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Christine Lagarde beim G20-Gipfel in Osaka: Vermögensverwalter Markus Richert sorgt sich um die Enteignung der Sparer. | © Getty Images

Geldpolitik So schraubt die EZB am Inflationsziel

Manche Sprachen haben eindeutige Charaktere. Russisch ist hart, Spanisch hektisch, Französisch klingt eher charmant. Allerdings ist zu befürchten, dass die Botschaft der designierten EZB-Chefin Christine Lagarde für deutsche Tagesgeldsparer alles andere als wohlklingend sein wird. Denn ihre Agenda, da sind sich alle Beobachter einig, läuft auf die endgültige Enteignung der deutschen Zinssparer hinaus. Dabei klingt Enteignung auch auf Französisch nicht wirklich charmant.

Markus Richert, Berater bei Portfolio Concept
Foto: Portfolio Concept

Mit der 63-jährigen Lagarde folgt eine geldpolitische „Taube“ auf den italienischen Notenbanker Mario Draghi. Insofern steht die EZB für Kontinuität an ihrer Spitze. Denn auch Draghi gehörte im EZB-Rat der Taubenfraktion an. So heißen die Anhänger einer lockeren und expansiven Geldpolitik. Die Falken im Rat werden es in Zukunft schwer haben. Sie stehen für eine restriktive Geldpolitik und sehen die Inflationsbekämpfung als eine ihrer Hauptaufgaben. Durch diese Personalentscheidung ist klar: die Geldparty an der EZB-Spitze geht weiter. Der Party-Crasher und lange favorisierte Nachfolger für das Amt des EZB-Präsidenten, Bundesbankpräsident Jens Weidmann, bleibt außen vor. Zinssparer sollten sich für harte Zeiten wappnen.

Zumindest in den südeuropäischen Euro-Schuldenländern knallten nach Bekanntgabe der Nominierung Christina Lagardes die Champagnerkorken. Mit einer lockeren Geldpolitik können sich die Staaten auch in Zukunft alles problemlos leisten – auf Pump natürlich. Stefano Feltri, Vizechef der Zeitung „Il Fatto Quotidiano“, die der Fünf-Sterne-Bewegung nahesteht, lobte Lagarde als „wahrscheinlich beste Wahl für die EZB aus italienischer Perspektive“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Dabei gibt sich der scheidende EZB-Präsident Mühe, seiner Nachfolgerin den Einstieg so leicht wie möglich zu machen. Als Abschiedsgeschenk will er die Inflation von der Leine lassen.

Symmetrisches Inflationsziel heißt das Zauberwort der EZB

Knapp unter 2 Prozent. So lautet das derzeitige Inflationsziel der EZB. Dieses Ziel werden die europäischen Währungshüter in diesem Jahr wahrscheinlich zum siebten Mal in Folge verfehlen. Seit 2013 liegt die Teuerung Jahr für Jahr weit unter 2 Prozent. Eine Notenbank, die selbst gesteckte Ziele nicht erreicht, verliert an Glaubwürdigkeit. Eine Lösung wäre gewesen, das Inflationsziel zu senken. Stattdessen planen die obersten Währungshüter das Gegenteil. „Symmetrisches Inflationsziel“ heißt das neue Zauberwort der EZB. Demnach müsste die Notenbank ihre Zinsen erst dann anheben, wenn die Inflation eine zeitlang über dem Ziel gelegen hat, sofern eine Phase zu niedriger Inflation voranging. Die Inflation soll so im Mittel das Ziel erreichen, nicht Monat für Monat oder Jahr für Jahr.

EZB erhöht faktisch das  Inflationsziel

Für Zinssparer könnte das gravierende Auswirkungen haben. Mit diesem Ansatz könnte die EZB für einige Zeit eine wesentlich höhere Inflation in Kauf nehmen. Durch die Hintertür würde das Inflationsziel erhöht. Die EZB könnte mit diesem Argument noch mehr billiges Geld in die Märkte pumpen und trotz anziehender Inflation den Leitzins bei null halten oder sogar noch weiter senken. Die Bundesbürger haben knapp 2,5 Billionen Euro auf unverzinsten Giro- oder Tagesgeldkonten angelegt. Dieses Geld ist der Teuerung ungeschützt ausgeliefert. Bei einer Inflationsrate von 4 Prozent würde jährlich ein Wert von 100 Milliarden Euro an Kaufkraft vernichtet. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahrs wurden nach Schätzungen der Comdirect Bank bereits 15,9 Milliarden Euro an Kaufkraft pulverisiert. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich Lagarde schützend vor deutsche Sparer werfen wird. Ganz im Gegenteil. Sie gilt als Vertreterin einer Politik des billigen Geldes.

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