Erfreulicherweise existiert inzwischen eine bessere Mausefalle, die oft als „integriertes Multifactor Investing“ oder „Stock-Level Multifactor Investing“ bezeichnet wird. Dieser verbesserte Multifactor-Ansatz funktioniert so: Anstelle der Kombination dreier separater Indexfonds mit jeweils einer einzelnen Faktorprämie wird im Voraus ein einzelner Indexfonds (beziehungsweise Index) konstruiert, in den von Vornherein nur diejenigen Aktien aufgenommen werden, die alle drei Faktorkriterien gleichzeitig erfüllen. Das heißt, die Portfoliokonstruktion geschieht auf Einzelaktien-Ebene (Stock Level) und nicht auf Fonds-Level. So kommen keine ungebetenen Gäste zur Factor-Party.

Das Integrierte-Multifactor-Investing-Verfahren haben wir anhand des Rubik-Würfels in der Mitte von Abbildung 2 grafisch dargestellt. Zöge man den Ansatz ganz konsequent durch, bestünde das resultierende Portfolio allerdings aus nur einem einzigen Teilwürfel.

Abbildung 2: Vergleich von einfachem Multifactor Investing (Fund Level – die Würfel ganz links) und integriertem Multifactor Investing (Stock Level – Würfel in der Mitte und rechts) ► Quelle: Gerd Kommer Invest

Das zeigt den potenziell größten Nachteil des integrierten Ansatzes: Die Anzahl der „Superaktien“ innerhalb des globalen Aktienspektrums (besagte 9.000 Aktien), die alle drei Faktorprämien gleichzeitig aufweisen, ohne zugleich die falschen beziehungsweise negativen Faktorprämien mit sich zu führen, ist relativ klein. Bei einem allzu rigiden Umsetzen des integrierten Ansatzes verliert das Portfolio somit einen Teil seines hohen Diversifikationsgrades.

Das wollen wir nicht, denn breite Diversifikation ist uns beim Investieren ebenso wichtig wie die Übergewichtung von Faktorprämien.

Der theoretische Diversifikationsnachteil des integrierten Ansatzes kann allerdings leicht adressiert werden, indem man die einzelnen Faktordefinitionen etwas auflockert. Diese Lockerung der Filterkriterien kommt im Rubik-Würfel rechts in Abbildung 2 visuell zum Ausdruck, in dem insgesamt acht Teilwürfel alle drei Faktorprämien-Definitionen gleichzeitig erfüllen. Im Ergebnis kann man so die Vorteile des effizienteren integrierten Multifactor Investing – eine Party ohne ungebetene Gäste – mit lediglich geringen Einbußen beim Grad der Diversifikation realisieren.