Eine zerrissene EU-Flagge in einem Londoner Vorort. George Soros ist überzeugt, dass der Brexit äußerst destruktive Auswirkungen auf den Markt haben wird. Foto: Getty Images

Eine zerrissene EU-Flagge in einem Londoner Vorort. George Soros ist überzeugt, dass der Brexit äußerst destruktive Auswirkungen auf den Markt haben wird. Foto: Getty Images

George Soros

„Brexit hat eine Finanzmarktkrise entfesselt“

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Das hat sich gleichsam in Zeitlupe entfaltet, aber der Brexit wird es beschleunigen. Er dürfte die bereits bestehenden deflationären Trends verstärken", sagte Milliardär und Star-Investor George Soros am Donnerstag gegenüber dem Europa-Parlament in Brüssel.

Soros wurde als der Vermögensverwalter berühmt, der die Bank von England in die Knie gezwungen hat. Er erzielte einen Profit von einer Milliarde Dollar mit Wetten, dass Großbritannien das britische Pfund abwerten und es aus dem Europäischen Wechselkursmechanimus nehmen müsse, was auch geschah.

Soros warnte nun, eine harte Landung in China sei praktisch unvermeidbar und argumentierte, dass die von Fremdkapital angetriebene chinesische Wirtschaft der US-Wirtschaft zu Beginn der Finanzkrise ähnelt.

Das Bankensystem Kontinentaleuropas habe sich von der Finanzkrise nicht erholt und werde nun „ernsthaft getestet", sagte Soros. „Wir wissen, was getan werden muss. Unglücklicherweise haben politische und ideologische Uneinigkeit im Euroraum verhindert", dass der Europäische Stabilitätsmechanismus als Sicherheitsnetz verwendet werden kann, erklärte er.

Vor dem britischen Referendum hatte der Investor gewarnt, das Pfund Sterling werde mehr als 20 Prozent gegenüber dem Dollar einbrechen, sollten die Briten für ein Ausscheiden votieren. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses sackte die britische Währung auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren.

Die Entscheidung bedeute, dass „das Hypothetische sehr real geworden ist", sagte Soros. „Sterling ist eingebrochen, Schottland droht mit einem Unabhängigkeits-Referendum und einige aus der Bevölkerung, die die ‚Austritts‘-Kampagne unterstützt haben, beginnen nun zu erkennen, dass sowohl das Land als auch sie persönlich vor einer düsteren Zukunft stehen. Selbst die Verfechter eines Austritts machen einen Rückzieher bezüglich ihrer unredlichen Brexit-Forderungen vor dem Referendum."

Nach der letzten Finanzkrise hinke der Euroraum bei der weltweiten Konjunkturerholung hinter anderen Regionen her „wegen der restriktiven Fiskalpolitik; jetzt hat die Region mit einer drohenden Abschwächung zu kämpfen", sagte Soros. „Die Einstellung deutscher Politiker steht der einzig wirksamen Antwort im Wege: einen Euroraum-Haushalt, der eine antizyklische Politik verfolgen könnte."

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