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Flexibel in jeder Marktlage

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Fed-Chef Jerome Powell: Will die US-Geldpolitik stärker an Konjunkturdaten ausrichten. | © Getty Images

Geldpolitik der US-Notenbank Könnte der Dezember den Beginn einer „Pausen-Rally“ am Aktienmarkt markieren?

Mit seiner Rede vor dem Economics Club of New York am 28. November 2018 hat der Fed-Vorsitzende Jerome Powell den Aktienmärkten kräftigen Auftrieb verliehen. Der S&P 500 Index und der Dow Jones Industrial Average Index reagierten euphorisch auf die Aussagen des Fed-Chefs, die nicht nur deutlich expansiver klangen als noch vor einem Monat, sondern einer Kehrtwende gleichkamen: Im Oktober hatte Powell noch erklärt, die Fed sei weit entfernt von einem neutralen Zinsniveau, bei dem die Wirtschaft weder gefördert noch gebremst wird. Verständlicherweise waren die beiden US-Aktienindizes nach dieser Aussage auf Talfahrt gegangen. Zum erneuten Höhenflug kam es, als Powell in der vergangenen Woche plötzlich erklärte, die Zinsen seien „knapp unter neutral“.

Aus dem anschließend veröffentlichten Protokoll der letzten FOMC-Sitzung im November war dann herauszulesen, dass die FOMC-Mitglieder den wirtschaftlichen Ausblick zwar immer noch positiv sehen, aber beginnen, sich Sorgen über Zölle und die Verschuldung zu machen. Falls das wirtschaftliche Umfeld stabil bleibt, will das FOMC die Formulierung, dass weitere Zinserhöhungen angemessen sind, aus den im Anschluss an seine Sitzungen veröffentlichten Erklärungen streichen. Außerdem heißt es im Sitzungsprotokoll, dass viele FOMC-Teilnehmer die Geldpolitik nicht auf einem vorgegebenen Kurs sehen, sondern als datenabhängig betrachten.

Unterschiedliche Reaktionen auf die jüngsten Daten

Nicht nur die Fed scheint auf die Hinweise auf einen wirtschaftlichen Abschwung zu reagieren. Angesichts der zuletzt schwächeren Wirtschaftsdaten scheint auch die Regierung von US-Präsident Donald Trump bereit zu sein, ihre handelspolitische Haltung zumindest vorübergehend zu ändern. Ich muss zugeben, dass ich dem Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels mit großer Sorge entgegengesehen hatte – umso mehr, als bekannt wurde, dass Peter Navarro, Direktor für Handel und Industriepolitik im Weißen Haus, bei dem gemeinsamen Abendessen anwesend sein würde. Navarro hat mehrere sehr China-kritische Bücher geschrieben. Ihn zu den US-chinesischen Handelsgesprächen mitzunehmen erschien mir so, als ob man seine Schwiegermutter mit zur Eheberatung nähme — was genauso wenig förderlich für eine gütliche Einigung sein dürfte. Allerdings müssen die jüngsten Entwicklungen — und speziell die von General Motors angekündigten Fabrikschließungen — die US-Delegation erschreckt zu haben, da sie einer Aussetzung weiterer Zollerhöhungen zustimmte. Wie die US-Regierung berichtet, hat China im Gegenzug zugesagt, zusätzliche US-Produkte zu kaufen und die Einfuhrzölle für amerikanische Autos zu senken.

Handelskonflikt könnte sich wieder verschärfen

Für die Aktienmärkte sind das grandiose Nachrichten, die noch mehrere Tage für Euphorie sorgen könnten. Allerdings sollte nicht davon ausgegangen werden, dass sich der Handelskonflikt künftig nicht wieder verschärft. Die USA und China haben einen „Waffenstillstand“ beschlossen – vorbei ist der Handelskrieg damit noch nicht. Hoffentlich aber zeigt dies, dass die USA die wirtschaftlichen Daten bei der Formulierung ihrer Handelspolitik und ihren künftigen Verhandlungen im Blick behalten werden. Darüber hinaus ist es, wie von mir erwartet, wahrscheinlicher geworden, dass der US-Kongress versuchen wird, Trumps Befugnisse in Handelsfragen einzuschränken.

Pause im Zinszyklus dürfte die Märkte beflügeln

Zusammenfassend bin ich zwar nicht sicher, ob die Konsumausgaben in der diesjährigen Festtagssaison für eine kräftige Jahresendrally ausreichen werden, glaube aber, dass die Aussicht auf eine Pause im Zinserhöhungszyklus der Fed sowie im US-chinesischen Handelskonflikt die Märkte beflügeln wird. Die Aussagen des Fed-Vorsitzenden Powell und weiterer FOMC-Mitglieder signalisieren genauso wie das Protokoll der jüngsten FOMC-Sitzung, dass die Fed bei ihren Zinserhöhungen im nächsten Jahr eine Pause einlegen könnte.

Diese Ankündigung könnte den Märkten noch eine ganze Weile Auftrieb geben. Die Einigung auf eine Pause im US-chinesischen Handelsstreit wurde von den Märkten ebenfalls sehr positiv aufgenommen. Angesichts der Tatsache, dass die beiden wesentlichen Risiken für die Märkte – zumindest vorübergehend – ihren Schrecken verloren haben, könnten die kommenden Wochen globale Risikoanlagen vielleicht doch noch anschieben.

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