Geldanlage Wie Robo-Advisor emotionale Anlegerfehler vermeiden

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Warum verschwinden wir im Dschungel?

Es gibt viele Gründe, warum Privatanleger so schlecht abschneiden. Leider fällt es uns oft schwer einzugestehen, dass nicht die äußeren Umstände, sondern wir selbst daran schuld sind. In der Psychologie spricht man dabei von selbstwertdienlicher Verzerrung. Dazu kommt, dass selbst, wenn uns bewusst ist, dass eine langfristige Überperformance sehr unrealistisch ist, wir trotzdem das Gefühl haben, wir selbst könnten das doch schaffen.

„Dass eine Einzelperson ohne besondere Information oder Marktmacht den Markt schlagen kann ist außerordentlich unwahrscheinlich“, wusste schon der amerikanische Psychologe Daniel Kahneman, der 2002 mit dem Wirtschafts-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. „Trotzdem ist der Markt voll von Leuten, die das glauben, und voll von anderen Leuten, die ihnen das abnehmen. Das ist eines der großen Investment-Mysterien”, so Kahneman weiter.

Zu akzeptieren, dass es unmöglich ist, den Markt zu schlagen, es sei denn, der Zufall kommt zu Hilfe, stellt einer der wichtigsten Schritte dar, um ein erfolgreicher Investor zu werden. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man versteht, wie diese emotionalen Hürden aussehen.

Grafik: Ginmon

Gier, Angst und deine Herde

„Die vier gefährlichsten Worte auf dem Gebiet des Geldanlegens sind: ‚Diesmal ist es anders‘”, sagte John Templeton, Gründer der gleichnamigen Fondsgesellschaft und berühmter Langfristinvestor. Während die klassische Investmenttheorie von einem rationalen, nutzenmaximierenden Investor ausgeht, zeichnet die Realität und die Forschung der letzten Jahre ein anderes Bild. Der klassische Anleger ist gierig, hat große Angst vor Verlusten und fühlt sich sicher in der Herde. Es gibt noch sehr viele weitere kognitive und emotionale Probleme, die uns in der Entscheidungsfindung im Weg stehen:

  • Overconfidence: Die Überzeugung, man selbst würde Ergebnisse oberhalb des Durchschnitts erzielen.
  • Bestätigungsfehler: Die Neigung, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen erfüllen.
  • Rückschaufehler: Die verfälschte Erinnerung an eigene Vorhersagen, die rückblickend bezüglich eines Ereignisses getroffen wurden.
  • Herding: Die Tendenz im eigenen Verhalten der Gruppe zu folgen - insbesondere in Situationen von Unsicherheit.
  • Media Response: Die Tendenz auf Medien und Expertenmeinungen zu reagieren, ohne sie einer umfangreichen Überprüfung zu unterziehen.

Kaufen oder verkaufen, wenn es alle anderen auch tun

Diese Probleme führen unter anderem dazu, dass wir kaufen oder verkaufen, wenn es alle anderen auch tun. Sie führen dazu, dass wir auf Artikel von echten oder vermeintlichen Experten, von Bekannten und Bloggern anspringen und einzelne Aktien entsprechend einer Empfehlung kaufen. Das führt letztendlich dazu, dass man langfristig weit hinter der möglichen Rendite zurückbleibt - und man sich am Ende den Fehler nicht einmal eingestehen kann.

Oft werden die emotionalen und kognitiven Probleme mit jeder getroffenen Fehlentscheidung noch schwerwiegender. Die Unsicherheit steigt, der Druck steigt und die Fähigkeit Entscheidungen frei von Emotionen zu treffen, nimmt rapide ab. Zu akzeptieren, dass diese Probleme wissenschaftlich nachgewiesen sind, ist ein wichtiger Schritt. Doch diese Einsicht wird durch die etablierte Finanzindustrie verstellt.