Geldpolitik der EZB

Investoren betonen die zunehmenden Risiken - und kaufen Anleihen

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Anleiheinvestoren bezahlen dafür, Staaten Geld zu leihen. Unternehmen können Geld aufnehmen, ohne Zinsen zu bezahlen. Die Emittenten im Euroraum können sich billiger finanzieren als ihre Pendants in den USA mit höherer Bonität. Und Investoren akzeptieren höhere Risiken, um wenigstens geringste Renditen zu bekommen.

Das Bestreben des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), die Inflation und das Wirtschaftswachstum anzutreiben, drücken die Finanzierungskosten in der Region in den negativen Bereich. Das schafft eine Finanzlandschaft, wie es sie zuvor nie gegeben hat und in der Unternehmen freie Bahn haben, in Schulden zu schwelgen.

Bondinvestoren sagen nun, sie versuchen über das 1,1 Billionen Euro schwere Anleihekaufprogramm zur quantitativen geldpolitischen Lockerung (QE) hinauszublicken - wenn die Zinsen wieder steigen und Verluste verursachen werden.

“Der Druck, der sich an den Anleihemärkten aufbaut, ist zu spüren”, sagt Luke Hickmore, leitender Investmentmanager bei Aberdeen Asset Management in Edinburgh. “Am Ende wird es einen großen Schock geben. Wenn QE stoppt, könnte das den Markt ziemlich schwer treffen.”

Die durchschnittliche Rendite von Euro-Unternehmensanleihen der Güteklasse Investmentgrade ist am Montag auf rekordniedrige 0,88 Prozent gesunken, im Vergleich zu 3,11 Prozent bei Dollar- denominierten Anleihen. Das zeigen Indizes von der Bank of America Merrill Lynch. Die Renditedifferenz war seit 2005 nicht mehr so groß.

Wie der Euro Broad Market Index von Bank of America Merrill Lynch zeigt, rentieren mittlerweile Investmentgrade-Anleihen im Volumen von 1,8 Billionen Euro im negativen Bereich. Vor sechs Monaten lag dieses Volumen erst bei 512 Milliarden Euro.

“Es gibt kaum etwas im Markt, das nach der QE der EZB noch attraktive Renditen hat”, sagt Louis Gargour, als Chief Investment Officer für die Kapitalanlagen bei LNG Capital in London verantwortlich, im Telefoninterview mit Bloomberg News.

Er hatte wenig Auswahl, als er am Dienstag Anleihen kaufte. Er griff zur 500 Millionen Euro schweren Anleihe von Faurecia SA mit 3,125 Prozent Rendite bei siebenjähriger Laufzeit. Ohne QE läge die Rendite seiner Meinung nach einen bis zwei Prozentpunkte höher. Der Autozulieferer aus dem französischen Nanterre wird von Moody’s Investors Service mit “Ba3” drei Stufen unterhalb von Investmentgrade benotet. Noch 2012 kamen siebenjährige Anleihen von Faurecia mit einem Kupon von 8,75 Prozent an den Markt, wie Daten von Bloomberg zeigen.

“Was wir im europäischen Markt sehen, ist verrückt”, sagt Philipp Good, Vermögensverwalter bei Fisch Asset Management in Zürich. “Investoren werden bei Euro-Unternehmensanleihen in keiner Weise kompensiert.”

Doch die Finanzierungskosten werden nicht für ewig so niedrig bleiben. Draghi hat gesagt, QE werde mindestens 19 Monate lang laufen. In dieser Zeit hofft er, die Inflation im Euroraum anzukurbeln. Wenn dies geschieht und die Zinsen zu steigen beginnen, werden die Erträge der Investoren wegschmelzen und die Schuldner werden bei ihrer Refinanzierung vor höheren Kosten stehen.

“Was mir Sorgen bereitet ist, wenn sie erfolgreich darin sind, die Inflation auf ein hohes Niveau zu bringen, dann geht der Ertrag auf Null, der reale Ertrag wird negativ und es zerstört die Kaufkraft”, sagt Bryn Jones, Leiter Analyse Festverzinsliche bei Rathbone Brothers in London.

Unternehmen haben dieses Jahr Anleihen im Volumen von 232 Milliarden Euro an den Markt gebracht, wie Daten von Bloomberg zeigen. Weltweit hat sich das Volumen der Anleihen seit den ersten Anzeichen der Finanzkrise 2007 um mehr als 40 Prozent erhöht auf 100 Billionen Dollar, wie Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel zeigen. Die Unternehmen haben die sinkenden Zinsen ausgenutzt, und die Staaten liehen sich Gelder, um der Rezession zu entkommen.

“Es kommt einem so vor als würde man der Rendite hinterherjagen. Und man kann potenziell Schaden nehmen, wenn der Markt entscheidet, genug ist genug”, sagt Norval Loftus, Vorstand für Investmentfragen beim Vermögensverwalter für große Familiy Offices Allegra Asset Management (UK) in London. “Aber bis zu dem Zeitpunkt muss man die Sachen finden, die so aussehen, als ob es noch etwas Wertpotenzial gibt.”

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