Einkaufsmeile in Tokio Foto: Unsplash.com

Robert Halver zum Abwertungs-Wettlauf Geldpolitik liefert die Munition für den Währungskrieg

Früher brauchte das handels- und haushaltsdefizitäre Amerika Auslandskapital wie Luft zum Atmen. Das hatte Vorteile für alle Beteiligten: US-Anleihen zahlten hohe Renditen, stärkten den Dollar und bescherten so den Gläubigern von US-Staatsanleihen auch noch Währungsgewinne.

Und während Europa und Japan zu Traum-Wechselkursen ex-, konnten die USA zu Schnäppchenpreisen importieren und Wohlstandsmehrung betreiben. Sie lebten ganz einfach weiter über die Verhältnisse.    

Mit zunehmender Verschuldung Amerikas stieß diese Wirtschaftspolitik aber allmählich an Grenzen. Grundsätzlich wollte Washington die Segnungen des Außenhandels nicht mehr nur klassischen Außenhandelsstaaten mit ihrer Industrie- und Autokultur überlassen. Denn nach Ende des Kalten Kriegs und Wegfall des Frontstaaten-Privilegs musste man Europa ja auch nicht mehr das Füßchen kraulen.

Und während Uncle Sam damals allein nur mit Brause, Sportschuhen, Zahnpasta oder Windeln nicht wirklich die Bedingungen eines Exportlands erfüllte, hat sich das heutzutage mit Technologie und Social Media deutlich geändert.

Doch ist beim Export ein starker Dollar so hinderlich wie Blasen beim Joggen. Joe Biden spricht es zwar nicht wie sein Vorgänger aus, aber auch er denkt: „The strong Dollar is killing us“.

Dollar-Schwächung und Exportstärkung als Zusatzaufgabe der Fed

Bei der Dollar-Beschwichtigung hat die Fed die Rolle des Tierbändigers inne. Sie muss verhindern, dass zu hohe Zinsniveaus dem Greenback Flügel verleihen wie ein Energydrink.

Ohnehin, aufgrund der offensiven Liquiditätspolitik auch unter Jerome Powell sind die USA nicht mehr auf den Lockruf attraktiver Zinsen angewiesen, um Auslandsinvestoren in US-Bonds zu treiben. Nein, Amerika finanziert sich durch die eigene Zentralbank zu günstigsten Konditionen.

Es braucht niemanden von außen, es hat sich selbst. Dieses Instrument macht übrigens aus einer theoretisch scharfen Waffe der Chinesen praktisch eine harmlose Wasserpistole. Selbst massive Verkäufe ihrer amerikanischen Staatsanleihen können die US-Zinsen nicht mehr - auch zum Schaden der US-Konjunktur - nach oben katapultieren. Treu sei die Fed, hilfreich und gut ist die charmante Beschreibung für eine Notenbank, die längst Mittel zum Zweck der Regierung geworden ist. Die Modern Monetary Theory lässt grüßen.

Die Fed war ja immer schon eine Art Förderbank für amerikanische Interessen. Und mittlerweile ist sie auch im Außenhandel übergriffig geworden. Offiziell will die Fed natürlich nicht als willfähriger Stiefelknecht in Erscheinung treten. In Sonntagsreden sprechen sich die Notenbanker stets für Stabilität aus. Doch sollte man nie einem Löwen trauen, der für friedliche Koexistenz mit Antilopen plädiert.

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