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Geld ist Zeit

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Dank Zeitwertkonten können Arbeitnehmer vorzeitig in Rente gehen oder sich ein Jahr Auszeit gönnen – und trotzdem volles Gehalt beziehen.

Arbeiten bis zum Alter von 67 – das können sich wohl nur wenige Arbeitnehmer wirklich vorstellen. Und wer weiß schon, ob es tatsächlich bei 67 Jahren bleibt. Schließlich könnte das Immer-älter-Werden der Bevölkerung zusammen mit schwachen Geburtsjahrgängen in den nächsten Jahren dazu führen, dass das Renteneintrittsalter erneut schrittweise um zwei Jahre angehoben wird, wie erst 2007 geschehen. In Rente mit 69? Nicht gerade verlockend. Eine mögliche Lösung bieten sogenannte Zeitwertkonten. Das Modell funktioniert so: Der Arbeitgeber richtet gemeinsam mit einer Fondsgesellschaft, einer Bank, einer Versicherung oder einem spezialisierten Finanzberater ein Zeitwertkonto für seinen Arbeitnehmer ein. Im Laufe seines Arbeitslebens zahlt der Mitarbeiter Überstunden, ungenutzte Urlaubstage, einen gewissen Prozentsatz seines Gehalts oder Teile vom Weihnachtsgeld auf das Konto ein. Der Clou: Auf denjenigen Teil des Gehalts, den der Mitarbeiter auf diese Weise spart, muss er zunächst weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen. Beides wird erst fällig, wenn er später sein Guthaben in Anspruch nimmt. Dabei kommt dem Anleger zugute, dass der Zeitwertkontenvertrag über sein Unternehmen läuft. Denn institutionelle Investoren unterliegen nicht der ab 2009 geltenden Abgeltungssteuer: Weder in der Anspar- noch in der Auszahlungsphase muss der Mitarbeiter also seine Kapitalerträge mit dem dann geltenden pauschalen Satz von 25 Prozent versteuern.

Sparen für die Auszeit

Das Guthaben auf dem Zeitwertkonto wird am Kapitalmarkt angelegt. Will der Arbeitnehmer ein Jahr Auszeit nehmen oder sich vorzeitig in den Ruhestand verabschieden, kann er das bei weiter laufendem Gehalt und vollem Sozialversicherungsschutz tun. Finanzielle Grundlage dafür ist das Guthaben auf seinem Zeitwertkonto. Der Chemiekonzern BASF beispielsweise bietet seinen außertariflichen Mitarbeitern dieses Konzept schon seit rund fünf Jahren an. Zum jährlichen Bonus für die Beschäftigten gibt BASF noch einmal 10 Prozent des individuellen Bonus obendrauf. Dieser Zusatzbonus wird dem Zeitwertkonto gutgeschrieben. Für die 5.000 BASF-Mitarbeiter, die bisher ein Zeitwertkonto haben, ist das Modell vielversprechend. Berechnungen des Unternehmens zufolge kann ein Arbeitnehmer, der mit Beginn seiner Berufstätigkeit 10 Prozent seines Jahreseinkommens ins Wertkonto einbringt, nach 30 Jahren bei voller Fortzahlung seiner Bezüge fünf bis sechs Jahre freigestellt werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Anlage des Zeitwertkapitals. Bei BASF kann in einen von drei Investmentfonds von Deutsche- Bank-Tochtergesellschaften investiert werden. Zum Hintergrund: Rechtliche Vorschriften für die Kapitalanlage bei Zeitwertkonten gibt es bislang nicht. Die Auswahl trifft allein der Arbeitgeber. Die Fondsgesellschaft DWS Investments stellt für das Zeitwertkontenmodell von BASF den Geldmarktfonds Institutional Money Plus. Anlageziel sind fest und variabel verzinsliche Wertpapiere mit kurzer Laufzeit. Solch ein kurzfristig ausgerichtetes Investment eignet sich besonders für Arbeitnehmer, die planen, ein Jahr bezahlten Urlaub zu nehmen. Dazu kann sich der Mitarbeiter bei BASF kurzfristig entscheiden, bestimmte Vorlaufzeiten gibt es nämlich nicht. Das Geld auf dem Zeitwertkonto sollte in diesem Fall schnell abrufbar sein.

Mehr Risiko für die Frührente

Ist das Zeitwertkonto hauptsächlich zur Finanzierung des vorzeitigen Ruhestands gedacht, bieten sich auch risikoreichere Kapitalanlagen an. Der DeAM Flexible Wertkonten BASF Aktienfonds des Deutsche- Bank-Ablegers Deutsche Asset Management (DeAM) investiert außerhalb Europas ausschließlich in Aktien, die im MSCI-Weltindex zu finden sind. Innerhalb Europas wird hin und wieder von der Index-Vorgabe abgewichen, um ein Renditeplus zu erreichen. Der DeAM Flexible Wertkonten BASF Rentenfonds schließlich basiert auf festverzinslichen Unternehmensanleihen aus dem Marktindex Citigroup Euro Big. Auch bei diesem Fonds soll die Wertentwicklung des Index möglichst eins zu eins abgebildet werden. Für Arbeitnehmer, die das Aktien- und das Rentenprodukt mischen wollen, bietet das BASF-Zeitwertkontenmodell das sogenannte Lebenszyklusmodell an. Ist der Mitarbeiter noch jung und der Ruhestand in weiter Ferne, ist der Aktienanteil höher. Rückt die Rente näher, wird das Kapital nach und nach in sicherere Rentenpapiere umgeschichtet. So sollen größere Wertverluste zum Laufzeitende vermieden werden. Stichwort Wertverlust: Ob es auf das angesammelte Guthaben eine Garantie gibt, ist davon abhängig, ob der Arbeitgeber entsprechende Kapitalanlageprodukte ausgewählt hat. Manche Anbieter stellen für ihr Zeitwertkontenkonzept etwa Garantiefonds bereit, die einen einmal erreichten Höchststand des Fonds sichern. Es müssen zudem nicht immer Fonds sein: Bei Allianz Leben besteht die Möglichkeit, das Zeitwertkonto mit einer Versicherung zu hinterlegen. Dabei fließt das gesammelte Guthaben der Arbeitnehmer ähnlich wie bei einer Pensionskasse in den Deckungsstock des Versicherers. Das verspricht zwar keine große Rendite, dafür aber Sicherheit, und eignet sich eher für Arbeitnehmer, die ihr Zeitwertkonto bald auflösen wollen. Will der Mitarbeiter seine Anlageentscheidung ändern, ist das nur bei einem Guthaben möglich, das neu auf das Zeitwertkonto eingezahlt wird. Würde der Arbeitnehmer das Investmentmodell für das bestehende Kapital anpassen, träte damit rechtlich gesehen ein „Störfall“ ein. Liegt ein solcher vor, sind die bis dahin gestundeten Sozialabgaben und Steuern nachzuzahlen. Gleiches gilt beim Jobwechsel, wenn das neue Unternehmen keine Zeitwertkonten führt. Dann muss das alte Konto aufgelöst werden – und Fiskus und Sozialversicherungsträger halten die Hand auf.

Störfall: Zahlungsunfähigkeit

Zu den Störfällen gehört es auch, wenn der Arbeitgeber insolvent wird. Da die Ansprüche des Arbeitnehmers aufgeschoben sind, müssen die Konten gegen eine Zahlungsunfähigkeit geschützt werden. Etwa über die Verpfändungslösung: Das Guthaben wird in einem separaten Depot geführt und an den Mitarbeiter verpfändet. Das ist bei einer größeren Belegschaft zu aufwändig. Deshalb lösen größere Unternehmen das Problem gerne über ein Treuhänder-Modell: Das gesammelte Zeitwertkontenvermögen geht dabei an einen Treuhänder. Im Insolvenzfall hat der Mitarbeiter gegen ihn einen direkten Anspruch. Insolvenzsicherung, Beratung, Verwaltung, Kapitalanlage – das gibt es bei den Anbietern von Zeitwertkontenmodellen meist aus einer Hand. Die Kosten dafür variieren je nach Anzahl der teilnehmenden Mitarbeiter oder Art der Kapitalanlage. Die Fondsgesellschaft Fidelity berechnet für das Einrichten eines Zeitwertkontos bei einer Unternehmensgröße von 2.000 Mitarbeitern etwa eine einmalige Gebühr von 2,50 Euro pro Teilnehmer. Jedes Jahr fallen für die Administration und die Insolvenzsicherung 25 Euro pro Arbeitnehmer an. Hinzu kommen Verwaltungsgebühren für die Fonds. Depotgebühren oder Provisionen fallen dagegen nicht an. Das ist nicht immer so: Prinzipiell hängt es von der Abmachung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ab, wer die Kosten übernimmt. Nur den Insolvenzschutz muss das Unternehmen allein tragen.

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