LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche
in Kommentare der RedaktionLesedauer: 3 Minuten

Wachtendorf-Kolumne Geldmarktfonds: Die Crux mit der Ausschüttung

DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf
Analysiert die Steuerabzüge bei Geldmarktfonds: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. | Foto: DAS INVESTMENT

Geldmarktfonds oder Tagesgeld? Eine häufig diskutierte Frage, auf die es keine eindeutige Antwort gibt. Generell gilt: Wer attraktive Tagesgeld-Zinsen kassieren möchte, kommt um ein Banken-Hopping nicht herum. Auf längere Sicht sind deshalb Geldmarktfonds in jedem Fall die bequemere Alternative.

Wer sich so entschieden hat, sollte allerdings kurz die steuerlichen Regeln für ein derartiges Investment rekapitulieren. Denn die weichen nicht nur eklatant von jenen ab, die für ein Tagesgeld gelten, sondern lassen unter Umständen auch Fonds A in einem gänzlich anderen Licht erscheinen als Fonds B.

Dazu ein Beispiel. Ein Anleger deponiert Anfang Januar 25.000 Euro auf einem mit 3,8 Prozent verzinsten Tagesgeldkonto. Die Bilanz nach drei Monaten: An Zinsen aufgelaufen sind 237,50 Euro, abzüglich 59,38 Euro Kapitalertragsteuer, 3,27 Euro Solidaritätszuschlag und 5,23 Euro Kirchensteuer. Bleiben 169,62 Euro als Nettozuwachs.

 

 

Völlig anders die Rechnung bei einem Geldmarktfonds, der wie der DWS ESG Euro Money Market jeweils im März die aufgelaufenen Erträge ausschüttet. Sie nämlich muss der Anleger am Ausschüttungstag für das komplette Geschäftsjahr versteuern. Macht 149,81 Euro Kapitalertragsteuer, 8,24 Euro Solidaritätszuschlag und 13,48 Euro Kirchensteuer.

1.200% Rendite in 20 Jahren?

Die besten ETFs und Fonds, aktuelle News und exklusive Personalien erhalten Sie in unserem Newsletter „DAS INVESTMENT Daily“. Kostenlos und direkt in Ihr Postfach.

Von 612,72 Euro Ausschüttung gehen so lediglich 441,19 Euro in die Wiederanlage, was 4,452 zusätzlichen Anteilen entspricht. Insgesamt liegen nun 252,517 Anteile im Depot – die allerdings pro Anteil nur noch 99,09 Euro wert sind statt wie beim Kauf 100,78 Euro. Bei Verkauf am 2. April steht bei einem Anteilspreis von dann 99,31 Euro unter dem Strich ein mageres Plus von 77,46 Euro – fast 100 Euro weniger als beim Tagesgeldkonto.

Wieder anders sieht die Rechnung bei einem zweiten Geldmarktfonds aus, dem X-Trackers II EUR Overnight Rate Swap ETF. Weil dieser keine Erträge ausschüttet, wird er mit einer Vorabpauschale belastet – die aber bei einem Kauf Anfang Januar keine Anwendung findet. Zu versteuern ist folglich der bis zum 2. April aufgelaufene Veräußerungsgewinn, insgesamt 247,08 Euro. Abzüglich Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer bleibt ein Ertrag von 176,47 Euro.

Einen ausschüttenden Geldmarktfonds am Tag der Ausschüttung im Depot zu haben, birgt also im Vergleich der drei Varianten einen gravierenden Nachteil. Oder doch nicht? Wer dieses Rätsel ohne Hinzuziehung eines Steuerexperten aufzulösen vermag, verdient meinen uneingeschränkten Respekt. Obwohl es letztlich relativ simpel ist: Da die Anteile nach der Ausschüttung zu einem Preis von 99,31 Euro verkauft werden, ergibt sich im Vergleich zum Kaufpreis von 100,78 Euro ein Verlust von 1,47 Euro pro Alt-Anteil. Dieser wandert in den Verlustverrechnungstopf und kann mit künftigen Gewinnen anderer Depot-Bestandteile verrechnet werden. Das gleicht die im Vorfeld zu viel bezahlten Steuern aus.

Und welcher der beiden Fonds war nun tatsächlich das bessere Investment? Nein, nicht der von vielen Finanzportalen empfohlene Geldmarkt-ETF. Er erzielte 2024 (Stichtag: 10. April) bislang einen Wertzuwachs von 1,12 Prozent und somit 0,02 Prozentpunkte weniger als der DWS ESG Euro Money Market. Kostenmäßig tun sich die beiden Produkte nicht viel, die laufenden Gebühren betragen 0,10 (X-Trackers) beziehungsweise 0,13 Prozent pro Jahr. Je nach Verwahrstelle ist der DWS-Fonds sogar etwas günstiger, denn für ihn fallen in vielen Depots keine separaten Kauf- und Verkaufsspesen an.

Merke: Manchmal kann auch ein so dröge anmutendes Thema wie Geldmarktfonds richtig spannend sein.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
Tipps der Redaktion