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Umfrageergebnisse in 16 Grafiken Inflationssorgen verdunkeln Ausblick deutscher Versicherer

Beispielloser Stimmungseinbruch:

Frage: Wie sehen Sie den kommenden 12 Monaten entgegen? Mit... | © DAS INVESTMENT; Daten: IfD-Allensbach
Frage: Wie sehen Sie den kommenden 12 Monaten entgegen? Mit... | Foto: DAS INVESTMENT; Daten: IfD-Allensbach

Deutschland erlebt einen beispiellosen Stimmungseinbruch, lautet das Fazit der jährlichen Untersuchung zur sogenannten Generation Mitte des Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach: Im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) befragten die Demoskopen zwischen Ende September und Anfang Oktober rund 1.000 Menschen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren. Die mehr als 35 Millionen Männer und Frauen dieser Altersgruppe hierzulande stellen 70 Prozent der Erwerbstätigen dar und erwirtschaften mehr als 80 Prozent der steuerpflichtigen Einkünfte. 

Jörg Asmussen © GDV

Vor einem Jahr, inmitten des zweiten Corona-Herbstes, hatte die mittlere Generation noch mit verhaltener Zuversicht nach vorn geschaut. Doch nur zwölf Monate später ist der Optimismus vollends verflogen. Der Krieg in der Ukraine, die anhaltend hohe Inflation und die Energieknappheit lassen die 30- bis 59-Jährigen mit großer Sorge vor dem wirtschaftlichen Abstieg auf die kommenden Monate blicken. „Die Generation Mitte ist durch die aktuellen Krisen und deren wirtschaftliche Folgen stärker verunsichert als durch die Corona-Pandemie“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. 

Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Befragten schaut mit großer Furcht auf die kommenden Monate, weitere 27 Prozent mit Skepsis. „Das ist ein beispielloser Stimmungseinbruch“, berichtet Renate Köcher, Geschäftsführerin des IfD-Allensbach. „Auch im vergangenen Jahr und insbesondere im ersten Pandemiejahr 2020 waren die Menschen besorgt, aber sie waren nicht annährend so pessimistisch wie jetzt.“ Drei Viertel der Befragten rechnen für das kommende halbe Jahr mit einem wirtschaftlichen Abwärtstrend. Und auch mittelfristig erwartet die Mehrheit keine Besserung, sondern eine längerfristige Schwächephase. 

Noch augenfälliger wird der Pessimismus im Langfristvergleich der persönlichen wirtschaftlichen Situation. Hier ziehen 38 Prozent die Bilanz, dass es ihnen heute schlechter geht als vor fünf Jahren; lediglich 33 Prozent sind der Ansicht, es geht ihnen besser. „Damit überwiegen zum ersten Mal seit Beginn der ‘Generation Mitte’-Befragung 2013 Wohlstandseinbußen gegenüber Wohlstandsgewinnen“, erklärt Asmussen. „Selbst in den beiden Pandemiejahren war in diesem Vergleich der Anteil der Optimisten doppelt so groß wie der Anteil der Pessimisten.“ 

Konsumenten schränken sich ein  

Konkret wird die Angst vor einem wirtschaftlichen Abstieg in der Sorge vor steigenden Preisen: „Für 85 Prozent der Befragten ist das der größte Sorgenpunkt“, sagt Asmussen. 56 Prozent befürchten, dass sie wegen der Inflation in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten und 45 Prozent, dass dadurch ihre Ersparnisse entwertet werden. Für ihren Alltag bedeutet die anhaltend hohe Teuerung für die meisten, dass sie sich in ihrem Konsumverhalten einschränken, knapp die Hälfte spricht erheblich. Besonders treffen sie die Preissteigerungen bei Lebensmitteln (82 Prozent) und Heizkosten (74 ). 

Sorge um sichere Energiequellen 

Neben der Inflation beunruhigt die mittlere Generation vor allem die Sicherheit der Energieversorgung. Kurzfristig wird die Versorgungslage zwar entspannter gesehen als noch vor wenigen Wochen. Die Sorge vor Versorgungsengpässen im bevorstehenden Winter ist zurückgegangen. Aufforderungen zum Energiesparen treffen jedoch vielfach auf Skepsis. Die große Mehrheit der mittleren Generation sieht bei sich persönlich kaum Spielraum für Einsparungen. Nur 7 Prozent sehen erhebliche, 69 Prozent nur geringe und 22 Prozent überhaupt keine Einsparpotentiale. 

„Staat ist in der Pflicht“ 

„Eine sehr große Mehrheit von 83 Prozent votiert dafür, dass der Staat den Bürgern bei den Energiekosten unter die Arme greift“, berichtet Asmussen. „Nur 5 Prozent vertreten die gegenteilige Position.“ Und fast zwei Drittel sehen den Staat in der Pflicht, die Folgen von Inflation und Energieknappheit so gering wie möglich zu halten. Nur 25 Prozent halten das für eine überzogene Erwartungshaltung. Zugleich sind viele Befragten skeptisch, ob die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Krisenbewältigung richtig sind: Lediglich 14 Prozent haben großes oder sehr großes Vertrauen, dass die Maßnahmen greifen. 

„Entlastungsprogramme unzureichend“

Zwar haben drei Viertel der Befragten wenig oder kein Vertrauen ins Krisenmanagement der Regierung. Dennoch fordert eine große Mehrheit der „Generation Mitte“ (78 Prozent), die staatlichen Entlastungsprogramme zur Inflationsbekämpfung auszuweiten. Nur 8 Prozent halten die bisherigen Maßnahmen für ausreichend. Und nach dem mehrheitlichen Willen der Befragten (56 Prozent) sollen die finanziellen Entlastungen auch weiterhin der Gesamtbevölkerung zugutekommen. Nur 37 Prozent plädieren dafür, vor allem sozial Schwächere finanziell zu entlasten. 

Kritische Sicht auf Bundespolitik 

Dazu passt, dass nur 5 Prozent der Befragten den Eindruck hat, dass ihr die Maßnahmen der Regierung persönlich Vorteile bringen, während 42 Prozent Nachteile sehen. „Zuletzt waren vor 20 Jahren ähnlich kritische Ergebnisse zu verzeichnen, als die damalige rot-grüne Regierung auf die Wachstumsschwäche mit der Agenda 2010 reagierte“, berichtet Köcher. Insgesamt haben die 30- bis 59-Jährigen heute vielmehr als noch vor einem Jahr den Eindruck, dass ihre Interessen von der Bundesregierung nicht ausreichend berücksichtigt werden. 

 

Während das Stimmungsbild vor einem Jahr geteilt war, haben heute nur noch 14 Prozent den Eindruck, dass die Regierung die Interessen der mittleren Generation ausreichend berücksichtigt. 61 Prozent erheben dagegen den Vorwurf, dass ihre Interessen nur unzureichend berücksichtigt werden. „Die Sorgen vor Inflation und hohen Energiekosten sind berechtigt und in vielen Fällen sicher für den Einzelnen auch schwer verkraftbar“, gibt Asmussen zu. „Für die deutsche Wirtschaft insgesamt sind die kurzfristigen Folgen aber womöglich weniger dramatisch als bislang befürchtet.“ 

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