Moskauer Luxus-Einkaufstempel GUM. In der russischen <br> Hauptstadt ist die Kluft zwischen Arm und Reich besonders <br> groß, in der Ukraine hingegen sehr klein. Quelle: GUM

Moskauer Luxus-Einkaufstempel GUM. In der russischen
Hauptstadt ist die Kluft zwischen Arm und Reich besonders
groß, in der Ukraine hingegen sehr klein. Quelle: GUM

Gerechte Einkommensverteilung: Ukraine ist ein Musterbeispiel

Luxusvillen und überfüllte Suppenküchen, Stretchlimousinen und obdachlose Menschen auf der Straße, üppige Gehälter und Renten unter dem Existenzminimum: Moskau ist eine Stadt der Kontraste. Es gibt nur wenige Städte auf der Welt, wo die Einkommensunterschiede so groß sind wie in der russischen Hauptstadt.

Auch im restlichen Riesenreich sieht es nicht sehr viel besser aus, meint Ivan Tchakarov, Chef-Volkswirt für Russland und die GUS-Staaten bei der Investmentgesellschaft Renaissance Asset Management (RAM). Denn bei der Anzahl der Milliardäre schafft es Russland mit 101 Superreichen auf den dritten Platz der „Forbes“-Liste, nach den USA und China. Doch auch der Anteil der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, ist sehr groß.

Vergleicht man die Gini-Koeffizienten – eine statistische Kennzahl für die Gleichmäßigkeit der Einkommensverteilung – in unterschiedlichen Ländern, stellt man fest, dass Russland in dieser Hinsicht weit über Westeuropa, aber auch leicht über Indien und China liegt. Lediglich in Brasilien, Argentinien, Mexiko, Chile und Südafrika sind die Einkünfte noch ungleicher verteilt als im Riesenreich an der Grenze zwischen Europa und Asien (siehe Grafik). Einkommen stiegen, die Kluft blieb

Als besonders auffällig bezeichnet Tchakarov dabei die Tatsache, dass diese Ungleichheit in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend konstant blieb, obwohl die realen Einkommen gestiegen sind. „In den anderthalb Jahrzehnten zwischen 1995 und 2010 bekamen die oberen 20 Prozent der Haushalte kontinuierlich 46 bis 47 Prozent aller Einkünfte, während sich die untersten 20 Prozent mit 5 bis 6 Prozent zufriedengeben mussten.

Doch nicht in allen postsowjetischen Staaten geht es so ungerecht zu. In der Ukraine zum Beispiel verdienen die Menschen zwar im Schnitt wesentlich weniger als in Russland – die Einkommen dort liegen eher auf dem Niveau von Ländern wie Indien, China, Brasilien und Südafrika. Dafür sind die wenigen Einkünfte aber gerechter verteilt: Mit einem Gini-Koeffizienten von weniger als 0,3 ist die Ukraine einer der Weltführer, was die Einkommensgerechtigkeit betrifft und kann sich sogar mit Deutschland messen. Lediglich in Finnland und Schweden herrscht noch mehr Gleichheit.

Auch andere osteuropäische Länder wie Polen und Ungarn liegen bei der Einkommensgerechtigkeit relativ weit vorne. In den USA hingegen, wo die Menschen im Schnitt am meisten verdienen, ist die Kluft zwischen Arm und Reich fast genauso groß wie in Russland.

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