist Vize-Präsident und Chefstratege bei Natixis. Foto: Natixis 

Doch ist es wirklich so einfach, dass das Risiko bei Staatsanleihen niedrig ist, nur weil die Zinsen wahr­scheinlich nicht signifikant steigen werden? Wohl kaum! Der erste Risikofaktor liegt natürlich in der Prognose selbst. Liegen die Analysten wirklich richtig? Kann es nicht doch einen Auslöser für einen Ausverkauf geben?

Die zweite Quelle für Risiko ist das „Beta“. Wie schmerzhaft wird es sein, wenn die Konsensprognose sich tatsächlich als falsch erweist?  Wie stark wird der Markt insgesamt reagieren? Bildhaft gesprochen: Auf wie viel Dynamit sitzen Anleger, wenn Feuer an die Lunte gelegt wird?

Aktienanleger kennen das: Sie leben ständig mit dem Risiko, dass die Aktienmärkte insgesamt fallen könnten. Und dabei können ihre eigenen Aktien sogar noch stärker fallen – weil sie dem „Beta“ stärker ausgesetzt und riskanter sind oder einfach nur mehr Fallhöhe haben.

Anleiheinvestoren stehen heute unter dem Druck der Mathematik. Auch wenn sie glauben , dass die Zinsen nicht viel steigen werden (Prognoserisiko), haben die Rentenmärkte heute mehr Durationsrisiko (Beta) denn je. Sie werden nämlich für das Risiko, dass sich die Zinsen im Zeitablauf doch ändern, auch noch lausig bezahlt.

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