Geldentwertung: Biertrinker haben den Durchblick

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Das Sparen kann man sich sparen: Diese Schlussfolgerung drängt sich auf, wenn man die Preissteigerung bei wichtigen Gütern und Dienstleistungen mit den Zinsen auf Festgeldkonten vergleicht. Während die offizielle Inflationsrate bei drei Prozent liegt, legen die Preise für wichtige Konsumgüter deutlich stärker zu. Dagegen hilft nur: Investieren statt sparen!

Als Bayer und passend zur Jahreszeit sei mir der Blick auf ein Grundnahrungsmittel gestattet: das Bier und sein Preis auf dem Oktoberfest. Die Maß kostete 1981 noch fünf D-Mark, aktuell zahlt man neun Euro – das ist ein Preisanstieg um 252 Prozent. Wären Bierpreis und Verbraucherpreisindex im Gleichschritt gestiegen, bekämen die Wiesn-Besucher heute zwei Maß zum Preis von einer. Doch nicht nur das Bier wird teurer, auch das tägliche Brot sowie Konzert- und Theaterkarten haben im Preis deutlich zugelegt.

1,1 Prozent Rendite – der Bund macht’s möglich

In den vergangenen elf Jahren konnte man der offiziellen Geldentwertung mit festverzinslichen Wertpapieren beikommen. Bei Wiederanlage der Zinsen wurden auf diese Weise aus 100 Euro 170 Euro. Damit ist es nun vorbei, denn der gute alte Bundesschatzbrief schafft in sieben Jahren nur noch eine Rendite von 1,1 Prozent pro Jahr. Banken zahlen zwar höhere Zinsen, doch drei Prozent sind bei Anlagen, die – ähnlich dem Schatzbrief – relativ liquide sein sollen, kaum zu erhalten.

Nicht ideal: Inflationsgeschützte Anleihen

Damit geraten Sparer in die Bredouille: Sie müssen einen negativen Realzins in Kauf nehmen, der die Kaufkraft ihres Kapitals faktisch schmälert. Die politisch gewollten Niedrigzinsen werden uns wohl noch einige Jahre begleiten, weshalb die dringende Frage lautet: Wie schafft man es, laufende Erträge zu erzielen, die die tatsächliche Inflationsrate übertreffen? Inflationsindexierte Anleihen gelten als eine Möglichkeit, diesem Ziel nahezukommen. Meines Erachtens ist das jedoch ein untauglicher Versuch, denn wegen des aktuell niedrigen Basiszinses und der Bindung an einen offiziellen Verbraucherpreisindex ist die Geldentwertung damit nicht auszugleichen. Zudem können die Kurse wegen des Zinsänderungsrisikos stark schwanken, was mit Verlusten beim vorzeitigen Verkauf verbunden wäre.

Sachwerte-Mix sorgt für laufende Erträge

Deutlich vielversprechender erscheint mir ein – auf das jeweilige Anlegerprofil – abgestimmter Mix aus Dividendenaktien, Unternehmensanleihen und offenen Immobilienfonds. Die unter die Räder gekommenen und viel geschmähten Immobilienfonds sorgen für einen guten Inflationsausgleich, denn sie haben die offizielle Inflationsrate auf lange Sicht stabil um etwa zwei Prozent übertroffen. Zudem kann manch guter Fonds günstig über die Börse eingesammelt werden.

Auch bei vielen großen europäischen Aktiengesellschaften liegt die jährliche Dividende bei deutlich über fünf Prozent des aktuellen Kurswerts. Auf Sicht der nächsten fünf Jahre sollten noch interessante Kursgewinne dazu kommen. Zudem kann sich ein Blick auf gute Unternehmensanleihen lohnen. Unternehmen mit guter Bonität zahlen drei Prozent und mehr im Jahr, wobei sich eher kurz laufende Anleihen empfehlen, um die Auswirkungen von Zinsänderungen möglichst klein zu halten. Alles in allem dürfte ein solches Depot laufende Erträge zwischen vier und fünf Prozent im Jahr erwirtschaften.

Zum Autor: Gottfried Urban ist Vorstand der Neue Vermögen AG in Traunstein und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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