Märkte bewegen Aktien, Zinsen, Politik. Und Menschen. Deshalb präsentieren wir dir hier die bedeutendsten Analysen und Thesen von Top-Ökonomen - gebündelt und übersichtlich. Führende Volkswirte und Unternehmensstrategen gehen den wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen clever und zuweilen kontrovers auf den Grund.
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Volkswirt Ulrich Kater
Weshalb die geopolitischen Turbulenzen die Börsen antreiben
Mit der Regierung Trump ist die Epoche angebrochen, in der die Rivalität um den zentralen Einfluss in der Welt voll durchgebrochen ist. Im November 2025 erschien die neue Sicherheitsstrategie der USA, im Januar 2026 wurde in Venezuela zum ersten Mal sichtbar danach gehandelt.
Nach dem ersten Regierungsjahr wird damit die Tendenz zur Spaltung der Weltwirtschaft in zwei Einfluss-Sphären immer deutlicher. China hingegen trachtet danach, seine historische Stellung als natürlicher Mittelpunkt der Welt wieder einzunehmen. Im beginnenden zweiten Jahr der Amtsführung Trumps wird sich diese Rivalität in vielen Ereignissen und Entwicklungen weiter zeigen, zumal die Schauplätze dieser Auseinandersetzung zahlreich sind. Denn China fokussiert auf mehrere Disziplinen des Wettbewerbs von Staaten um globalen Einfluss.
Die dabei ins Visier genommenen strategischen Domänen sind etwa die Tiefsee, die Arktis, der Weltraum, der Cyberspace oder auch das internationale Finanzsystem. Diese Bereiche sind entscheidend für den Zugang zu Ressourcen, die Gestaltung technologischer Standards und die Sicherung geopolitischer Macht.
China versucht, internationale Institutionen zu dominieren
China verfolgt dabei prinzipiell eher langfristige Pläne, um seine globale Führungsrolle zu stärken. Präsident Xi Jinping hat wiederholt betont, dass das Reich der Mitte die Regeln für neue globale Systeme mitgestalten will. Die Strategie umfasst die Investitionen in Schlüsseltechnologien, etwa in den Bereichen wie Tiefseebergbau, Raumfahrt und Telekommunikation genauso wie institutionelle Einflussnahme, indem China versucht, bestehende internationale Institutionen zu dominieren oder neue zu schaffen, um eigene Interessen durchzusetzen.
Schließlich setzt China auf Partnerschaften mit Entwicklungsländern, wie dies auf dem Brics-Gipfel im vergangenen Jahr in Malaysia deutlich geworden ist. Durch Projekte wie die Belt-and-Road-Initiative oder ihre Cyberspace-Variante, die „digitale Seidenstraße“, versucht China, Schwellenländer an sich zu binden.
So hat China etwa erhebliche Fortschritte im Tiefseebergbau gemacht, es investiert in die Arktis, um von schmelzendem Eis und neuen Handelsrouten zu profitieren. Es ist dabei, sich zu einer führenden Raumfahrtnation zu entwickeln, so sehen die Planungen vor, zusammen mit Russland eine Internationale Mondforschungsstation zu entwickeln.
Im Cyberspace strebt China die Kontrolle über globale Internetstandards an, etwa durch das New IP-Protokoll, das staatliche Kontrolle über Netzwerke erleichtert. Und nicht zuletzt versucht China, die Dominanz des US-Dollars zu untergraben und den Renminbi als internationale Währung zu etablieren.
Neutralität zwischen den Blöcken ist nicht vorgesehen
Noch sind die chinesischen Bemühungen nicht durchschlagend erfolgreich, da sie auf Widerstände stoßen. Viele Länder, auch Schwellenländer, sind skeptisch gegenüber Chinas Absichten und bevorzugen oft die Zusammenarbeit mit den USA. Es wird zu den wesentlichen Regeln in der Weltwirtschaft von morgen gehören, dass Neutralität zwischen den neuen Blöcken nicht vorgesehen ist. Das trifft umso strikter zu, je technologieintensiver und systemrelevanter ein Wirtschaftssektor ist.
Zudem sind die US-Amerikaner in vielen dieser strategischen Bereiche noch in einer Führungsrolle. Um diese zu verteidigen, ist jedoch ebenfalls eine langfristige Strategie notwendig. Dazu gehören Investitionen in Technologien, die Zusammenarbeit mit Verbündeten im Rahmen von transparenten und regelbasierten Partnerschaften.
In diesen Sphären spielt Europa leider keine gestaltende Rolle in der Weltwirtschaft von morgen. Die europäischen Länder sind bei der Entwicklung von langfristigen Strategien durch ihre nationale Zersplitterung massiv behindert. Dazu kommt, dass das Bewusstsein der neuen Verhältnisse noch viel zu wenig in die Köpfe von Entscheidern, aber vor allem auch der Bevölkerung vorgedrungen ist.
Wie auch immer sich die geostrategischen Machtgefüge entwickeln: Die Weltwirtschaft bedarf eines großen Umbaus. Dieser Umbau setzt enorme Investitionen in Gang. Das reicht von den staatlichen Infrastrukturprogrammen bis hin zum neuen weltweiten Technologiewettlauf um die beste KI. Die Weltwirtschaft wird nicht zertrümmert, sie wird umgebaut. Und das erzeugt Innovationen, Wachstum und höhere Unternehmensgewinne mit hohen Ausschüttungen für die Aktionäre. Dies ist der Grund für die scheinbar paradoxe Aufwärtsbewegung an den Börsen trotz geopolitischer Turbulenzen.