Gerd Kommer (r.) und Felix Großmann: Die beiden Finanzprofis raten Anlegern davon ab, auf eine besonders geniale Einzelaktie zu hoffen. Foto: Gerd Kommer Invest

Gerd Kommer und Felix Großmann

Die beste Aktie der Welt

Der Titel dieses Beitrags ist schamloses Clickbaiting. Die beste Aktie der Welt gibt es nicht, weil Kriterien für „die beste Aktie“ nicht sinnvoll definierbar sind. Würde man versuchen statt der „besten“ Aktie der Welt, lediglich die rentabelste unter den vielen Hunderttausenden auszuwählen, die in den letzten 100 Jahren existierten, dann müsste man erst einmal die Frage des Betrachtungszeitraums festlegen. Die Siegeraktie wäre nämlich für beinahe jedes Intervall von einem Jahr bis 50 Jahren eine andere. Neben bloßer Rentabilität müsste man auch das damit einhergehende Risiko berücksichtigen.

Dennoch hat die Betrachtung der langfristig rentabelsten Aktien der Welt einen Erkenntniswert, wie wir hier zeigen.

Wir beschränken uns hierbei willkürlich auf heute lebende Aktien und beachten nur solche, die schon mindestens 34 Jahre existieren. Warum 34 Jahre? Wir wollten, erstens, einen Zeitraum von 30+ Jahren und, zweitens, hatte Microsoft seinen IPO (seinen erstmaligen Börsengang) vor 34 Jahren. Microsoft ist eine von ganz wenigen Superstar-Aktien (Aktien, deren Rendite über 30+ Jahre mindestens doppelt so hoch ist wie die des Gesamtmarktes).

Unser eigentlicher Fokus liegt hier jedoch nicht auf Microsoft, sondern auf Apple. Die Apple-Aktie wird in der Wahrnehmung von Privatanlegern wohl am häufigsten als Antwort auf folgende Frage genannt: Welche bekannte Aktie hatte nach Ihrer Vermutung in den letzten 30 Jahren weltweit die höchste Rendite?

Bevor wir auf die Renditezahlen eingehen können wir vorab bestätigen: Ja, Apple war über die zurückliegenden vier Jahrzehnte ein phänomenal rentables Investment, wahrscheinlich eine der rentabelsten Aktien weltweit, aber das ist nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte wollen wir nachfolgend erzählen, weil sie eine Reihe für Privatanleger nützlicher Einsichten enthält.

Zuerst noch ein wenig Statistik zur Größe und Struktur des Weltaktienmarktes: Derzeit existieren weltweit rund 9.500 Large-, Mid-und Small Caps sowie rund 40.000 Micro Caps. Letztere sind so klein, dass sie quasi kein Mensch außerhalb des unmittelbaren Umfeldes und Kundenkreises der Firma kennt. Außerdem sind Micro-Caps sehr illiquide und verursachen hohe Transaktionskosten bei Kauf und Verkauf. Der bekannte MSCI World Standard Index umfasst die rund 1.600 größten Aktien aus 23 Industrieländern, was rund 75 Prozent der Marktkapitalisierung aller Aktien global entspricht. Einer groben Schätzung zufolge dürften über 85 Prozent aller börsennotierten Unternehmen, die in den vergangenen 100 Jahren irgendwann an irgendeiner Börse weltweit gelistet waren, heute verschwunden sein; verschwunden hauptsächlich via Konkurs, De-Listing oder Aufkauf durch eine andere Firma. Zu einem gegebenen Zeitpunkt sind 99 Prozent aller Unternehmen auf diesem Planeten nicht börsennotiert, wenngleich die börsennotierten im Mittel weit größer sind. Das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt ist mit großem Abstand Saudi Aramco, der Öl-Multi aus Saudi-Arabien.

Und schließlich noch eine methodologische Anmerkung: Was wir hier betreiben, ist nicht nur Clickbaiting mit seiner Überschrift, sondern auch noch unverhohlenes „Data Mining“, indem wir im Rückblick eine der besten Aktienanlagen der Welt auswählen – gerade so als wäre es vor 39 Jahren beim Apple-IPO möglich gewesen, dieses Wunderinvestment zuverlässig ex ante  zu identifizieren. Das war es selbstverständlich nicht. Vor drei oder vier Jahrzehnten beim IPO eine solche spätere Wunderkind-Aktie zu erkennen, sein ganzes Geld oder jedenfalls einen nennenswerten Teil davon darin zu konzentrieren und über fast 30+ Jahre hinweg nicht zu verkaufen, dieses Kunststück gelingt – glauben wir – seltener als sechs Richtige im Lotto.

Mehr zum Thema
Pro & ContraSind Quants die besseren Fondsmanager? 465 Fonds im CrashtestDie besten Fonds für europäische Aktien Die Entwicklung in ChartsSo schlagen sich die Dax-Titel in der Corona-Krise