George Soros: „Ungarn ist erst der Anfang“

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Aus ihrer geschichtlich geprägten Angst vor Inflation, die verständlicherweise sehr tief sitze, renne die Bundesrepublik nun in eine andere Katastrophe, erklärte der Star-Investor. „Deutschland diktiert eine Politik, die in eine Schuldenspirale mit deflationären Folgen führt“, kritisierte Soros auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Währungsunion sei auf einem „selbstzerstörerischen Kurs“, doch die Politiker nähmen dies nicht wahr.

Deutschland setze den Euro-Krisenstaaten unerreichbare Ziele und bringe sie damit gegen sich – und gegen die gesamte Währungsunion – auf, so Soros weiter. „Die Entwicklung in Ungarn ist da erst der Anfang“. Das Geburtsland des Finanzinvestors liegt aufgrund umstrittener Gesetze, welche die Unabhängigkeit der Zentralbank, der Justiz sowie die Pressefreiheit zu beschneiden drohen, im Streit mit der EU-Kommission.

Er finde es zwar richtig, die verschuldeten Volkswirtschaften zunächst zu strikter Haushaltsdisziplin zu zwingen, sagte Soros. Sie bräuchten aber auch einen Stimulus, der eine Deflationsspirale verhindert. Hier sei die EU gefragt, erklärte der Finanzinvestor und schlug Euro-Bonds als eine mögliche Lösung vor. Die bisher eingeleiteten Rettungs-Maßnahmen seien unzureichend, kritisierte Soros. Seiner Meinung nach hätten die Verantwortlichen in der EU nicht verstanden, wie die Finanzmärkte funktionieren und daher in ihren Rettungsbemühungen ungefähr alles falsch gemacht.

Keine Wetten gegen den Schweizer Franken

Während er für Europa nur Kritik übrig hatte, lobte der Star-Investor die Schweiz – beziehungsweise deren Zentralbank SNB. Der Schritt, den Wechselkurs bei 1,20 Franken zu fixieren, sei „sehr intelligent“ gewesen, sagte der Hedgefonds-Manager, der vor allem durch seine spektakuläre Wette gegen das britische Pfund berühmt geworden ist. Gegen den Schweizer Franken würde er nicht spekulieren. Schließlich sei die SNB in der Lage, unbegrenzt Franken zu drucken, um die im September festgelegte Untergrenze zu halten.

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