60 Prozent Cash im Portfolio – was vielen Fondsmanagern als „maximal unentschlossen“ angekreidet würde, bezeichnet Thomas Romig als goldrichtige Entscheidung. Romig spricht über das Jahr 2022 – ein Horrorjahr für Mischfonds. Im schnell steigenden Zinsumfeld kamen damals viele der zuvor sehr beliebten Anlagevehikel performancetechnisch unter die Räder: Die Anleihenkurse stürzten ab, und auch der Aktienmarkt rauschte mit Beginn des Ukraine-Kriegs in den Keller – ein Dilemma für Mischansätze.
Während viele Mischfonds – gerade solche mit hohen Rentenquoten – unangenehm Federn lassen mussten, kam der Assenagon Multi-Asset Conservative (ISIN: LU1297482736) durch teils radikale kurzzeitige Allokationsentscheidungen mit einem blauen Auge davon. Von Anfang März bis Jahresende 2022 stand bei dem defensiven Mischfonds ein Minus von 4,8 Prozent zu Buche. Die gesamte Peergroup der defensiven Mischfonds verlor laut FWW-Daten in der Zeit 7,5 Prozent.
Egal ob man den Fonds über ein, drei, fünf oder zehn Jahre betrachtet: Der 2015 aufgelegte Assenagon-Fonds rangiert stets im oberen Bereich seiner Peers. Über die vergangenen fünf Jahre lieferte er eine annualisierte Performance von 5,0 Prozent (FWW-Daten, Stand 30. Juli), während seine Vergleichsfonds auf gerade einmal 1,8 Prozent kommen. Gerade erst erklomm er ein neues Allzeithoch. Die Ratingagentur Scope hat den Fonds jüngst in ihrer Liste der Mischfonds mit besonders stabiler Top-Rating-Note platziert.
Flexibilität als Erfolgsfaktor
Was unterscheidet den Multi-Asset Conservative von der Konkurrenz? „Unser Portfolio ist sehr flexibel aufgestellt“, erklärt Fondsmanager Thomas Romig das Konzept. So bewegte sich etwa die Aktienquote historisch gesehen schon zwischen 8 und mehr als 50 Prozent.
Diese Flexibilität ermögliche es ihm und seinen Co-Fondsmanagern, auch in Stressphasen handlungsfähig zu bleiben und bei Bedarf in großem Maßstab umzuschichten. Das Aktienmarktrisiko kann Romig nach Bedarf auch wieder herunterregulieren, mittels Derivaten. Zum Einsatz kommen zum Beispiel Dax- oder S&P-Futures und Optionsstrategien.
Auf der Bond-Seite investieren Romig und seine Co-Manager Thomas Handte, René Reißhauer und Christian Schütz sowohl in Staats- als auch Unternehmensanleihen. Ebenso können sie bis zu 10 Prozent Rohstoffe ins Portfolio holen. Der Rohstoffanteil – in Form von Gold – liegt aktuell bei rund 7 Prozent.
Bemerkenswert: Nur 50 bis 55 Prozent der Performance des Multi-Asset Conservative stammen langfristig aus dem Aktienbereich. Heißt umgekehrt: Fast die Hälfte der Rendite kommt von der Bond-Seite und den Rohstoffen.










Investments in Themen
Ein weiteres Erfolgsgeheimnis des Fonds: Statt Einzeltitel auszuwählen, setzt das Team auf ganze Investmentthemen. Um diese abzubilden, nutzt es vor allem aktive Fonds, Indexfonds und ETFs – und das auf der Aktien- wie der Bondseite.
Dabei schreckt man bei Assenagon auch vor teils sehr nischigen Themen nicht zurück. Nordic High Yields? Japanische Small Caps? Das liegt recht fern des Mainstreams. „Wir bezeichnen uns als globale Themen-Trüffelschweine“, sagt Fondsmanager Romig stolz.
Jedes einzelne Thema nimmt dabei nur einen Mini-Anteil im Aktienportfolio ein. Ein Themenbereich wie Hochzinsanleihen aus Schwellenländern („So ziemlich das Giftigste, was wir im Rentenbereich ansteuern können“) ist mit nur einem Prozent im Portfolio gewichtet. Und dieses Prozent verteilt sich noch auf 80 bis 90 Emittenten.
Eine Fülle von Zielfonds im Portfolio, dazu ein Sicherungskonzept, das umfangreich auf Derivate setzt – wie schlägt sich das auf die Kosten nieder? „Als institutioneller Investor investieren wir zu sehr günstigen Konditionen“, versichert Romig. Außerdem verweist er auf die niedrigen Transaktionskosten bei Futures: „Ein Kontrakt auf den Dax mit Volumen von rund einer Viertelmillion Euro kostet uns weniger als 10 Euro.“ Auch der Spread zwischen An- und Verkaufspreis betrage bei börsengehandelten Derivaten gerade einmal einen Basispunkt. Insgesamt mache die hohe Flexibilität des Fonds die Kosten mehr als wett, ist Romig überzeugt.
Der Mischfonds-Crash von 2022
Im steigenden Zinsumfeld der letzten Jahre hatten viele Mischfonds mit einer miesen Performance zu kämpfen. Bei Assenagon erklärt man es sich so: Die ehemals stark gehypten Produkte hatten zuvor bei niedrigen Zinsen jahrelang von einer negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen profitiert. Zudem liefen Aktien gut, und die Rentenseite wurde durch die Anleihenkäufe der großen Zentralbanken hochgehalten.
Mit dem Ukrainekrieg kippte das Bild: Aktien und Renten fielen gleichzeitig, ihre Korrelation ging gegen eins. „Die Katastrophe war da“, nennt es Romig. Mischfonds, vor allem die defensiven, begannen unter ihrer hohen Rentenquote zu leiden. Viele Fondsmanager hätten aufgrund starr festgesetzter Quoten auch nicht umschichten können. In dieser Zeit habe der Assenagon Multi-Asset Conservative seine Flexibilität so richtig ausspielen können.
Doch gute Ergebnisse hin oder her: „Den Malus, der 2022 bezüglich Multi-Asset-Produkten entstanden ist, den mussten wir leider mittragen“, beklagt Romig: Als Anleger sich reihenweise aus Mischfonds zurückzogen, sei der Multi-Asset Conservative mit dem ganzen Sektor „in Gesamthaftung genommen“ worden – so sieht es der Fondsmanager.
Aktuelle Positionierung und Ausblick
Derzeit beträgt die Aktienquote in dem Fonds rund 32 Prozent, die Duration auf der Rentenseite liegt bei rund 1,8 Jahren – und damit inmitten der typischen Kurz- bis Mittelfristspanne von 0 bis 3 Jahren, die der Fonds anpeilt. „So vermeiden wir Volatilität durch Zinsbewegungen“, erklärt Romig.
Dabei erlaubt das Fondsmanagement der weniger zinssensiblen Credit-Seite durchaus auch längere Durationen: Bei den höher rentierenden Anleihen sind es aktuell 4,09 Jahre. Ausgeglichen wird das durch die Staatsanleihen (1,68 Jahre) und die ultrakurz investierte Geldmarktseite (0,01 Jahre).
Im Multi-Asset Conservative kommt auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz, verrät Romig: bei der Themenselektion und ebenso beim Reporting. So hat das Team mithilfe von KI als Ersatz für Aktien des MSCI World, der aktuell zum Großteil aus US-Titeln besteht, zum Beispiel Frontier-Markt-Aktien identifiziert. Bei ähnlichen Renditeaussichten glänzen sie mit einem KGV vom 7- bis 8-Fachen – gegenüber dem fast 30-Fachen, das die S&P-500-Werte durchschnittlich mitbringen.
Die aktuelle Lage an den Märkten bewertet Romig durchaus positiv: „Man kann momentan überall Geld verdienen – auf der Aktien- wie auf der Rentenseite: Die nominalen Zinsen sind wieder höher, die Spreads sind in Ordnung, Gold läuft gut.“
Mit 700 Millionen Euro Assets under Management, das Gros davon aus dem Retail- und Wholesale-Bereich, zeigt der Fonds, dass defensives Multi-Asset nicht nur Sicherheit, sondern auch eine durchaus interessante Performance liefern kann. Und dabei selbst komplizierte Marktphasen wie das Jahr 2022 elegant meistern kann. Zumindest wenn das Fondsmanagement seine aktive Rolle voll ausspielt.

