Gegen den Trend Diese europäische Notenbank hebt eifrig die Zinsen an

In Island machen sich die Währungshüter Sorgen, dass ihre Schritte zur Rücknahme von Kapitalverkehrskontrollen in diesem Jahr einen Ausverkauf der Landeswährung Krone auslösen könnten. Arion Bank hf, Islandsbanki hf und Landsbankinn hf sagen alle, dass die Notenbank wahrscheinlich am Mittwoch den als Benchmark fungierenden Sieben-Tage Ausleihe-Satz gegen Sicherheiten um 50 Basispunkte erhöhen wird, so dass er bei 6,25 Prozent liegen dürfte nach einem ähnlichen Schritt im Juni.

Island reagiert damit auch auf eine gewisse Überhitzung im Inland. Zurückzuführen ist diese teilweise auf die Kapitalverkehrskontrollen, die in fast allen Branchen Forderungen nach höheren Löhnen gebracht haben. Die Inflation liegt nahe bei 2 Prozent, könnte aber steigen, sollte sich der Lohnkostendruck auf die Verbraucherpreise auswirken, warnte die Notenbank des Landes.

“Die Zentralbank muss die Zinsen in anderen Ländern berücksichtigen”, sagt Valdimar Armann, Ökonom bei dem Vermögensverwalter GAMMA. “Wir können nicht weiterhin die Wirtschaft so stark anschieben, weil das andere Probleme bringen wird, beispielsweise Carry Trades.” Island: Vom hoffnungslosen Krisenfall zur sanierten Wirtschaft 

Island steht fast am Ende seiner Entwicklung von einem hoffnungslosen Krisenfall zu einer sanierten Wirtschaft und beginnt mit der Rücknahme der seit Ende 2008 bestehenden Kapitalverkehrskontrollen. Damals reagierte das Land auf einen Kursrutsch seiner Währung infolge des Zusammenbruchs seines Bankensystems, dessen Verbindlichkeiten auf mehr als das Zehnfache des Bruttoinlandproduktes angeschwollen waren.

Ein Grund dafür, dass die isländischen Banken so viele Schulden anhäufen konnten, lag darin, dass Investoren durch die hohen Zinsen angelockt wurden. Vor 2008 war Island ein bedeutendes Ziel für Investoren, die von sogenannten Carry- Trades profitieren wollten. Dabei werden Mittel in Währungen aus Niedrigzinsländern ausgeliehen und in Märkte investiert, wo die Erträge höher sind.

Zu Jahresbeginn 2008, etwa neun Monate vor dem Zusammenbruch der Banken, lag der Leitzins Islands bei 13,75 Prozent, verglichen mit 4 Prozent bei der Europäischen Zentralbank.

Der Carry-Trade ist eine der Lektionen, die wir lernen müssen

“Der Carry-Trade ist eine der Lektionen, die wir lernen müssen, um zu verstehen, was hier passiert ist”, sagte Finanzminister Bjarni Benediktsson in einem Interview in Reykjavik. “Es gibt externe Grenzen, wieviel höher die Zinsen in Island im Vergleich zu den umliegenden Ländern sein können, wenn wir kein anomales Niveau an Kapitalzuflüssen haben wollen. Das muss eines der Dinge sein, die die Notenbank berücksichtigen muss, dieses Risiko durch zu starke Zinserhöhungen nicht einzugehen.”

Island sei nun etwas besser vorbereitet auf derartige Ungleichgewichte wie durch Carry Trades ausgelöste, sagt Benediktsson. So habe die Notenbank ihre Devisenreserven aufgebaut, um einen Puffer zu haben, sollten die Märkte drehen. Die Fremdwährungsreserven erreichten Zentralbankdaten zufolge im Juli 620 Mrd. Kronen (4,23 Mrd €), den höchsten Wert seit August 2012.

“Gegenwärtig sind Carry Trades keine spezielle Sorge”, erklärt Benediktsson. “Aber wir müssen aus unseren Erfahrungen lernen.”

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