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Mario Draghi bei der Sun-Valley-Konferenz im US-Bundesstaat Idaho: Im Oktober endet seine Amtszeit als EZB-Präsident. | © Getty Images

Geldpolitik Niedrigzinsen zermürben Märkte

Nach ihrer Rolle rückwärts hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits weitere Leitzinssenkungen signalisiert. Damit ist der Trend für die nächsten Monate vorgezeichnet. Aber auch mittelfristig ist der Weg zu einer Normalisierung der Geldmarktzinsen wegen der strukturell niedrigen Inflation extrem steinig. Langfristig werden die Leitzinsen niedriger sein als heute.

Wenn die aktuelle Zinssituation die kommenden zehn Jahre weiter besteht, hätte das große Auswirkungen auf die Märkte. Über sogenannte risikolose Staatsanleihen ist dann kein Vermögensaufbau mehr möglich. Kapital wird regelrecht verzehrt, wie etwa bei Bundesanleihen mit negativen Renditen. Diese dienen nur noch der Risikodiversifikation sowie regulatorischen Anforderungen. Anleger wie etwa Pensionsfonds werden immer mehr in riskante Anlageklassen getrieben, um zumindest teilweise die erforderliche Rendite zu erwirtschaften. Es kommt zu Fehlallokationen und im Krisenfall reicht die Risikotragfähigkeit vieler Investoren nicht mehr aus. Zudem erodiert die kapitalbasierte Altersvorsorge. Daneben reduzieren Anleihen-Kaufprogramme der Notenbanken die Liquidität und den Free-Float vieler Marktsegmente.

Auch wenn Zinsschwankungen natürlich nicht der Vergangenheit angehören, wird das Renditetief uns vermutlich noch lange begleiten. Grundsätzlich sind vor allem Anlageklassen aussichtsreich, die mittelbar oder unmittelbar von zukünftigen Kaufprogrammen der Notenbanken profitieren. Wir bevorzugen Investment-Grade-Anleihen, denen die wahrscheinliche Neuauflage des EZB-Programms zugute kommt. Daneben sind auch High Yields und Emerging Market Bonds interessant. Dazu kommen Aktien mit hoher Dividendenrendite. Sollten sich auch mit Hilfe der Notenbanken die Konjunkturdaten vor allem in der Eurozone verbessern, sind die Aussichten für die Aktienmärkte gut. Insbesondere könnten dann bisher vernachlässigte Sektoren wie etwa zyklische Werte deutlich aufholen. Auch Aktien aus Schwellenländern sind aussichtsreich.

Die Kursschwankungen sind im Moment niedrig, womit aggressive Investitionen möglich sind. Im Krisenfall könnten sich Investoren jedoch von den Märkten zurückziehen, was dann wieder den Crash verstärken würde. Gleichzeitig sind die Bewegungen vieler Anlageklassen gleichgerichtet, weil die derzeitige Haupttriebfeder die Liquidität der Notenbanken ist. Was nach oben funktioniert wirkt auch nach unten: Die Risikostreuung über verschiedene Asset-Klassen hat kaum noch Auswirkungen. Ein langer Atem hilft auf jeden Fall, auch längere Abwärtsphasen an den Börsen durchzustehen.

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