Geschäftsklima-Index gefallen „Herausforderndes Umfeld für die deutsche Konjunktur“

Hauptbahnhof Frankfurt: Für die deutsche Wirtschaft sieht es derzeit eher trüb aus. | © Sascha Hormel

Hauptbahnhof Frankfurt: Für die deutsche Wirtschaft sieht es derzeit eher trüb aus. Foto: Sascha Hormel

Zu Anfang des Jahres hat sich die Stimmung der Unternehmen in Deutschland weiter eingetrübt. Das Ifo-Geschäftsklima verschlechterte sich zum fünften Mal in Folge, und der deutliche Rückgang um fast zwei Punkte fiel stärker aus als allgemein erwartet wurde.

Dabei schätzen die Unternehmen vor allem ihre Geschäftsperspektiven erheblich schlechter ein. Der Teilindex fiel um 3,1 Zähler auf 94,2 Punkte. Ein Niveau, das zuletzt im Sommer 2012 in der Hochphase der Euro-Schuldenkrise erreicht wurde. Die Beurteilung der aktuellen Lage fiel dagegen nur geringfügig schlechter aus. Dieser Teil-Index verringerte sich um 0,6 Zähler auf 104,3 Punkte.

Ifo-Geschäftsklima fällt weiter

Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank

Die USA verzeichnen den längsten Shut-Down der Staatsmaschinerie ihrer Geschichte, Chinas Wirtschaftswachstum lässt weiter nach, und die Indikatoren aus der Eurozone lassen keine Zweifel daran, dass sich die konjunkturelle Eintrübung auch im ersten Quartal fortsetzen sollte. Insgesamt deuten die Rahmenbedingungen auf ein herausforderndes Umfeld für die deutsche Konjunktur hin.

Im vergangenen Jahr hatten Investitionen mit 0,6 Prozentpunkten den höchsten Wachstumsbeitrag aller BIP-Komponenten zur gesamtwirtschaftlichen Dynamik geliefert. Allerdings dürfte die Investitionsbereitschaft bei einer sich deutlich eintrübenden Konjunktur 2019 deutlich nachlassen. Zwar wird immer wieder betont, der private Konsum sei eine wichtige Stütze des Wachstums geworden, allerdings hält sich sein Wachstumsbeitrag trotz des stabilen Arbeitsmarktes in Grenzen, bleibt aber weiterhin positiv.

Ausblick nach unten gerichtet

Das Verarbeitende Gewerbe, das in einem hohe Maße vom Export abhängig ist, profitiert davon nur wenig. Damit bleibt der Ausblick – wie das Ifo-Geschäftsklima bestätigt – eher nach unten gerichtet. Der Ifo-Index ist einer der aussagekräftigsten Frühindikatoren für den deutschen BIP-Wachstumsverlauf. Dabei liefert der Index den besten Erklärungsbeitrag für das Folge-Quartal: Die Ifo-Werte des ersten Quartal erlauben eine Einschätzung für das BIP-Wachstum im zweiten Quartal.

Auch wenn die Ifo-Zahlen für Januar nur eine erste Indikation für den BIP-Wachstumsverlauf im zweiten Quartal geben, ist die Tendenz dennoch deutlich: Da es kaum Anzeichen für eine deutliche Erholung des Ifo-Geschäftsklimas in den kommenden zwei Monaten gibt, steigt das Risiko, dass nicht nur das erste Vierteljahr enttäuschen könnte, sondern auch das BIP-Wachstum im zweiten Quartal.

Die aus dem Ifo-Index abgeleitete Prognosespanne deutet zudem darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer BIP-Schrumpfung im zweiten Quartal nicht ausgeschlossen werden kann. In Abhängigkeit des BIP-Wachstums im vierten Quartal (wird erst Mitte Februar veröffentlicht) und im Kontext der Risiken ist eine Abwärtsrevision der IKB-BIP-Wachstumsprognose von 1,3 auf rund 1 Prozent zu erwarten.

Fazit

Nicht überraschend und dennoch enttäuschend: Das Ifo-Geschäftsklima von heute signalisiert eine deutliche Eintrübung des deutschen Konjunkturausblicks, die sich bis ins zweite Quartal 2019 hinziehen könnte. Trotz einer erwarteten sowohl globalen als auch deutschen Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte 2019: Das Prognoserisiko ist bei BIP-Wachstumsprognosen, die über 1 Prozent liegen, relativ klar nach unten gerichtet.