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Skulptur Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse: Viele Investmentprofis verkennen, dass sich die Märkte gerade fundamental ändern, sagt Vermögensverwalter Uwe Günther. | © imago images / Jan Huebner Foto: imago images / Jan Huebner

Vermögensverwalter warnt

Gefährliches Wunschdenken bei Anlageprofis

Viele der sogenannten Finanzprofis müssten es eigentlich besser wissen. Vermögensverwalter, Vermögensberater, Fondsmanager und Finanzanalysten konnten sich über viele Jahre ein profundes Wissen, umfangreiche Erfahrungen und die Kenntnis über Abläufe mehrerer Schuldenkrisen aneignen. Und ganz viele der Genannten haben in den vergangenen Wochen während der durch die Corona-Epidemie ausgelösten (und den globalen Schuldenexzessen verursachten)  „Weltlähmung“ einen verantwortungsvollen, kundennahen und exzellenten Job gemacht. Keine Frage.

Kognitive Dissonanz zur Schmerzvermeidung

Selbstkritisch müssen sich die Anlageprofis aber mit einem neuen, fundamentalen Vorwurf auseinandersetzen: Kann es sein, dass in Teilen der Finanzbranche die völlig neuartige Dimension der Ereignisse, die irreversiblen globalen Veränderungen und die Sprengkraft für das aktuelle Politik- und Geldsystem nicht ausreichend reflektiert werden? Härter ausgedrückt: „Haben sie die Glocke wirklich nicht gehört?“

Liest man die derzeit unglaublich zahlreichen Marktberichte, Analysen und Einschätzungen, beschleicht einen nicht selten der Verdacht, dass das Anerkennen und Gestalten der kommenden fundamentalen Veränderungen teilweise nicht mehr gelingt. „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?“

Das eigentlich Undenkbare denken zu können, die Neuartigkeit der jetzigen Situation zu akzeptieren und das Verharren in alten Denkmustern schleunigst zu beenden wird zur Überlebensvoraussetzung auch unserer Berufsgruppe. Strategische Fehler kosten hier Performance, Kunden und vielleicht die Daseinsberechtigung.

Fall 1.)

Da heißt es in Managerkommentaren beispielsweise: „Der Corona-Crash führte zu einer Explosion der High Yield Credit Spreads, die sich auf knapp 600 Basispunkte verdoppelt haben. Die Renditen sind nun so attraktiv wie sie seit der Eurokrise 2011 nicht mehr waren.“ Es ist also jetzt einfach richtig attraktiv. Schnäppchenzeit.

Dass Rendite und Ausfallrisiko zwei Seiten derselben Medaille sind, scheint bei derartigen Verkürzungen keine wirkliche Rolle zu spielen. Dass der Zahlungsausfall von ganz wenigen Emittenten die Performance eines Depots oder Fonds von Jahren verhageln kann, ebenfalls nicht. Mehr als eine Verdopplung der bisher extrem niedrigen Ausfallraten kommt in diesem Weltbild scheinbar nicht vor. Und wie viele Privatanleger wissen, was High Yield Credit Spreads sind? Klingt auf jeden Fall besser als „explodierende Ausfallwahrscheinlichkeit“.

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