Fredereik Voigt, VGF

Fredereik Voigt, VGF

Geschlossene Fonds: „Der Beipackzettel ersetzt keinen Verkaufsprospekt“

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DAS INVESTMENT.com: Ab Mitte 2012 soll ein Produktinformationsblatt für geschlossene Fonds/Vermögensanlagen eingeführt werden, das sogenannte VIB. Wie weit sind Ihre Vorbereitungen?

Frederik Voigt: Wir haben als Verband gemeinsam mit unseren Mitgliedern ein erstes Modell erarbeitet, was auch im Vertrieb bereits zum Einsatz kommt. Die Reaktion darauf ist sehr erfreulich. Uns scheint es gelungen zu sein, die juristischen Formulierungen und die Haftungsanforderungen in einer für die Anleger verständlichen Sprache darzustellen. Ab dem 1. Juni 2012 ist das VIB dann verpflichtend zu erstellen. Hierfür müssen wir unseren Vorschlag nur noch in wenigen Punkten anpassen.

DAS INVESTMENT.com
: Lässt sich ein komplexes Beteiligungsprodukt auf zwei, maximal drei Seiten verständlich erklären?

Voigt
: In den Grundzügen ist das möglich, jedoch muss man immer auf die Erwartungen des Adressaten schauen. Investitionsentscheidungen sollten nicht aufgrund des VIB, sondern nur auf Basis des Verkaufsprospektes getroffen werden. Alles andere ist ein Exzerpt, das die wesentlichen Dinge darstellt, aber keine Information in die Tiefe und in die Feinheiten des Assets bieten kann. Bei erneuerbaren Energien etwa können sie nur sagen, dass es ein Produkt dieser Sparte ist und in welchen Ländern es investiert. Technische Details, etwa zu den Herstellern der Module müssen größtenteils außen vor bleiben. Das ist auf drei Seiten nicht erklärbar.

DAS INVESTMENT.com
: Die Bafin hat jüngst die Beipackzettel in der Wertpapierdienstleistung als zu unspezifisch, zu wenig kostentransparent und zu unverständlich bezeichnet. Wie wollen Sie derartige Fehler vermeiden?

Voigt
: Das, was an den Produktinformationsblättern der Wertpapierbranche moniert wurde, haben wir großenteils gar nicht. Also etwa die Formeln, die exemplarisch herausgegriffen worden sind. Wir haben versucht, das weitestgehend so simpel wie möglich zu gestalten. Derzeit arbeiten wir daran, noch einen Punkt zu ergänzen, nämlich die Darstellung der Erträge unter verschiedenen Marktbedingungen. Da ist noch zu klären, wie wirtschaftliche Kennziffern einfließen sollen – etwa IRR oder der Vermögenszuwachs. Dazu haben wir eine Anfrage an das Finanzministerium gestellt. Ende Januar wollen wir auf dieser Basis das Update unseres VIB vorlegen.

DAS INVESTMENT.com
: Wie werden konkret die Abschluss- und Weichkosten dargestellt?

Voigt
: Damit haben wir keine Probleme, denn diese Angaben haben wir in den Prospekten in der Vergangenheit auch immer schon aufgeführt. Wir haben einen Absatz zu den Kosten, das ist immer noch ein Textblock, den man aufmerksam lesen muss, aber aus dem man sämtliche Abschluss- und Weichkosten ableiten kann.

DAS INVESTMENT.com
: Das Finanzanlagenvermittler- und Vermögenanlagengesetz ist verabschiedet. Nun kommt eine Mindestqualifikation auf die Vermittler geschlossener Fonds zu. Wie wird diese aussehen?

Voigt
: Zur Mindestqualifikation können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Details benennen, aber wir können bereits absehen, dass sich der Sachkundenachweis an dem orientiert, was im Markt bekannt ist. Da wird es keine großen Überraschungen geben.

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