Jochen Reith, Gruppenleiter für Institutionelle Kunden, Patrizia Immobilien

Jochen Reith, Gruppenleiter für Institutionelle Kunden, Patrizia Immobilien

Gebäudesanierung

Deutsches Know-how bald im Ausland?

Käse, Wein, Evergreens – sie werden mit dem Alter immer besser. Immobilien hingegen nicht. Im Gegenteil. Die Zeitspanne, in der die ersten kleineren oder größeren Sanierungs- oder Repositionierungsarbeiten anstehen, wird eher immer kürzer.

Es gibt Marktteilnehmer, die sehen 30 oder auch nur 20 Jahre als Grenzwert, ab dem man bereits massiv eingreifen muss, je nach Markt und Immobilientypus variieren die Werte. Fachmarktzentren in Deutschland beispielsweise sollten nach Meinung mancher Marktteilnehmer bereits alle sieben Jahre einer grundlegenden Kur unterzogen werden, um sie wettbewerbsfähig zu halten.

Oder Büroimmobilien: Wer sich hier die Leuchtturm-Projekte der 1990er Jahre ansieht, wird feststellen, dass sie ohne Eingriffe heute keineswegs mehr strahlen würden. Die vorgenannten Beobachtungen sind wie gesagt auf Deutschland bezogen – hierzulande ist das Problem längst erkannt.

Wir sind, was die rechtzeitige Arbeit an und mit der Immobilie betrifft, durchaus gut im internationalen Vergleich. Weltweit gibt es nun aber eine Vielzahl von Märkten, in denen es anders aussieht. Ob Nordamerika oder Nordeuropa: Vielerorts – auch in Toplagen in attraktiven Märkten – ist es die Regel, dass ältere Bestände schlicht nicht angefasst werden.

Katastrophale Energiebilanzen sind eine Folge davon, vergleichsweise günstige Mieten die andere. Hieraus folgt auch: Es gibt ein Mietpreissteigerungspotenzial. Für deutsche Immobilienunternehmen und Investoren stellt sich die Frage, ob dies nicht Märkte sind, die es sich zu erschließen lohnt.

Deutsche Architektur und Know-how im Bereich der energetischen Sanierung gelten zwar nach landläufiger Meinung bereits seit längerem als Exportschlager.

In der Praxis gibt es jedoch immer wieder eine Hürde: Ein sicherheitsorientierter deutscher Investor würde mit einem deutschen Asset Manager nicht in Kopenhagen investieren, um exemplarisch einen attraktiven Markt zu nennen, in dem es sehr viel Altbausubstanz gibt.

Es braucht einen Partner vor Ort, um den Schritt über die Grenze zu gehen. Einen geeigneten Partner vor Ort zu identifizieren und entweder durch Kooperation oder Integration zu binden, stellt hierbei oft die größere Hürde dar, als investitionswillige Anleger zu finden.

Gelingt dies jedoch, kann der Schritt über die Grenze durchaus lohnenswert sein. Unser jüngster Ankauf eines Wohnportfolios in Kopenhagen über nahezu 100 Millionen Euro ist ein erster Beweis, dass sich der skizzierte Weg in der Praxis umsetzen lässt.

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