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Gesetzliche Krankenversicherung

Deutsche Patienten meiden Videosprechstunden

Wer im Anschluss an einen persönlichen Arztbesuch weitere Infos und Tipps wünscht, soll sich künftig auch per Video-Chat über das Internet an einen Mediziner wenden. Eine solche Online-Sprechstunde würden heute jedoch lediglich 37 Prozent der Deutschen nutzen. Insbesondere im Saarland sind mit einem Anteil von 26 Prozent besonders wenige Menschen hierzu grundsätzlich bereit. Um 20 Prozentpunkte höher liegt die Zustimmungsrate hingegen in Hamburg, wie unsere interaktive Grafik unten zeigt.

Die in Form einer Deutschlandkarte dargestellten Unterschiede zwischen den 17 kassenärztlichen Vereinigungen hierzulande stammen aus einer aktuell veröffentlichten Studie ihres bundesweiten Dachverbands KBV. Für die KBV-Versichertenbefragung 2019 befragte die Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld im März und April dieses Jahres etwa 6.000 Versicherte im Alter zwischen 18 und 79 Jahren telefonisch zu ihrer Meinung zur medizinischen Versorgungssituation in Deutschland.

Jüngere offener für Videosprechstunde

Demnach würden unter jüngeren Befragten erheblich mehr Versicherte eine Videosprechstunde in Anspruch nehmen als in der älteren Generation. In allen Altersgruppen besteht ein deutliches Bildungsgefälle: Das Nutzungspotenzial unter Befragten mit formal hohem Bildungsniveau ist wesentlich höher als unter Befragten mit niedrigen Schulabschlüssen. Grundsätzliche Bereitschaft zur Nutzung signalisieren 41 Prozent der männlichen und 34 Prozent der weiblichen Teilnehmer der Umfrage.

Und trotz mancher Versorgungsdefizite und häufig längerer Anfahrtswege würden in kleinen Orten und Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern deutlich weniger Befragte eine Videosprechstunde nutzen als in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Zu beachten sei dabei, dass die Bevölkerung in Großstädten auch tendenziell jünger und bildungsstärker sei. Geringe Abweichungen zur Gesamtheit gebe es hingegen unter chronisch Kranken und Befragten schlechtem Gesundheitszustand.

Doch warum kommt eine Videosprechstunde mit dem Arzt für die Befragten nicht infrage? Bei einer Nachfrage nach den Gründen sagen mit 72 Prozent die allermeisten Befragten, dass sie lieber direkt mit dem Arzt sprechen wollen, berichten die Studienautoren. 15 Prozent geben an, dass ihnen für eine telemedizinische Beratung die Technik fehlt, hauptsächlich weil sie zuhause kein Internet haben. Diesen Grund führen vor allem die Befragten im Alter zwischen 70 und 79 Jahren an.

Eher selten Vorbehalte gibt es hingegen Angst vor mangelndem Datenschutz oder möglichen Fehldiagnosen. Allerdings bestehen für Videosprechstunden klare Grenzen, betonen die Versicherten, für die sie grundsätzlich infrage kommen: Telemedizin würden sie nur in einem beschränkten Rahmen wahrnehmen, zum Beispiel bei unproblematischen Anlässen, zur Weiterbehandlung, zur Nachsorge oder aufgrund Zeitmangels für eine persönliche Untersuchung in der Arztpraxis.

Skepsis gegenüber dem digitalen Arzt

Thomas Kriedel, KBV

„Die meisten Menschen wünschen sich den persönlichen Kontakt zu ihrem Arzt und stehen einer Fernbehandlung oder auch nur -beratung skeptisch gegenüber“, kommentierte Thomas Kriedel. Das KBV-Vorstandsmitglied wertet das als „ungebrochen hohes Vertrauen“ der Patienten in ihre Ärzte. „In unserer Versichertenbefragung zeigt sich, dass die Menschen die Möglichkeiten der Digitalisierung dort schätzen, wo sie hilft, Abläufe zu vereinfachen und möglicherweise Zeit zu sparen.“

Doch: „Nicht alles, was mithilfe der Digitalisierung machbar ist, ist sinnvoll und überhaupt gewollt“, zieht Kriedel als Fazit der Studie. „Sofern die Digitalisierung unmittelbar in die Behandlung eingreift beziehungsweise den Kontakt zwischen Patient und Arzt verändert, gibt es deutliche Vorbehalte“, skizziert Kriedel die weit verbreitete Skepsis der deutschen Kunden gesetzlicher Krankenversicherer. „Dem ‚digitalen‘ Arzt können die wenigsten Patienten etwas abgewinnen.“

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