Rainer Baumann von SAM

Rainer Baumann von SAM

„Geld regiert die Welt, auch die nachhaltige“

//
DAS INVESTMENT.com: Herr Baumann, die Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung, auf deren Bericht Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Energiewende stützen will, empfiehlt den vollständiger Ausstieg aus der Atomenergie. Findet die Energiewende auch in den Portfolios statt?

Rainer Baumann:
Ja, unsere Kunden wollen vor allem weg von der Atomenergie. Wir erfahren momentan eine sehr hohe Nachfrage aus dem Retailsegment nach allem, was mit Energieeffizienz und erneuerbaren Energien zu tun hat.

DAS INVESTMENT.com: Was können die Produkte für die Umwelt leisten? Den Atomausstieg beschleunigen?

Baumann:
Nein, die Energiewende können sie nicht direkt herbeiführen. Aber sie investieren in Firmen, die einen alternativen Weg aufzeigen.  

DAS INVESTMENT.com:
Was genau bewirkt das? Wenn ich Fondsanteile kaufe und der Manager das Geld in Aktien investiert, fließt ja erst einmal kein Geld an die Firma.

Baumann: Das stimmt, aber es stärkt die Kapitalbasis der Firma und führt damit zu steigenden Börsenkursen. Schließlich sind alle börsennotierten Firmen an steigenden Kursen interessiert. Und fließt viel Geld in Erneuerbare-Energien-Aktien, hält das auch andere Stromproduzenten an, sich erneuerbarer auszurichten, um Kapital anzuziehen.

DAS INVESTMENT.com:
SAM berechnet zusammen mit Dow Jones die Sustainability Indizes. Sie werden nach dem Best-in-Class-Ansatz zusammengestellt. Keine Branche wird per se ausgeschlossen, egal wie umweltzerstörerisch sie auch ist.

Baumann: Investiert wird in die nachhaltigsten Firmen des jeweiligen Sektors, in die Vorbilder. Denn warum sollte man in einer nicht nachhaltigen Branche nicht die Unternehmen belohnen, die mit gutem Beispiel vorangehen? Das schafft Anreize für die weniger vorbildlichen Unternehmen, sich nachhaltiger auszurichten. Geld regiert die Welt, auch die nachhaltige.

DAS INVESTMENT.com:
Aber als Investor ist man dann auch schnell mal in BP und Co. investiert.

Baumann: Im Falle von BP stimmt das leider. Dennoch sollte man diesen Ansatz nicht per se verteufeln. Best-in-Class-Fonds sind vor allem in große Unternehmen investiert, die über genügend Kapital verfügen, neue Produkte und Lösungen in den Massenmarkt zu bringen. Man braucht sie als Katalysatoren. Wer nur in spezielle Themenfonds investiert, setzt vor allem auf die kleinen und mittleren Innovatoren. Das ist auch eine Frage des Risikos.

DAS INVESTMENT.com: Warum?

Baumann: Themenfonds haben ein höheres Risiko als Best-in-Class-Fonds. Beispiel Erneuerbare-Energien-Fonds: Die Branche ist stark abhängig von den politischen Entscheidungen über die Einspeisevergütung. Dieses politische Risiko ist unberechenbar.

DAS INVESTMENT.com:
Und die Performance?

Baumann: Unterscheidet sich ebenfalls stark von Fonds zu Fonds. Inzwischen besteht aber auf jeden Fall der Konsens, dass die Performance nachhaltiger Investments auf keinen Fall niedriger ist als bei herkömmlichen Produkten. Wir bei SAM gehen allerdings noch einen Schritt weiter.

DAS INVESTMENT.com: Inwiefern?

Baumann: Wir erwarten einen  positiven Ertrag.

DAS INVESTMENT.com: Das wird dann aber schon schwieriger.

Baumann: Ja, aber die Erfahrung zeigt uns, dass dies über einen längeren Zeitraum von mindestens drei bis fünf Jahren realistisch ist. Man darf nur nicht vergessen, dass Nachhaltigkeit immer ein längerfristiger Ansatz ist.

DAS INVESTMENT.com: Ist das jetzt der große grüne Boom, der schon seit Jahren erwartet wird?

Baumann: Nein, ich glaube, der kommt erst noch. Wenn sich erst einmal die großen internationalen Pensionsfonds zum Thema Nachhaltigkeit bekennen und ihre Gelder umlenken, dann wird es zur grünen Wende kommen. Noch ist es nicht soweit, aber erste Ansätze sind bereits erkennbar.

Mehr zum Thema
Roundtable-Gespräch: „Wir brauchen nicht mehr nachhaltige Investments, sondern bessere" Pictet ermittelt Schutz vor der nächsten Krise Portfolio-Studie: Nachhaltigkeit verringert Extremrisiken