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Gerd Kommer Die Illusion der Sicherheit: Warum Geldmarktfonds dem Tagesgeld überlegen sind

Grossbaustelle im Bankenviertel: Die Sicherheit der Einlagen wird überschätzt, meint Gerd Kommer.
Grossbaustelle im Bankenviertel: Die Sicherheit der Einlagen wird überschätzt, meint Gerd Kommer. | Foto: Imago Images / Zoonar

Die Deutschen sind ein Volk von Kapitalmarktmuffeln. Wie wir aus den Statistiken wissen, schenken sie ihre finanzielle Liebe nicht der Börse, sondern drei anderen Anlageformen:

  • Bankguthaben
  • kapitalbildenden Lebensversicherungen
  • Immobilien.

Die vielen Nachteile von kapitalbildenden Lebensversicherungen wurden in den letzten Jahren von vielen umfänglich beschrieben. Die Renditen von Wohnimmobilien werden weithin überschätzt – vermutlich wegen der erst kurze Zeit zurückliegenden "goldenen Wohnimmobilienjahre" in Deutschland von 2008 bis 2021 und in diesem Aspekt seit jeher notorisch unklarer Medienberichterstattung.

Das unterschätzte Risiko von Bankguthaben

Kommen wir daher gleich zum eigentlichen Thema: Verzinsliche Bankguthaben und Geldmarktfonds. Bei einem Bankguthaben ist die Bank der Schuldner und der Einleger der Gläubiger (der Kreditgeber). Leider sind Banken betriebswirtschaftlich fragile Schuldner.

Das hat zwei Gründe: In keiner, wirklich keiner anderen Branche sind die Eigenkapitalquoten so konsistent niedrig und damit umgekehrt die Verschuldungsquoten so hoch wie im Bankensektor. Über 90 Prozent einer typischen Bankbilanz besteht aus Schulden. Ferner sind Banken die einzige Branche, die nennenswert vom Risiko des "Runs" ihrer Einleger (Kunden), also ihrer Kreditgeber, betroffen sind.

In einem Bank-Run versuchen viele oder alle Einleger einer Bank aus Angst um die Sicherheit ihres Geldes gleichzeitig ihre Guthaben abzuziehen, während circa 95 bis 99 Prozent dieser Guthaben bei der Bank gar nicht in liquider, sofort verfügbarer Form vorhanden sind. Das kann innerhalb kurzer Zeit, oft nur wenigen Tagen, zur liquiditätsmäßigen oder aufsichtsrechtlichen Insolvenz der Bank führen.

Vor kurzem bestätigte der Chef der Bundesbank, Joachim Nagel, dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Bank-Runs mit dem Aufkommen der sozialen Medien noch vergrößert hat.

 

Weltweit sind in den Industrieländern in den zurückliegenden Jahrzehnten und davor viele Tausend Banken zugrunde gegangen, zumeist im Kontext eines Bank-Runs.

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Bankpleiten einzelner Institute oder Bankpleiten im Rahmen einer systemischen Bankenkrise sind in gewisser Weise wie Erdbeben. Sie kommen zwar selten vor und ihr Auftreten ist nicht verlässlich prognostizierbar, aber dass sie vorkommen, ist sicher. Die letzte große globale Bankenkrise mit Hunderten von formalen oder de-facto-Bankkonkursen (darunter etwa 15 in Deutschland) ereignete sich 2008 bis 2011.

Im März 2023 kam es zu einer Minibankenkrise, in der eine der größten Banken Europas, die Credit Suisse und drei mittelgroße US-Banken, kollabierten. Zwischen 2011 und heute sind in Deutschland etwa ein halbes dutzend von 1.700 Banken aufgrund bankindividueller Probleme (fast immer Inkompetenz der Geschäftsleitung) unfreiwillig ins Jenseits übergesiedelt. Die zwei letzten waren die Greensil Bank und die VTB Europe Bank.

Warum man nicht auf einen Bank-Bailout wetten sollte

Trotz der großen historischen und strukturellen Fragezeichen hinsichtlich Bonität einzelner Banken und Stabilität des Bankensektors werden Bankguthaben von den meisten Mitbürgern als sehr sicher wahrgenommen – vermutlich deswegen, weil ihre Volatilität, also ihre Wertschwankungen im Zeitablauf, null sind.

Das ist bei einem Investment in Aktien bekanntlich nicht so.

Bankguthaben sind in der Tat sicher in Bezug auf ihre geringe Volatilität. Sie sind aber leider sehr unsicher in Bezug auf einen anderen Risikotypus, nämlich dem Ausfallrisiko (Rückzahlungsrisiko, Bonitätsrisiko), wie wir oben dargestellt haben.

In Bezug auf dieses Ausfallrisiko glauben viele Anleger, dass der Staat Banken im Falle ihrer Pleite immer retten wird, so dass Einleger keinen Schaden erleiden. So war das in der globalen Bankenkrise ab 2008 oder bei der Minibankenkrise im März 2023. Die Aktionäre und die Anleihengläubiger von Banken erlitten allerdings Verluste in der Größenordnung von 70 bis 100 Prozent. Bei Banken in Zypern verloren auch Einleger Geld.

Eine realistische Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit von Banken-Bailouts durch den Staat sieht jedoch anders aus.