Geldpolitik stützt Konjunktur Das sagen Finanzprofis zum EZB-Entscheid
Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands Die Familienunternehmer
„Wenn Mario Draghi in wenigen Wochen die EZB verlässt, schließt sich ein unrühmliches Kapitel der EZB. Die Europäische Geldpolitik hat in seiner Ägide ihre politische Neutralität aufgegeben.
Mit dem erneuten Kauf von Staatsanleihen betreibt die EZB Staatsfinanzierung par excellence. Dadurch hat sie die Abhängigkeiten und Risiken von Banken und Staaten massiv in die Höhe getrieben. Die Anleihekäufe haben zu schweren Verwerfungen geführt und gehören beendet. Diese Staatsfinanzierung durch die EZB muss aufhören.
Das Gelddoping für einen konjunkturellen Aufschwung und gegen die aufkeimende Rezession in der Euro-Zone schafft besondere Wettbewerbsvorteile für große Unternehmen. Für viele Mittelständler aber ist dies zum Nachteil.
Mit der Gewalt von Negativzinsen versucht die EZB, Liquidität in die Märkte zu pressen – bisher ohne Erfolg. Stattdessen treibt sie frustrierte Sparer, die sich für diese Alternative hohe Kredite am Finanzmarkt besorgen müssen, mit künstlichen Niedrigzinsen weiter in überteuerte Immobilienkäufe und auch unwirtschaftliche Investitionen. Die EZB pumpt so die nächste Blase an den Immobilien- und Finanzmärkten auf.
Unter Mario Draghi hat die EZB immer nur Vollgas gegeben und steht jetzt mit leerem Tank in der Sackgasse. Das Fazit seines Wirkens fällt düster aus: Negative Zinsen haben zu Verwerfungen an den Asset-Märkten geführt. Immobilienblase und erodierende Altersvorsorge sind direkte Folgen einer überschießenden Geldpolitik. Leider gibt es wenig Anzeichen, dass Draghis designierte Nachfolgerin, Christine Lagarde, einen zurückhalteren Kurs einschlagen wird.“