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Kontrolle der gedruckten Geldscheine in Brasilien: Die Staatsverschuldung und die kurz- und mittelfristige Ausweitung der Geldmenge korrelieren kaum mit der Inflationsrate. | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Geldflut der Notenbanken

Es gibt keinen Grund für Inflationsängste

Liest man die wirtschaftlichen Vorhersagen in diesen coronageplagten Zeiten, so scheint es, als sei der höllenartige Zustand bereits erreicht. Denn so, als würden wir von der Kälte in die Hitze und zurückgescheucht, gehen die Vorhersagen mal von einem inflationären Feuer, mal von einer deflationären Eiszeit aus. Die einen sehen den frisch aufgehäuften Schuldenberg der Staaten als den Startschuss in eine große Geldentwertung zur Entschuldung der Staaten; die anderen sehen die Staatsschulden und die dadurch gebotene Austerität als erdrückend für die künftige wirtschaftliche Aktivität und schreiben ihr damit die gegenteilige Wirkung zu.

Die einen sehen das Ende der Globalisierung und der reibungslosen Lieferketten, wodurch nun die Warenpreise ansteigen müssen; die anderen sehen die tiefe Verunsicherung der Konsumenten und Unternehmen, die nun aus Angst ihr Geld nicht mehr ausgeben und damit die Preise in den Keller treiben werden. Pleiten und die Angst davor, haben immer eine deflationäre Wirkung. Und wann, wenn nicht jetzt, sollte es Pleiten geben? Schließlich behauptet eine alte Börsenweisheit: Kapitalismus ohne Pleiten ist wie Katholizismus ohne Hölle.

Folgen der Krise: Deflation oder doch Inflation?

Die Märkte haben ein recht eindeutiges Bild vom Ausgang dieser Entweder-oder-Frage: Meist neigen sie zur Deflation. Für Deutschland auf die nächsten 10 Jahre lediglich eine Preissteigerung in Höhe von 0,5 Prozent erwartet, für Italien hingegen von 0 Prozent ausgegangen wird. In Japan ist sogar eine negative Preisentwicklung von minus 0,2 Prozent zu erwarten. Auch für den USA, den derzeit eifrigsten Schuldenmacher, wird lediglich eine Inflationsrate von 1,1 Prozent zugesprochen. Diese Zahlen sind nur in einem dezidiert deflationären Umfeld mit einem dauerhaften Wachstum und Zinsen um die Nulllinie realistisch – der Markt ist für gewöhnlich Realist.

Es sprechen derzeit drei Gründe dafür, dass wir uns zwischen zwei deflationären Schüben, mit immer einem inflationären Einschub wiederfinden werden. Zum einem dürften die Regierungen nach dem Ende der Corona-Krise nicht wieder im selben Umfang auf Sparhaushalte setzen wie nach der großen Finanzkrise 2008/09. Der politische Wille zu dieser Art von Inflationsbekämpfung ist 35 Jahre nach dem Verschwinden der Inflation als greifbarem Phänomen nicht mehr sehr groß. Zum anderen werden die Unternehmen gezwungen sein, viele Preise zu erhöhen, insbesondere für Dienstleistungen. Drittens sparen immer mehr Menschen, dass sie nun schon seit Monaten nicht mehr ausgeben (können). Nicht jeder ist in Kurzarbeit und hat mit geringeren Bezügen zu kämpfen, aber kaum jemand ist in der Lage, wie gewohnt einzukaufen, ins Restaurant zu gehen oder zu verreisen. Die Nachholeffekte werden immens ausfallen – wenn Kauflaune auf ein reduziertes Angebot trifft, sind Preissteigerungen unausweichlich.

Welcher Effekt sich dann am Ende durchsetzen wird, ist – wie gesagt – schwer zu sagen. Wahrscheinlich wird es Inflationszahlen geben, die wechselweise auf Deflation und Inflation hindeuten.

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