Marco Herrmann (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Geldflut der Notenbanken In den USA ist Inflationsdruck auf dem Kessel

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Die Realzinsen, das heißt der Zinsertrag nach Abzug der Inflation, sind diesseits und jenseits des Atlantiks seit längerem negativ. Wie beschrieben werden die sogenannten Währungshüter dagegen auch nichts unternehmen. Der Sparbuchanleger muss sich also bewegen, um sein Vermögen zu schützen. Im positiven Sinn helfen die vermehrt geltenden Strafzinsen dem Anleger bei der Entscheidung, die Anlagestrategie zu überdenken. Denn der Strafzins wirkt mental auf diese Anlegergruppe beinahe wie Steuern.

Das Ergebnis kann nur lauten: Weg von Nominalwerten, hin zu Sachwerten, also Immobilien, Aktien und Gold. Immobilien sind aufgrund der absolut hohen Kaufpreise nur für wenige Anleger machbar. Ob das auf dem jetzigen Bewertungsniveau und mit dem politischen Gegenwind (Mieterschutz, energetischer Sanierungszwang) Sinn ergibt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Gold ist grundsätzlich eine gute Beimischung, weil es wenig mit anderen Anlageklassen korreliert. Das Edelmetall stellt aber eben kein Hauptinvestment dar, da es keine laufenden Erträge erwirtschaftet.

Aktien sind spannender. Bei ihnen handelt es sich um Produktivkapital, das Arbeitsplätze zur Verfügung stellt und deswegen politisch so enorm wichtig ist. Bei den deutschen Politikern und deren Wirtschaftspolitik kommen daran allerdings aktuell eher Zweifel auf.

Ja, Aktien haben eine fulminante Rally gezeigt und sind auf Basis der erwirtschafteten Gewinne nicht mehr ausgesprochen günstig. Bei Immobilien war jedoch eine viel größere Bewertungsausweitung zu beobachten. Zudem sind bei der Ermittlung des fairen Wertes eines Unternehmens die Gewinne und die Zinsen für den Diskontierungssatz die wichtigsten Stellgrößen.

Die Zinsen dürften auf längere Sicht ausgesprochen niedrig bleiben. Und die Gewinne befinden sich wieder auf Erholungskurs. Klar, 2020 hat bei den meisten Unternehmen zu Gewinneinbrüchen geführt. Und einzelne Branchen wie der Tourismus werden Jahre brauchen, um die alte Ertragskraft wiederzuerlangen. Aber die Stay-at-home-Gewinner gleichen diese Entwicklung mehr als aus. Und im verarbeitenden Gewerbe kommt die Zuversicht zurück. Übrigens, der bereits genannte Preis-Indikator der Einkaufsmanager eignet sich auch sehr gut für Prognosen zur Gewinnentwicklung.

Die Stimmung verbessert sich

Für die anstehende Berichtssaison lässt sich daraus mehr als nur grünes Licht ablesen. In den Quartalsberichten sollte nun wieder etwas mehr Optimismus zu finden sein. Im Frühjahr hat man sich noch übervorsichtig gegeben und tiefgestapelt, jetzt könnten die Prognosen angehoben werden.

Denn die positive Entwicklung bei verschiedenen US-Konjunkturindikatoren spricht für eine besser als erwartete Berichtssaison. Zwar dürften die Unternehmensgewinne in den USA um rund ein Fünftel unter Vorjahr liegen. Der hohe Anteil der Technologie-Aktien, die man als Krisengewinner bezeichnen kann, im S&P 500, begünstigt jedoch dort die Gewinnentwicklung. Für den europäischen Stoxx 600, der deutlich weniger Tech-lastig ist, rechnen die Analysten dagegen mit einem Rückgang um etwa ein Drittel. Vor wenigen Monaten waren jedoch noch weitaus dickere Minuszeichen befürchtet worden. Und im nächsten Jahr dürften die Unternehmensgewinne wieder um 25 bis 30 Prozent zulegen.

Klar, Unsicherheiten sind viele vorhanden. Wer wird US-Präsident, bekommen wir die zweite Welle von Covid-19 in den Griff etc.? Es dürfte also immer wieder Kursrückschläge geben. Das ist aber dann die Zeit, die Aktienquote zu erhöhen oder zumindest an den Positionen festzuhalten.

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