Der dritte Sektor: Die Softwareunternehmen
Egal ob CPUs oder GPUs, die Nachfrage nach immer fortschrittlicheren Chips wächst. Dennoch wird es immer schwieriger, sie noch kleiner, noch intelligenter und noch günstiger zu machen. Mittlerweile kostet es Hunderte Millionen Dollar, einen neuen High-End-Chip zu entwickeln.
Und ausgerechnet die KI kann bei der Herstellung dieser neuen Chips helfen – durch den Einsatz von Electronic Design Automation (EDA) Tools, die von Unternehmen wie Synopsys und Cadence entwickelt wurden. Synopsys hat eine ganze KI-Suite von EDA-Tools auf den Markt gebracht, mit denen bereits über 200 neue Mikrochips entwickelt wurden.
Auch Softwareunternehmen könnten im Zeitalter der generativen KI als Gewinner hervorgehen. Wer es schafft, KI in seine Produkte zu integrieren, hat einen großen Wettbewerbsvorteil. Der GitHub Copilot von Microsoft ist das beste Beispiel für den Einsatz von KI in der heutigen Softwareentwicklung. In einer von Microsoft veröffentlichten Studie waren Entwickler, die das Tool für die Programmierung verwendeten, produktiver – sie lieferten bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit (55 Prozent weniger Zeitaufwand) und das alles für rund 100 US-Dollar pro Jahr für das Copilot-Abo.
Ein weiteres Softwareunternehmen im Wettlauf um die KI-Integration ist der Kunst-Generator Firefly von Adobe, der mit den 175 Millionen lizenzfreien Fotos und Bildern des Unternehmens angelernt wurde. Somit ist eine urheberrechtskonforme Bildgenerierung in allen Produkten des Unternehmens möglich.
Im Bereich der Cybersicherheits-Software muss sich die Branche darauf einstellen, dass generative KI für die Abwehr potenzieller Bedrohungen durch von anderen Maschinen geschriebenen Schadcode eingesetzt werden muss. KI dürfte eine schnellere Erkennung und Neutralisierung von Angriffen ermöglichen. CrowdStrike und Palo Alto sind zwei der Unternehmen, die die leistungsstarke KI bereits in ihren Cybersicherheits-Plattformen nutzen. Mit der Zeit wird Cybersicherheit auch eine immer größere Rolle beim Schutz der von KI-Anwendungen verwendeten Daten und der Sicherung der Qualität dieser Daten spielen.
Was die Effekte der KI für Cybersicherheitsunternehmen und Geschäftsanwender anbelangt, halten wir Effizienzgewinne (eine Verkürzung der Zeit bis zur Erkennung und Abwehr von Angriffen) für das wahrscheinlichste Ergebnis. Generative KI wird mit der Zeit immer mehr Routineaufgaben übernehmen, die heute noch von Cybersicherheits-Teams ausgeführt werden.
Stolpersteine auf dem Weg
Bei all den Vorteilen der KI gibt es aber auch Gefahren. Daher kommt der Regulierung eine entscheidende Rolle zu, damit die Entwicklung und Verbreitung der Technologie gesteuert wird.
Heute schon gibt es große Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit der Daten, Urheberrechtsverletzungen, Datenschutz und Marktkonzentration. Einige dieser Herausforderungen werden bereits angegangen. KI kann sich in bestimmten Fällen selbst kontrollieren und regulieren. In der Content-Moderation, also dem Einwirken auf Medieninhalte, zum Beispiel kommen vortrainierte KI-Modelle zum Einsatz, um vor schädlichen Inhalten zu schützen. Mit der Zeit wird es immer mehr Modelle und Einsatzszenarien dieser Art geben.
Es herrscht jedoch auch Sorge darüber, was KI für die menschliche Existenz bedeuten könnte und ob sie, wenn sie nicht in die richtigen Bahnen gelenkt wird, eine ernsthafte Bedrohung für die Gesellschaft darstellen könnte.
Auch die offizielle Regulierung solcher Technologien ist entscheidend – daran arbeiten sowohl Regierungen als auch Unternehmen bereits aktiv. Die Mitbegründer von OpenAI haben gefordert, dass eine ähnliche Institution wie die Internationale Atomenergie-Organisation eingerichtet wird, die „Systeme überprüft, Audits anordnet, die Einhaltung von Sicherheitsstandards kontrolliert und den Einsatz beschränkt und Sicherheitslevels vorgibt“.
KI wird zum echten Game-Changer
Doch mit der technologischen Weiterentwicklung werden immer mehr Lösungen verfügbar sein, so viel ist sicher. Obwohl wir uns der Risiken bewusst sind, sind wir überzeugt, dass die KI ein echter Game-Changer sein wird. Sie ähnelt dabei dem iPhone, das vor über 15 Jahren in seinen frühen Tagen den Weg für die Nutzung von Smartphones und Apps und die Gründung von AWS als ersten Cloud-Anbieter bereitet hat. Jetzt revolutioniert die KI-Technologie die nächste Generation von Technologie-Startups.
Technologien wie ChatGPT geben nur einen winzigen Einblick in die Möglichkeiten der KI. Wir sind überzeugt, dass KI in den nächsten zehn Jahren die Geschäftsmodelle verändern, die operative Effizienz steigern und eine strategische Differenzierung bewirken wird. Auf dem Weg wird es Stolpersteine geben, aber generative KI wird sich durchsetzen.
