Das Leben wird hierzulande immer teurer: Allein im Juli stieg der Verbraucherpreisindex im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,2 Prozent. Dieser Wert ist immer noch mehr als dreimal so hoch wie die geldpolitisch angepeilte 2-Prozent-Marke, doch deutlich niedriger als im vorigen Winter. „Die Inflationsrate hat sich etwas abgeschwächt, bleibt aber weiterhin auf einem hohen Niveau“, erklärt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. „Besonders die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln treibt die Inflation weiter an. Zudem erhöhten sich die Energiepreise wieder etwas stärker als in den beiden Vormonaten.“
Nahrungsmittel stärkster Preistreiber
Die Preise für Energieprodukte lagen im Juli um 5,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Nahrungsmittel verteuerten sich hingegen um 11,0 Prozent und blieben damit der stärkste Preistreiber unter den Güterbereichen. Die sogenannte Kerninflation ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln liegt aktuell bei 5,5 Prozent. Auf einem ähnlichen Niveau liegen die Teuerungsraten bei Dienstleistungen (+5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat). Deutlich über diesem Durchschnittswert für den gesamten Service-Sektor liegen die Preisaufschläge aber unter anderem für die Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen (+12,8 Prozent).
Die erhöhten Handwerkerrechnungen können viele Verbraucher an ihre Versicherer weiterreichen. Die Folge: „Derzeit kämpfen viele Sachversicherer mit stark gestiegenen Entschädigungsleistungen. Prämienanpassungen können die Lage verbessern, sie wirken allerdings erst mit Zeitverzögerung“, erklärt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Demnach entlaste die insgesamt weniger stark steigende Inflation auch die Schaden- und Unfallversicherer hierzulande. „Wohl auch deswegen sind ihre Erwartungen für die kommenden Monate deutlich nach oben gegangen“, sagt er mit Blick auf den aktuellen Ifo-Konjunkturtest für die deutsche Assekuranz.
Das Konjunkturbarometer der Versicherer: Versicherungswirtschaft Gesamt
Demnach hat sich die Stimmung in der Versicherungswirtschaft im zweiten Quartal dieses Jahres spürbar aufgehellt: Im aktuellen Ifo-Konjunkturtest stieg der Index für das aktuelle Geschäftsklima um 13,3 auf 7,7 Punkte. Dieser Wert gibt den Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen an. Auch ihre Aussichten für die nächsten sechs Monate bewerten die befragten Unternehmen jetzt erheblich besser. Der Teilindex zur Geschäftserwartung legte im zweiten Quartal um 22,8 auf 28,1 Punkte zu und notiert deutlich über dem langfristigen Durchschnitt seit Ende 1999. „Die Unternehmen fassen wieder mehr Mut, weil die Unsicherheit über die künftige Geschäftsentwicklung abnimmt.“
Das Konjunkturbarometer der Versicherer: Schaden-/Unfallversicherung
Der Ifo-Teilindex für die zukünftige Geschäftsentwicklung bei Deutschlands Schaden- und Unfallversicherern kletterte im Frühjahr um 29,1 auf 16,2 Punkte und liegt damit über seinem Durchschnittswert 10,1. Die Einschätzung zum Geschäftsklima liegt mit 3,3 Punkten jedoch noch unter dem langfristigen Durchschnitt (9,6). Denn ihre aktuelle Lage bewerten die Anbieter von Schaden- und Unfallversicherungen hierzulande immer noch als vergleichsweise schlecht. Der entsprechende Indexwert sank gegenüber dem Winter um 3,2 auf 9,0 Punkte. Er hatte sich zwar von einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 erholt, liegt aber seit nunmehr zwei Jahren durchgehend im negativen Terrain.
Die Gründe für die eher gedrückte Stimmung sind je nach Produktkategorie unterschiedlich: Vor allem im Bereich der Kraftfahrt- und der privaten Sachversicherung erwarten die meisten Anbieter in den nächsten zwölf Monaten Tarifanpassungen im Bestand beziehungsweise im Neugeschäft. Wie sich das auf die Wettberbs-Chancen der Versicherer auswirkt, dürfte die kommende Wechselsaison bei Kfz-Policen bis Ende November zeigen. Und in der Unfallversicherung rechnen die Befragten zwar mit steigenden Beitragseinnahmen, aber auch die zukünftige Schadenentwicklung wird von den Teilnehmern jetzt deutlich schlechter bewertet.
