Gerd Kommer und Alexander Weis Gold als Investment – braucht man das?
Zu Frage 4: Schützt Gold im Falle von Megakatastrophen? Mangels ausreichend standardisierten Datenmaterials lautet die erste Antwort hierauf: Vielleicht, vielleicht aber auch nicht (Baur u.a. 2010, Bulut u.a. 2019). Auf alle Fälle könnten Überlegungen in diese Richtung sowieso nur überzeugen, wenn man dem Auftreten einer „Megakatastrophe“ in den nächsten Jahren eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit zuordnet. Mit Megakatastrophe sind beispielsweise der Dritte Weltkrieg, ein größerer Krieg in Westeuropa, der Staatskonkurs von Deutschland oder der chaotische Zusammenbruch der Eurozone gemeint. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit dieser Untergangsszenarien aus heutiger Sicht als sehr niedrig ein und unser Wissen über ihre denkbare Ausprägung für zu vage. Gelegentlich begegnet man bei „Gold Bugs“ (Gold-Fans) der zusätzlichen These, eine solche Megakrise könnte oder würde zur Wiedereinführung des Goldstandards führen. Letztere (Wunsch-)Vorstellung dürfen wir getrost ins Reich der Träume verweisen. Erstens ist sie vor dem Hintergrund der realen politischen Verhältnisse vollkommen unplausibel, und zweitens würde sie mit einem vorherigen Goldverbot einhergehen. Insgesamt erscheinen die Opportunitätskosten eines größeren Goldinvestments auch im Megakatastrophen-Szenario als zu hoch.
Zu Frage 5: Ist Gold ein US-Dollar-Asset? Das glauben die meisten Goldanleger und das wird wohl jeden Tag irgendwo auf der Welt in einem neuen Artikel über Gold wiederholt. Gemeint ist, dass der Dollar-Kurs den Goldpreis generell, also auch den Goldpreis in anderen Währungen maßgeblich beeinflusst. Diese Denke ist jedoch ohne Wenn und Aber falsch. Gold und die meisten Rohstoffe hängen ökonomisch mit überhaupt keiner bestimmten Währung zusammen. Dass der Goldpreis weltweit überwiegend in Dollar quotiert wird ist nur eine Konvention, hat jedoch keine fundamentale ökonomische Substanz; genauso wenig wie Entfernungen davon abhängen, ob sie in Meilen oder Kilometern angegeben werden. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde Gold übrigens in britischem Pfund quotiert. Gold wäre nur dann ein US-Dollar-Asset, wenn ein bestimmender Teil der jährlichen Produktion und Nachfrage aus den USA stammte. Beides ist nicht der Fall. Im Durchschnitt der letzten Jahre betrug der US-Produktionsanteil lediglich rund sieben Prozent. Die Nr. 1 bei Produktion ist – mit großem Abstand – China. Auch bei der Nachfrage rangieren die USA weit abgeschlagen hinter China und Indien und nur unwesentlich vor Deutschland.
Fazit
Seit der Goldpreis ab etwa 1975 frei am Markt schwankt, also über fast 45 Jahre hinweg, hat Gold eine fast einzigartig unattraktive Rendite-Risiko-Kombination produziert – davor war seine Rendite noch niedriger.
Auch in puncto Sachlogik sieht es dürftig aus: Gold als Vermögensanlage präsentiert hier mehr ambivalente Antworten auf essenzielle Fragen als uns lieb ist. Je mehr solcher Fragen zu einer Asset-Klasse nicht weitgehend eindeutig und klar auf der Basis vieler, von verschiedenen, unabhängigen Wissenschaftlern produzierter Forschungsergebnisse beantwortet werden können, desto vorsichtiger sollte man damit sein.
Aus unserer Sicht gehört Gold eher nicht in ein Privatanlegerportfolio, ausgenommen vielleicht für jene Haushalte, die die oben erwähnte Megakatastrophe in den nächsten Jahren für sehr oder nennenswert wahrscheinlich halten, und auch dann dürfte mehr als eine 10-Prozent-Beimischung selten angeraten sein.
