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Gerd Kommer (re.) und Jonas Schweizer von der Honorar-Finanzanlagenberatung Gerd Kommer Invest haben berechnet, wie viel Gewinn Anlegern durch sogenannte Performance Fees durch die Lappen geht.  | © Gerd Kommer Invest

Gerd Kommer und Jonas Schweizer „Performance Fees sind eine doppelte Mogelpackung“

Mit Beginn der Großen Finanzkrise 2008/2009 haben Low-Cost-Indexfonds einschließlich ETFs einen weltweiten Popularitätsschub erfahren. Der Marktanteil von Indexfonds am Segment Investmentfonds für Privatanleger ist in den letzten Jahren erfreulich stark gewachsen. Insgesamt dürfte der korrekt berechnete globale Marktanteil "passiven Investierens" jedoch nach wie vor unter 2% liegen. Dieses Marktanteilswachstum übt Margendruck auf die Finanzbranche aus – auch darüber dürfen sich Anleger freuen. Wie hoch die Produktkosten traditioneller, aktiv gemanagter Fondsprodukte im Vergleich zu denjenigen von Indexfonds noch immer sind, illustriert Tabelle 1.

Tabelle 1: Vergleich typischer Kosten zwischen aktiv gemanagten Investmentfonds und Indexfonds (ETFs) in Deutschland und Österreich

► Alle Angaben in der Tabelle sind als Mittelwerte einer in der Praxis beträchtlichen Spannbreite zu verstehen. ► Nachweis der Angaben zu aktiv gemanagten Fonds siehe z. B. "FMA-Marktstudie über Fondsgebühren von österreichischen Publikumsfonds – Stichtag 31.12.2018". Bei den Kaufkosten aktiv gemanagter Fonds handelt es sich um den Ausgabeaufschlag (dieser kann durch Kauf über eine Direktbank z. T. gesenkt werden). Bei den ETFs handelt es sich um die Geld-Brief-Spanne und andere Transaktionskosten. ► "TER" = Total Expense Ratio ("Laufende Kosten").

Dass optisch vielleicht gering erscheinende Unterschiede bei den laufenden Kosten zwischen z. B. 1,75% und 0,25% bei Aktienfonds (siehe Tabelle 1) aufgrund des in diesem Fall negativen Zinseszinseffekts auf lange Sicht enorme Endvermögensunterschiede produzieren, ist in weiten Teilen der Privatanleger-Community inzwischen angekommen. Dennoch schadet es nicht, sich diesen Sachverhalt immer wieder mit konkreten Zahlen vor Augen zu führen: Unterstellt man bei Aktien eine nominale Bruttorendite von 8% p. a., Kosten in derselben Höhe wie die in Tabelle 1, einen Steuersatz von 27% auf die jährliche Bruttorendite sowie einen Anlagehorizont von 30 Jahren, dann führt das passive ETF-Investment bei Aktien zu einem um 43% höheren Endwert als ein Investment in den aktiven Fonds; bei Anleihen führt die kostengünstigere ETF-Alternative zu einem ungefähr 19% höheren Endwert, wenn man eine nominale Bruttorendite von 3% p. a. annimmt. (Eine höhere Bruttorendite der aktiven Fonds zu unterstellen wäre deswegen falsch, weil die Vorkostenrendite des durchschnittlichen aktiven Fonds bekanntlich sehr nahe bei derjenigen von Indexfonds liegt, wie eine nicht mehr zählbare Menge wissenschaftlicher Studien innerhalb der letzten Jahrzehnte belegt.)

Angesichts des Umstands, dass immer mehr Privatanleger die Vorzüge kostengünstiger passiver Produkte und Anlagestrategien für sich entdecken, sollte es nicht überraschen, dass die etablierte Finanzbranche – Banken, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften – hier "kreativ" gegensteuert. Eine der vielen Maßnahmen, die den Marketing-Experten in den letzten Jahren eingefallen sind, besteht darin, die laufende Verwaltungsgebühr von Vermögensverwaltungs-Portfolios und/oder aktiv gemanagter Fonds zu senken und im Gegenzug eine neue zusätzliche Gebühr mit einem hippen Namen einzuführen: Sogenannte "Performance Fees", also "leistungsabhängige" Gebühren oder "Gewinnbeteiligungen".

Vorteile von Performance Fees - aus Sicht ihrer Erfinder

Performance Fees (nachfolgend der Kürze halber "P-Fees" abgekürzt) haben aus Sicht ihrer Schöpfer drei Vorteile: (a) Sie erlauben dem Anbieter, die normale Verwaltungsgebühr zu senken, ohne tatsächlich billiger werden zu müssen. (b) Wohl 99% aller Privatanleger können die echten Kosten von P-Fees nicht beziffern. Damit bleiben sie bei Gesamtgebührenschätzungen und -vergleichen potentieller Neukunden außen vor – genau das, was sich der Anbieter wünscht. (c) P-Fees klingen zunächst sogar irgendwie gut, denn bei ihnen scheint es, als ob das Finanzunternehmen nur dann bezahlt wird, "wenn die Leistung stimmt". Und wer würde nicht für gute Leistung zahlen wollen?

In Bezug auf Sachverhalt (b) haben wir in Tabelle 2 eine Quantifizierung einiger real existierender P-Fee-Klauseln von Banken und Vermögensverwaltern vorgenommen. (Die Berechnungsmethodik wird im nachfolgenden Text erläutert.) Sachverhalt (c) – die P-Fee fällt nur an, wenn die Leistung stimmt – entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Wunschdenken. Eine P-Fee ist de facto auch dann zu zahlen, wenn die Bank, der Vermögensverwalter oder der Fonds seine Benchmark mittel- und langfristig unter-performt, er also gar keine Mehrleistung erzeugt, sondern das Investment nur mau oder gar schlecht rentiert.

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