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Zielkunden und Projekte Was die großen Maklerpools aktuell vorhaben

Geschäftsleute im Gespräch
Geschäftsleute im Gespräch: Maklerpools rüsten momentan vor allem digital auf, die Projekte der einzelnen Akteure ähneln sich oft. | Foto: imago images/shotshop

BCA – der Name steht für „Baufinanzierungsberatung durch Computeranalyse“. Der Maklerpool aus Oberursel gilt als ein Pionier unter den Vermittlerhelfern. 1985 schlossen sich mehrere Vertriebsprofis zusammen und legten den Grundstein. 1994 startete dort eine erste elektronische Abwicklungsplattform für das Fondsgeschäft. Eine Zeitlang war BCA die unangefochtene Nummer eins unter hiesigen Maklerpools. Doch die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.

Von ihren Anfängen vor allem als Einkaufsgemeinschaften haben sich die Pools bis heute deutlich weiterentwickelt. Einige haben ihre Ausrichtung verändert. Sie verlagern ihren Schwerpunkt vom Investmentgeschäft in den Bereich Versicherungen – oder stoßen umgekehrt mit dem Hintergrund Versicherungen ins Investmentgeschäft vor. Es gibt zwar weiter günstige Konditionen beim Produktkauf, die Pools helfen ihren Partnern aber auch durch den kompletten Beratungsalltag. Immer wichtiger wird die Unterstützung in regulatorischen Fragen. Und die Technik: Pools bieten heute eine große Palette digitaler Hilfen an. Ihre Leistungen bündeln sie zunehmend zentral. Einige Maklerpools nennen sich mittlerweile lieber „Plattform“.

Noch keine Mega-Fusion

Es herrscht ein reger Wettbewerb. Viele Pools wollen nicht mehr nur eine unter vielen Anlaufstellen ihrer Vertriebspartner sein, sondern ihre Makler exklusiv an sich binden. Teilweise arbeiten sie jedoch auch zusammen. Der Lübecker Pool Blau Direkt hat eine Pool-Interessengemeinschaft ins Leben gerufen, mit dabei sind etwa Wifo und Insuro. Gemeinsam will man gute Einkaufskonditionen erwirken, um dem heutigen Platzhirsch Fonds Finanz Paroli zu bieten.

Andernorts sind kleinere Übernahmen zu beobachten: Jung, DMS & Cie. hat den Maklerpool Komm geschluckt, Netfonds den Verbund GSR gekauft. Eine echte Elefantenhochzeit unter Pool-Schwergewichten ist jedoch entgegen aller Voraussagen ausgeblieben. Um zu verstehen, wie Maklerpools heute ticken, haben wir mehrere große Häuser nach ihrem aktuellen Geschäft und ihren Plänen gefragt.

BCA

Die schon erwähnte BCA wendet sich sowohl an Finanz- als auch an Versicherungsvermittler. Schwerpunkt ist das Investmentgeschäft. Zwei Drittel der Erlöse stammen von dort, ein Drittel kommt aus Versicherungen, sagt BCA-Vorstand Frank Ulbricht. Man sei „Vollsortimenter“ und „Full-Service-Dienstleister“: Neben dem Pool-Geschäft betreibt BCA mit der Bank Vermögen auch ein Haftungsdach und bietet eigene Vermögensverwaltungen an.

Stolz ist man auf die hauseigene zentrale Software Diva, über die sich Kundendaten verwalten, der Beratungsprozess managen, Depots digital eröffnen, Verträge abschließen und Vergleichsrechner zuschalten lassen – um nur die zentralen Elemente zu nennen. Auch eine App für angeschlossene Vermittler und deren Kunden hat BCA im Angebot. Damit setzt BCA wie viele Wettbewerber stark auf hybride Beratung – persönliche Betreuung mit Digitalem kombiniert. Gerade habe man Diva noch einmal generalüberholt. So benötige man weniger externe Software, sagt Ulbricht.

Blau Direkt

„Wir sehen uns als Infrastrukturdienstleister für Vermittlerbetriebe“, meint Blau-Direkt-Geschäftsführer Oliver Pradetto. Maklerpool sei nur noch ein Geschäftsbereich. Man biete eine „automatisierte Prozesskette von der Antragsabwicklung über das Daten- und Dokumenten- bis hin zum Touchpoint-Management“. Das sperrige Wort soll die Berührungspunkte zwischen Vermittler und Kunden bezeichnen, vor allem via Smartphone. Die hauseigene App, auf die sowohl Vermittler als auch Endkunden zugreifen können, möchte Pradetto als ein „Personal Information-Manager-System“ bezeichnet wissen. Neu seit diesem Jahr bietet der traditionelle Versicherungspool seinen Partnern auch Service im Bereich Investment an, die Technik stammt vom Maklerpool Fondsnet. Wichtigstes Vorhaben? Pradetto greift in die Vollen: „Wir bereiten uns gerade darauf vor, nächstes Jahr die Marktführerschaft unter den Maklerpools zu übernehmen.“

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