DAS INVESTMENT: Welche marktrelevanten Themen werden das Jahr 2026 besonders prägen und wie plant ihr Unternehmen darauf zu reagieren?
Bernd O. Engelien: 2026 wird vor allem die Nachfrage nach Risikoprävention und Resilienzstärkung enorm zunehmen. In einer Zeit, in der die Sorge um extreme Wettereignisse und Cyberangriffe die Aufmerksamkeit auf die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Versicherungen lenkt, werden Versicherer Teil der Lösung sein müssen und den Fokus vom reinen Risikotransfer hin zur aktiven Risikoprävention setzen.
Hier sind wir mit der Einheit Zurich Resilience Solutions stark aufgestellt und werden unsere Angebote für Industrie und Mittelstand auch in 2026 weiter stark ausbauen.
Auf welche Sparte beziehungsweise Geschäftsfeld fokussieren Sie sich besonders?
Engelien: Die private Altersvorsorge wird insbesondere mit Blick auf die geplante Rentenreform nochmals verstärkt an Bedeutung gewinnen. In unserer strategischen Planung bis 2027 fokussieren wir uns in diesem Kontext vor allem auf den Bereich Protection und setzen auf unsere starken fondsgebundenen Vorsorgeprodukte.
Zudem werden wir uns auf die Profitabilisierung des Schaden- und Unfallgeschäftes konzentrieren, einschließlich des Kfz-Geschäftes. Dieses wird sich durch Elektromobilität, autonomes Fahren und alternative Antriebskonzepte weiter verändern und sich auf die Risikosituation und -absicherung auswirken. Auch hier werden wir nah am Markt sein und unser Kfz-Geschäft zukunftsfähig ausbauen.
Welche Produktentwicklungen oder Weiterentwicklungen planen Sie für 2026?
Engelien: Mit dem Ansatz „AI First“ bauen wir den Einsatz von KI in Vertrieb und Service bei unserem Direktversicherer DA Direkt weiter aus – mit klarem Fokus auf Agentic AI. Zudem beschleunigen wir unsere digitale Transformation durch die Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups und Scale-ups.
Planen Sie Kooperationen, Zukäufe oder Bestandsbereinigungen für das kommende Jahr?
Engelien: Wir setzen auch weiterhin auf starke Partnerschaften in unterschiedlichen Bereichen, etwa mit Verbänden (z.B. dem VCI) oder dem Handel (z.B. Mediamarkt Saturn), um neue Vertriebswege und innovative Angebote zu erschließen. Dabei werden wir bestehende Kooperationen und Partnerschaften stärken und neue Kooperationen, insbesondere mit Plattformen und Ökosystempartnern aufbauen.
Unseren erfolgreichen Kurs bei Embedded-Insurance-Lösungen werden wir auch in 2026 weiterführen. So wird der Fokus auf die nahtlose Integration von Versicherungsprodukten in bestehende digitale Ökosysteme und Customer Journeys unserer Partner sowie neuer Partner aus unterschiedlichen Branchen liegen. Wir werden unsere Produkte mit Fokus auf Einfachheit, Skalierbarkeit und EU-weitem Einsatz weiterentwickeln.
Welche Entwicklungen bei ihren Standorten und Mitarbeitern sind für 2026 zu erwarten?
Engelien: Wir sehen uns hervorragend aufgestellt und werden unsere erfolgreich gelebte Zurich Kultur weiter ausbauen und festigen.
Was ist Ihre wichtigste Botschaft an ihre Vertriebspartner für 2026?
Engelien: Unser Fokus für 2026 ist klar: Wir erleichtern den Alltag unserer Vertriebspartner spürbar – mit einfachen Prozessen, verlässlichen Produkten und gezielter digitaler Unterstützung. Damit schaffen wir die Grundlage für nachhaltiges und profitables Wachstum.
Wie werden Sie Ihre IT-Infrastruktur und Prozesse weiterentwickeln?
Engelien: 2026 treiben wir die IT-Modernisierung der Zurich Gruppe Deutschland konsequent voran. Künstliche Intelligenz und Automatisierung werden endgültig zum geschäftskritischen Erfolgsfaktor. Unsere AI-Orchestrierungsplattform mit der ersten MCP-Implementierung (Model Context Protocol) ist bereits live und Agentic-AI-Workflows werden spürbare Vorteile für unsere Kunden und Mitarbeitenden im gesamten Unternehmen über isolierte Pilotprojekte hinausbringen.
Welche regulatorischen Themen bringen 2026 die größten Herausforderungen mit sich?
Engelien: Mit der Einführung von „FiDA“ und der Revision von Solvency II steigen die Anforderungen an Digitalisierung, Datensicherheit und Risikomanagement für Versicherer deutlich. Wir sehen darin die Chance, Prozesse weiter zu optimieren und innovative Lösungen für unsere Kunden zu schaffen.
Gleichzeitig erfordert die Umsetzung einen erhöhten Aufwand für Compliance und IT, den wir proaktiv und verantwortungsvoll gestalten. Der „EU AI Act“ bringt zahlreiche neue Pflichten und Prüfmechanismen mit sich. Besonders relevant werden dabei die Themen Transparenz, Datenschutz, Risikoklassifizierung und menschliche Kontrolle sein. Die Herausforderung besteht insbesondere darin, sich frühzeitig und systematisch vorzubereiten, um Compliance sicherzustellen und Risiken zu minimieren. Hier sehen wir uns bereits gut aufgestellt.


