Eric Romba, Hauptgeschäftsführer des bsi Bundesverbandes Sachwerte und Investmentvermögen

Eric Romba, Hauptgeschäftsführer des bsi Bundesverbandes Sachwerte und Investmentvermögen

Geschlossene Investmentvermögen

„Privatkundenvertrieb, Digitalisierung und Mifid II sind bestimmende Themen“

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DAS INVESTMENT: Wie läuft das aktuelle Geschäft?

Eric Romba:
Erste Analysen zeigen, dass der Markt für geschlossene Investmentvermögen kräftig angezogen hat. Nicht nur bei den Platzierungsergebnissen ist das zu spüren, sondern auch bei der Betrachtung der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Branche, gemessen an ihrer Investitionstätigkeit. Im Geschäftsjahr 2016 rechnet der bsi aufgrund der Ankündigung zahlreicher neuer Produkte mit einer weiteren Erholung des Marktes, bei einer gleichzeitigen Konsolidierung auf Anbieterseite. Zudem gehen wir davon aus, dass das Geschäft mit institutionellen Investoren weiterhin an Bedeutung gewinnen wird und das Segment Immobilien noch stärker in den Fokus der Investoren rückt.

Der bsi Summit findet in diesem Jahr erstmals nicht in Frankfurt, sondern in Berlin statt. Was ist der Hintergrund?

Nach sieben Jahren in Frankfurt fanden wir, war es an der Zeit, dem Konzept eine Frischekur zu gönnen. Wir haben die Teilnehmer befragt und dabei für einen neuen Ort viel positive Resonanz bekommen. Und Berlin bot sich an, weil wir hier natürlich eine größere Nähe zur Politik haben, die für die Entwicklung der Branche auch weiterhin eine zentrale Rolle spielt.

Welche Themen sind auf dem bsi Summit 2016 zentral?

Die Hauptthemen dieses Jahres spiegeln sich in den sechs nebeneinander laufenden Panel-Blöcken: Es geht natürlich um Entwicklungen in den Assetklassen, aber besonders auch um Themen aus dem Bereich Retail-Bereich und dem Sektor der Professionellen Investoren. Im Retail Sektor sind der Vertrieb an Privatanleger und der Digitalisierungstrend die bestimmenden Themen. Hinzu kommt Rechtliches, wie Solvency II, PRIIPS und Mifid II, aber auch aktuelle Prospektrechts- und Haftungsfragen. Neu ist der Block mit dem Titel „The big picture“. Hier finden die Besucher erstmals Vorträge zu Themen, die über den Tellerrand der Branche hinausgehen: Verantwortung, Nachhaltigkeit und Ethik. Es ist als ein breites Themenspektrum, mit dem die Teilnehmer sich je nach ihrem persönlichen Schwerpunkt umfassend darüber informieren können, was die Branche heute und in Zukunft bewegt.

Welches Potenzial sehen Sie für neue Produktgruppen wie Kreditfonds?

Die Finanzierungslandschaft ist durch die Regulierung aber auch wegen der Niedrigzinspolitik im Umbruch. Da stellen sich viele Fragen neu: Wer gibt wem Kapital? Zu welchen Konditionen? Mit welchen Risiken? Kreditfonds können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Und sie können für Investoren eine zusätzliche Möglichkeit sein, frühzeitig Kapital in Projekte zu bringen.

Was hat Ihr Verband als Nächstes auf der Agenda: Vielleicht die angekündigte Performance-Studie?

Unsere Mitglieder veröffentlichen seit Oktober 2015 ihre Performance-Berichte und diese werten wir regelmäßig aus. Die Bundesbank erhebt zudem Zahlen im Rahmen der Statistik zu Investmentfonds. Auch die schauen wir uns genau an und analysieren sie. Insofern passiert im Sektor Performance bereits viel unter dem gesetzlichen Rahmen des KAGB. Zudem hat der bsi im vergangenen Jahr etliche Standards gerade mit Blick auf die Erleichterung des Vertriebs in den Markt eingebracht. Als nächstes steht ein Informationsportal zum Sachwertfonds an, mit der Möglichkeit zur Direktzeichnung auf digitalem Wege. Mit diesen Vorhaben unterstützen wir den Markt und die Anbieter ganz konkret. Parallel begleiten wir, wie immer, noch zahlreiche regulatorischen Vorhaben auf der EU-Ebene und national. Das ist ein rundes und nicht gerade kleines Paket.

Wenn Sie für 2016 einen Wunsch für Ihre Branche frei hätten: Welcher wäre das?

Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Unternehmen die ausgetrampelten Pfade verlassen und neue Wege gehen, dass sie noch innovativer werden. Sie sollten sich fragen: Wer ist der Kunde von morgen? Welche Bedürfnisse hat er? Welche Produkte braucht er? Hierüber sollten wir als Branche schon heute viel mehr nachdenken. Denn in Zukunft wird es nicht mehr um den Wettbewerb zwischen Anbieter A und Anbieter B gehen, sondern um die Frage, ob Google, Apple oder Yahoo einen Asset-Manager aufbauen und die Nutzerdaten ihrer Kunden für ihre Finanzprodukte auswerten – und verwenden.

Mehr Infos zum bsi Summit: http://www.sachwerteverband.de/bsi-summit/home.html

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