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Europaflaggen vor dem Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel: Die fünfte EU-Geldwäscherichtlinie erhöht den Druck auf Banken und andere Finanzinstitute, den so genannten AML-Vorschriften nachzukommen.  | © Schmuttel  / <a href='http://www.pixelio.de/' target='_blank'>pixelio.de</a>

Geldwäsche und Compliance Warum Kontrollsysteme im Finanzsektor wichtiger werden

Die EU-Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche entwickeln sich weiter, zuletzt mit dem Inkrafttreten der fünften EU-Geldwäscherichtlinie im Juli dieses Jahres. Unter anderem sieht die fünfte Geldwäscherichtlinie verstärkte Sorgfaltspflichten in Bezug auf Länder mit hohem Risiko vor und berücksichtigt zudem Umtausch-Plattformen für virtuelle Währungen sowie Anbieter elektronischer Geldbörsen. Der erweiterte Fokus der überarbeiteten Richtlinie erhöht den Druck auf Banken und andere Finanzinstitute, Anti-Geldwäsche (anti-money laundering, AML)-Vorschriften nachzukommen.

Die neuen Regelungen wirken sich auch auf die Kostenbelastung europäischer Finanzinstitute aus: Da entsprechend ausgebildete Fachkräfte unerlässlich sind, um die steigenden Anforderungen für AML-Compliance zu erfüllen, rechnen Finanzinstitute beispielsweise mit einem verstärkten Mehraufwand für Personalkosten. Hinzu kommen mögliche finanzielle Verluste im Zusammenhang mit komplexeren Onboarding-Prozessen, die sich nachteilig auf das Kundenerlebnis auswirken und somit zu Einbußen im Neukundengeschäft führen können.

Eine der größten Herausforderungen für Banken besteht somit darin, den goldenen Mittelweg zwischen Kundenzufriedenheit und der Erfüllung von AML-Vorschriften zu finden. Deren Nichteinhaltung kann andernfalls nicht nur zu empfindlichen Bußgeldern, sondern auch zu hohen Reputationsschäden für die jeweilige Einrichtung führen. Die folgenden drei Aspekte stellen die Grundlage für eine effektive Geldwäschebekämpfung dar.

Prävention versus Kundenzufriedenheit

Die Verhinderung von Geldwäsche geht mit der Umsetzung von Compliance-Maßnahmen einher, die nicht nur den aktuellsten Anforderungen nachkommen, sondern auch präventive Zwecke erfüllen. Konkret heißt das, sogenannte „red flags“ zu erkennen bevor sie zu einem Problem werden können. Beispiele für derartige Warnsignale reichen vom Überschreiten einer vorher festgelegten Transaktionsschwelle bis hin zur Ausführung ungewöhnlicher Überweisungen, die nicht dem üblichen Muster folgen.

Seyfi Günay, Lexisnexis Risk Solutions

Obwohl Aufsichtsbehörden Vorgaben für red flags geben können, die zwingend zu berücksichtigen sind, liegt die Entscheidung, welche Signale eine Reaktion erfordern letzten Endes bei den Banken selbst. Ein nicht unwesentlicher Aspekt ist dabei, dass eine steigende Anzahl von red flags in den meisten Fällen auch mit größeren Unannehmlichkeiten für Kunden einhergeht – und je restriktiver das Präventivsystem ist, desto geringer wird die Zahl der Kunden sein, die sich für die Dienstleistungen bei der Bank bewerben.

So spielt etwa das Überweisungslimit eine entscheidende Rolle, wenn es um Kundenzufriedenheit geht. Ein relativ niedriges Limit von beispielsweise 500 Euro mag zwar von einem AML-Standpunkt aus gesehen durchaus von Vorteil sein, kann jedoch gleichzeitig potenzielle Neukunden abschrecken, die darin eine Einschränkung ihrer finanziellen Möglichkeiten sehen. Auch die Menge an persönlichen Daten, die im Zuge von AML-Prävention erhoben werden, wird von einigen Kunden kritisch gesehen.

Die perfekte Balance zwischen der Durchsetzung von Anti-Geldwäsche-Maßnahmen und der Gewährleistung eines reibungslosen Kundenerlebnisses war schon immer eine besondere Herausforderung für Banken. Einerseits können übertrieben hohe AML-Maßnahmen den Verlust von Kunden nach sich ziehen. Die Financial Action Task Force (FATF), ein international führendes Gremium zur Bekämpfung von Geldwäsche, hat beispielsweise bereits 2013 in ihrem Bericht Guidance on Anti-Money Laundering and Terrorist Financing Measures and Financial Inclusion festgestellt, dass ein übervorsichtiger Ansatz zur Folge haben kann, dass legale Unternehmen und Verbraucher vom Finanzsystem ausgeschlossen werden. Sind die Anforderungen dagegen zu lasch, riskieren Banken, sich der Begünstigung von Geldwäsche mitschuldig zu machen.

Aktion anstelle von Reaktion

Wenn es um die Bekämpfung von Geldwäsche geht, nehmen Banken meist eine defensive Haltung ein. Anders ausgedrückt sind es meist Kriminelle, die zuerst zuschlagen – sei es mittels neuartiger Technologien oder verbesserter Spionage- und Diebstahlsoftware. So schmerzhaft es auch klingen mag, Banken sind in der Regel eher reaktiv als proaktiv. Neuerungen treten somit meist erst dann in Kraft, wenn die Bank Opfer einer neuen Geldwäsche-Attacke geworden ist.

Eine Möglichkeit, um dem vorzubeugen, besteht darin, ein Hauptaugenmerk auf die Einstellung entsprechend ausgebildeter Compliance-Fachkräfte zu legen. Diese verfügen über einen hervorragenden Einblick über bestehende Schwachstellen im System und können somit wesentlich dazu beitragen, den Spieß umzudrehen – Kriminelle werden somit vom Jäger zum Gejagten.

Einsatz neuer Technologien

Neue Technologien sind bei AML-Prävention von entscheidender Bedeutung. Mit der Anschaffung der aktuellsten technischen Lösungen allein ist es jedoch nicht getan – man muss sie auch verstehen und anwenden können. Darüber hinaus sollten Banken stets auf dem neuesten Stand sein, was ihre Konkurrenz, vor allem alternative Online-Zahlungsdienste, angeht. Diese bereiten traditionellen Finanzinstituten einiges Kopfzerbrechen, da sie in vielen Fällen nicht nur einfacher zu bedienen, sondern auch extrem flexibel sind. Doch obwohl die vermeintlich höhere Benutzerfreundlichkeit auf den ersten Blick attraktiv erscheint, haben die Vereinfachungen durchaus ihren Preis: Unzureichende Kontrollmechanismen machen nicht nur das Leben von Kunden, sondern auch Geldwäschern erheblich leichter.

So besteht bei Online-Zahlungsdiensten in Regel beispielsweise keine Notwendigkeit, persönlich vor Ort zu erscheinen, um ein Konto eröffnen zu können. Meist setzen Online-Zahlungssysteme lediglich eine Online-Registrierung sowie einen Mindestsatz an Daten voraus – der zudem in vielen Fällen nicht von Anfang an verifiziert wird. Zahlreiche Online-Plattformen fordern zudem erst dann einen Identitätsnachweis, wenn Überweisungsbeträge einen bestimmten Schwellenwert erreicht haben. Das macht sie umso attraktiver für Kriminelle, die nach vergleichsweise unkomplizierten Lösungen suchen, um ihr Geld zu waschen.

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