GDV kritisiert Plan für „Extrarente“ „Riester für alle statt Vorsorge der Verbraucherzentralen“

Modell der „Extrarente“: Ein staatlich organisiertes Standardprodukt soll die private Altersvorsorge rentabler machen. | © Verbraucherzentrale Bundesverband

Modell der „Extrarente“: Ein staatlich organisiertes Standardprodukt soll die private Altersvorsorge rentabler machen. Foto: Verbraucherzentrale Bundesverband

58 Prozent der Verbraucher in Deutschland würden gerne mehr privat für das Alter vorsorgen, nennen aber mangelndes Vertrauen in die Angebote am Markt als Hinderungsgrund. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). Die Verbraucherschützer fordern daher, die private Altersvorsorge zu reformieren und schlagen ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt vor, das von knapp drei Viertel der Verbraucher befürwortet werde. Der VZBV hat jetzt ein entsprechendes Modell für unter dem Namen „Extrarente“ präsentiert.

„Gerade die jüngere Generation wünscht sich einen Systemwechsel“, kommentiert VZBV-Vorstand Klaus Müller die Ergebnisse der Umfrage: 88 Prozent der 14- bis 29-Jährigen wünschen sich demnach, dass der Staat ein Standardprodukt für die private Altersvorsorge organisiert. Eine Reform der privaten Altersvorsorge sei dringend nötig: „Verbrauchern werden meist teure, kaum rentable und unflexible Rentenversicherungen angeboten, von denen vor allem die Versicherungswirtschaft und deren Vertriebe profitieren.“ Laut Müller ist hingegen „eine kostengünstige und gewinnbringende Anlage entscheidend“.

„Sparer sollen Aktienrisiko tragen“ 

Klaus Müller, VZBV

„Der Vorschlag des VZBV löst keine der Herausforderungen für die Altersvorsorge“, kontert jetzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Denn die Verbraucherschützer setzten voll auf den Aktienmarkt, das Risiko müssten jedoch allein die Sparer tragen. „Die weitaus meisten Menschen in Deutschland wollen genau das nicht, wie Umfragen immer wieder belegen. Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum der Vorschlag kostengünstiger sein sollte als bestehende Angebote – Vertriebsaufwand und Verwaltungskosten müssten Arbeitgeber und Steuerzahler tragen.“

Ein weiterer Kritikpunkt der der Versicherungsbranche: Das aktuelle VZBV-Modell für ein staatliches Standardprodukt ziele in erster Linie auf Arbeitnehmer. „Nötig ist aber eine Altersvorsorge unabhängig vom beruflichen Status“, fordert der GDV. „Das wäre sehr leicht mit einer Öffnung der Riester-Förderung für alle zu erreichen.“ Nach bisheriger Rechtslage kommt diese Form der staatlich geförderten Altersvorsorge nur dann für Selbständige infrage, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Wer zum Beispiel über die Künstlersozialkasse versichert ist, zählt zu den unmittelbar Förderberechtigten.