Auch Nachts gehen die Lichter im Londoner Finanzzentrum Canary Wharf nicht aus. (Foto: Getty Images)

Auch Nachts gehen die Lichter im Londoner Finanzzentrum Canary Wharf nicht aus. (Foto: Getty Images)

Geschuftet bis zum Umfallen

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Moritz E. war schon immer ein Überflieger. Bereits während seiner Schulzeit stach er durch besonderes Engagement und Fleiß hervor, gewann mehrere Preise bei Wettbewerben in Mathematik, Englisch und Französisch. Nach seinem Abitur entschied er sich für ein Studium an der renommierten WHU Otto Beisheim School of Management. Sein Ehrgeiz wurde ihm wohl zum Verhängnis, denn nun ist er tot. Zwar sind die genauen Umstände noch nicht geklärt, wahrscheinlich hat er sich jedoch überarbeitet.

Im Rahmen eines siebenwöchigen Praktikums im Londoner Büro der Bank of America Merrill Lynch soll der Arbeitseinsatz des ehrgeizigen Studenten nämlich das gesunde Maß überschritten haben. „Wir arbeiten normalerweise 15 Stunden am Tag oder mehr“, zitiert die „Daily Mail“ einen anderen Praktikanten der Bank. Der Verstorbene soll dabei am härtesten von allen geschuftet haben.

Die hohe Arbeitsbelastung bestätigen auch andere Kollegen. Da die Praktikumszeiten nur bis zu zehn Wochen gingen, werde es akzeptiert. „Ich sehe viele Menschen herumlaufen, mit verschwommenen Augen und Koffein trinkend, um durchzukommen“, erklärt ein Kollege. Aber aufgrund der hohen Vergütungen und dem sehr großen Konkurrenzdruck würden sich die meisten nicht beschweren.

Vor seinem Tod soll Moritz E. drei Tage und Nächte fast vollständig durchgearbeitet haben. Das ist im Londoner Finanzdistrikt keine Seltenheit. Dem „Evening Standard“ sagte ein Investmentbanker, diese Schichten hießen umgangssprachlich „der magische Kreisel“. Dabei nehme man um sieben Uhr morgens ein Taxi nach Hause, lasse es vor der Haustür warten während man kurz duscht und anschließend gehe es wieder zurück ins Büro.

Die Bank selbst hat bislang keine Angaben zu den Arbeitszeiten Moritz E.s und von Praktikanten allgemein gemacht.

Laut dem Betreiber des Wohnheims, wo Moritz E. wohnte und auch starb, erfolgte dessen Tod ohne „verdächtige Umstände“. Die WHU schrieb in einer Mitteilung, sie bedauere den Verlust eines „wunderbaren Menschen“ und „sehr engagierten Studenten“.

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