Gerd Kommer und Alexander Weis Sozial verantwortlich investieren mit ETFs?

Finanzberater Alexander Weis (l.) und Gerd Kommer: Der Geschäftsführer der Gerd Kommer Invest dokumentiert seinen Investment- und Beratungsansatz nach eigenen Angaben „so umfassend, detailliert und transparent wie kein anderer Vermögensverwalter in Deutschland“. | © Gerd Kommer Invest GmbH

Finanzberater Alexander Weis (l.) und Gerd Kommer: Der Geschäftsführer der Gerd Kommer Invest dokumentiert seinen Investment- und Beratungsansatz nach eigenen Angaben „so umfassend, detailliert und transparent wie kein anderer Vermögensverwalter in Deutschland“. Foto: Gerd Kommer Invest GmbH

Nimmt man die Zunahme der Medienresonanz zu nachhaltigem Investieren als Maßstab, hat diese Art der Geldanlage in der zurückliegenden Dekade enorm an Bedeutung gewonnen. Das Anlagevolumen, das Medienberichten zufolge nachhaltig investiert ist, entsprach 2016 einem Fünftel bis einem Viertel der Marktkapitalisierung des globalen Aktien- und Anleihenmarktes. Wie glaubwürdig diese hoch anmutende, schwer zu verifizierende Zahl der Non-Profit-Organisation Global Sustainable Investment Alliance ist, sei dahingestellt.

In diesem Artikel versuchen wir, aus einer rationalen Umsetzungsperspektive heraus darauf einzugehen, was nachhaltiges Investieren ist, welche konzeptionellen Fragen und Hürden es für passive Anleger aufwirft und was es in Bezug auf Risiko und Rendite bedeutet.

Die gängigsten Bezeichnungen

Nachhaltiges Investieren wird in der Investment- und insbesondere der ETF-Produktwelt vorwiegend mit englischen Termini betitelt. Die vier gängigsten Bezeichnungen sind:

  • ESG: Das Akronym steht für „Environmental, Social, and Governance“. Ein ESG-Index, und damit ein den ESG-Index replizierender ETF, schließt entweder Aktien aus, die nicht bestimmten ökologischen, sozialen oder „Corporate-Governance-Kriterien“ genügen oder übergewichtet Aktien, die diesen Kriterien im Vergleich zu einer marktneutralen Index-Variante in höherem Maße genügen.
  • SRI: Das Akronym steht für „Socially Responsible Investing“ (sozial verantwortliches Investieren). Im Großen und Ganzen ist SRI ein Synonym für ESG, obwohl vereinzelte Publikationen im Internet hier Unterschiede postulieren. Bei näherer Überprüfung betreffen diese Unterschiede nur Details, sind eher subjektiv oder einfach Wortklauberei. Wir verwenden die Bezeichnung SRI-Investieren, ESG-Investieren und alle anderen Formen nachhaltigen Anlegens mit börsennotierten Kapitalmarktprodukten in diesem Abschnitt synonym.
  • Sustainability: Investieren in die „nachhaltigen“ Titel innerhalb einer Asset-Klasse.
  • Low Carbon: Investieren in Länder oder Unternehmen mit niedrigen Kohlendioxidemissionen (CO2 ist ein Treibhausgas, das zum Klimawandel beiträgt).

Die 3 größten Umsetzungsprobleme

Befasst man sich näher mit ESG-Investieren, merkt man schnell, dass es in der Welt des aktiven Investierens eine viel größere Rolle spielt als beim passiven Investieren mit Indexfonds. Das zeigen die verfügbaren Daten zu den globalen Anlagevolumina in aktiv gemanagten ESG-Fonds im Vergleich zu ESG-Indexfonds. Dieser Umstand überrascht deswegen nicht, weil die praktische Umsetzung von ESG-Investing in einem Passiv-investieren-Kontext weitaus schwieriger ist als im Rahmen von aktivem Investieren. Größtenteils hängt das mit der stärkeren Regelgebundenheit passiven Investierens zusammen. Die drei größten ESG-Umsetzungsprobleme bei Indexfonds sind:

(A) Die enorme Schwierigkeit, endgültige Einigkeit und Eindeutigkeit darüber herzustellen, was überhaupt angemessene Nachhaltigkeitskriterien sind.

(B) Die noch größere Schwierigkeit, die einmal festgelegten Nachhaltigkeitskriterien im Rahmen einer passiven Anlagestrategie konkret in der Praxis umzusetzen, das heißt zu entscheiden, ob ein spezifisches Unternehmen zu einem gegebenen Zeitpunkt den „ESG-Filter“ passiert oder ob nicht.

(C) Die negativen Konsequenzen, die ESG-Investieren auf eine der wichtigsten Säulen passiven Investierens hat – die Erzielung hoher Diversifikation innerhalb von Asset-Klassen.