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Wachtendorf-Kolumne Gebt mir den Sigi-Fonds!

Hätte da mal einen Vorschlag für einen sinnvollen Themen-Fonds
Hätte da mal einen Vorschlag für einen sinnvollen Themen-Fonds: Kolumnist Egon Wachtendorf.

Was macht eigentlich Jim O’Neill? Eine Frage, der jüngst „Spiegel Online“ nachging. In einem anlässlich des Ukraine-Kriegs geführten Interview erläuterte der ehemalige Chefvolkswirt von Goldman Sachs, warum schon seit Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos 2006 absehbar gewesen sei, dass Putins Russland kein guter Ort für Investitionen ist. Im Nachhinein einleuchtend, aber nicht sonderlich überzeugend: In früheren Interviews nämlich hat O’Neill es an entsprechend klar formulierten Warnungen fehlen lassen. Im von ihm 2001 ausgerufenen Bric-Club aus Brasilien, Russland, Indien und China sah er noch 2013 Indien als größtes Problemland.

Rund um den Globus haben Investmentgesellschaften zu Beginn des neuen Jahrtausends O’Neills optimistische Prognosen aufgegriffen und reihenweise Bric-Fonds platziert. Heute existiert nur noch ein Bruchteil davon, und die Langfrist-Ergebnisse sind ernüchternd. Wer kurz vor der Finanzkrise auf dem Höhepunkt der Begeisterung eingestiegen ist, hat zwar unter dem Strich kein Geld verloren, aber im Gegensatz zu fast allen anderen Märkten auch kaum welches verdient.

Noch deprimierender fällt die Bilanz aus, legt man politische oder gar moralische Maßstäbe an. Zwei der vier Bric-Staaten sind heute lupenreine Autokratien, die anderen beiden sind auf dem Weg dorthin. Mag ökonomisch derzeit durchaus so manches für das bislang noch nicht geächtete Trio Brasilien, Indien und China sprechen – reinen Gewissens kann heute niemand eine Empfehlung für ein derartiges Investment aussprechen. Schon gar nicht im Dreierpack, das auch sprachlich nur schlecht zu vermarkten wäre: In einer vor Zündschnüren nur so strotzenden Welt trüge das unter anderem für Einweg-Feuerzeuge stehende Kürzel Bic kaum zur Vertrauensbildung bei.

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Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie brandgefährlich Trend-Investments sein können. Gleichwohl ziehen sie mit wechselnden Schwerpunkten weiter enorm viel Geld auf sich. Den Bric-Fonds folgte ab 2006 der New-Energy-Boom, abgelöst von der zweiten Technologie-Welle und immer schrägeren Auswüchsen wie Hanf-Investments oder Beteiligungskörben für mutmaßliche Wasserstoff-Profiteure. Nicht zu vergessen jene Fonds, die ihren Käufern das Potential moderner Kryptowährungen erschließen sollen. Auch da dürfte es in naher Zukunft noch diverse Nachahmer-Produkte geben, deren Lebensdauer jene der mittlerweile aufgelösten Bric-Fonds aber mutmaßlich kaum übertreffen wird.

Trotz alledem gibt es an der Börse immer wieder starke Trends, denen es zu folgen lohnt. Nicht auf unbegrenzte Zeit, aber zumindest doch für so lange, dass ein signifikanter Mehrwert herausspringt. Deshalb aufgepasst, liebe Experten in den Marketingabteilungen der großen Fondshäuser: Wenn ihr daraus mit Blick auf die nächsten zehn Jahre ein flottes Kombi-Produkt schnüren und mir sowie möglichst vielen anderen unter zugkräftigem Namen schmackhaft machen möchtet, dann probiert es doch einmal mit einem Sigi-Fonds. Das an die Verkehrsfunk-Melodie von Bayern 3 erinnernde Akronym greift vier Themen auf, die bis zum Ende des Jahrzehnts noch einiges an Fahrt aufnehmen dürften. Dabei steht das S für spezielle Metalle wie Nickel, Lithium oder auch Silber, ohne die eine nachhaltige Energiewende nicht möglich ist. Das erste I gehört dem Inflationsschutz, das G dem Mega-Thema Gesundheit. Das zweite I wiederum unterstreicht den Gedanken, dass indexfernes Investment allen Höhenflügen des MSCI World zum Trotz in der kommenden Dekade das bessere Investment sein könnte.

Was denn? Blöde Idee, ihr wollt nicht? Nun gut, dann bastele ich mir meinen Sigi-Fonds eben selber zusammen. Und schaue Anfang 2030 mal nach, ob ich damit weiter gekommen bin als Eure Kunden mit Wasserstoff, Hanf und Dogecoin.

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